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Diese Medikamente machen Männern Brüste

Diese Medikamente machen Männern Brüste
Diese Medikamente machen Männern Brüste FOTO: Shutterstock/ Semmick Photo
Berlin/Altdorf. Was bei Frauen ein Hingucker ist, schlägt Männern auf die Psyche: ein Busen da, wo man eine straffe Männerbrust erwartet. Medikamente, Drogen oder einfach nur ein Kosmetikprodukt können zu solch folgenschwerer Entwicklung führen. Von Tanja Walter

Wenn die Männerbrust Körbchengröße B ziert, wird es brenzlig für das männliche Ego. Mit weiten Shirts oder Kompressionsunterhemden versuchen die Leidgeprüften das zu verbergen, was sie unmännlich erscheinen lässt – ein Busen. Die Ursache für das Wachstum des weiblichen Attributs ist nicht einfach zu finden. Oft bleibt sie im Dunkeln, obwohl die auslösenden Faktoren hinlänglich bekannt sind.

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Hormone bringen Männer in die Zwangslage

­Schuld ist das weibliche Sexualhormon Östrogen, das in geringen Mengen auch im Körper eines jeden Mannes produziert wird. Es bildet sich aus dem Sexualhormon Testosteron und ist wichtig für den Knochenstoffwechsel und die psychische Ausgeglichenheit des starken Geschlechts. Östrogene sind es auch, die das Brustgewebe stimulieren und zum Wachstum anregen. Androgene, zu denen auch das Testosteron zählt, hemmen diese Entwicklung. Kommt dieses Zusammenspiel der Hormone aus dem Gleichgewicht und ist der Androgenfluss gestört, können auch Männern Brüste wachsen. Mediziner sprechen dann von einer Gynäkomastie. Selten ist das nicht. Grobe Schätzungen gehen davon aus, dass im Schnitt die Hälfte aller Männer im Laufe ihres Lebens einen weiblichen Brustansatz bekommt.

Schon mit der Geburt erleben die meisten Jungs eine hormonell bedingte Brustvergrößerung. Von ihrer Mutter haben sie noch Plazenta-Hormone im Blutkreislauf, die die Brustdrüsen vorübergehend anschwellen lassen. Nach rund drei Wochen verliert sich der Effekt, für den sie sich in späteren Jahren schämen würden. In der Pubertät kann es bei Jungen erneut zu einem Östrogenüberschuss kommen, der eine Gynäkomastie auslöst. Bei nahezu 50 Prozent der männlichen Jugendlichen ist das so, erklärt die Deutsche Gesellschaft der Plastischen Chirurgen. Die Brustdrüsen schwellen an und werden schmerzempfindlich, so wie es auch pubertierende Mädchen kennen. Doch das Phänomen ist zur Erleichterung der betroffenen und ihrer Eltern meist vorübergehender Natur und reguliert sich innerhalb von zwei bis drei Jahren von selbst wieder.

Großes Risiko bei dicken Männern

Mit 50 kommt die nächste Hormonkrise. Diesmal ist sie bedingt durch einen sinkenden Testosteronspiegel, durch den sich manchmal ein Östrogenüberschuss einstellt. Vor allem übergewichtige Männer leiden unter dieser Balancestörung und entwickeln Symptome eines Klimakterium: Sie werden müde, mitunter depressiv, können sich schlechter konzentrieren, klagen über Schmerzen im Bewegungsapparat, setzen einen Bauch an und bekommen einen Busen.

Wenn die Körperpflege zum nachhaltigen Eingriff wird

Was viele nicht wissen: Auch Cremes, Lotionen, Shampoos und andere Kosmetikprodukte und Pflegemittel können Östrogene enthalten oder pflanzliche Zubereitungen, die ähnlich wirken wie das weibliche Sexualhormon. Seifen mit Lavendel- oder Teebaumöl zeigen zwar nach einem gelegentlichen Gebrauch keine Spuren. Werden sie jedoch regelmäßig aufgetragen, erleben eben jene gut gepflegten Männer nach einiger Zeit das Grauen. Besonders Jungen kurz vor der Pubertät reagieren sensibel auf solche Produkte. Als problematisch bekannt sind auch östrogenhaltige Haarwässer für Frauen.

Daneben können Krankheiten an Leber, Nieren und Schilddrüse oder hormonaktive Tumore zum Wachstum eines weiblichen Dekolletés führen. Als unechte oder Pseudo-Gynäkomastie bezeichnen Mediziner die Brustentwicklung im Zuge einer schweren Übergewichtigkeit. Auch Medikamente können die folgenschwere Entwicklung auslösen. Schon die östrogenhaltige Vaginalcreme der Partnerin kann auf Dauer zum Brustwachstum beim Mann führen, informiert das Uniklinikum München. Aber auch Medikamente gegen Sodbrennen – wie zum Beispiel das rezeptfrei erhältliche Omeprazol, Herzmedikamente wie Digitalis, trizyklische Antidepressiva oder das Psychopharmakon Diazepam bergen die Gefahr dieser folgenschweren Nebenwirkung. Ebenso wie auch die Drogen Marihuana, Kokain, Alkohol und Amphetamine.

Mehr als nur ein optisches Problem

­Gleich welche Form des Brustwachstums vorliegt, stellt es für die Betroffenen eine erhebliche Einschränkung dar. Die Männer leiden an Schmerzen in der Brust, Spannungsgefühl, Berührungsempfindlichkeit, allgemeiner Müdigkeit, dem Verlust der Libido bis hin zu schweren psychischen Erkrankungen wie Depressionen. Urologen oder Andrologen sind erste Anlaufstellen, an denen die Betroffenen Hilfe finden.

Besonders in Anfangsphasen der Erkrankung können einfache Maßnahmen, wie zum Beispiel das Absetzen auslösender Medikamente Wirkung zeigen. Dazu ist allerdings notwendig, dass die Ursache zweifelsfrei geklärt wird. Steckt ein hormonelles Ungleichgewicht hinter der Symptomatik, kann eine medikamentöse Therapie Erfolg erzielen. In manchen Fällen allerdings hilft lediglich eine plastische Operation, bei der das Fett- oder Brustdrüsengewebe entfernt wird.

(wat)
 
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