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Gefährliche Weichmacher
Wie uns Verpackungen heimlich dick machen

Gefährliche Weichmacher in Plastik machen dick
FOTO: Juan Aunion/ Shutterstock.com
Düsseldorf . Wurst und Käse in der Plastikverpackung landen bei Millionen Deutschen im Einkaufswagen. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass die Weichmacher im Plastik über die Nahrung in den Körper gelangen - und heimlich dick machen.  Von Susanne Hamann

Phthalate nennt man eine Gruppe von Weichmachern, die in vielen Alltagsgegenständen aus Plastik enthalten sind. Von Kabeln über Tapeten bis hin zu Sport- und Freizeitartikeln und Verpackungen sorgen Phthalate dafür, dass das eigentlich stabile Plastik biegsam, weich oder sogar dehnbar wird.

Doch der Stoff ist umstritten. Immer wieder zeigen Studien, dass er unter bestimmten Umständen in den Körper gelangt und dort Schäden anrichtet. Gerade von Verpackungen, in denen sich fetthaltige Lebensmittel wie Wurst und Käse befinden, geht eine große Gefahr aus, weil sich der Weichmacher aus ihnen besonders leicht löst und in die Lebensmittel übergeht. 

Das sind die gefährlichsten Stoffe in Plastik

Einmal im Körper wirken sich die Phthalate auf das Hormonsystem aus - und damit auch auf das Gewicht. Das fanden Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Zusammenarbeit mit dem Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) Adipositas-Erkrankungen des Universitätsklinikums Leipzig heraus. 

Für ihre Forschung untersuchten die Wissenschaftler Mäuse, denen sie in Wasser gelöstes Phthalat zu trinken gegeben hatten. Wie sich zeigte, nahmen alle betroffenen Tiere deutlich an Gewicht zu. Besonders stark wirkte sich das Phthalat aber auf die weiblichen Mäuse aus. "Phthalate greifen ganz offensichtlich massiv in den Hormonhaushalt ein. Bereits in geringen Konzentrationen führen sie zu deutlichen Veränderungen wie beispielsweise der Gewichtszunahme", sagt Professor Martin von Bergen, Leiter der Abteilung Molekulare Systembiologie am UFZ.

Wie der Weichmacher das Stoffwechselsystem der Mäuse beeinflusst hat, zeigte sich bei einem Bluttest. Nicht nur war der Glukosestoffwechsel gestört.Es befanden sich zudem wesentlich mehr ungesättigte Fettsäuren im Blut der Tiere als unter normalen Umständen. Wie der Weichmacher allerdings im Detail in den Organismus eingreift und zu einer Gewichtszunahme führt, ist den Forscher bislang unklar.

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Gesundheitliche Risiken durch Weichmacher

Laut Umweltbundesamt können die Weichmacher zudem die Fortpflanzungsfähigkeit beeinflussen und sogar das ungeborene Kind im Mutterleib schädigen. In Tierversuchen wurde laut dem Bundesamt für Risikobewertung außerdem eine schädliche Wirkung auf lebenswichtige Hormondrüsen festgestellt (z.B. Schilddrüse). Darüber hinaus können die über das Abwasser in Gewässer und Äcker geschwemmten Weichmacher langfristig schädliche Wirkung für natürliche Gewässer und Ackerpflanzen entwickeln. Insgesamt sieben Phthalate sind deshalb inzwischen von der Europäischen Union als besonders gefährlich eingestuft worden. Vier davon (DEHP, BBP, DBP und DIBP) sind seit 2015 in der EU sogar zulassungspflichtig. 

Worin Phthalate sonst noch vorkommen

Das Problem: Die Weichmacher werden nicht nur über die Nahrung, sondern auch über die Luft, die Haut und über den Speichel aufgenommen. Aus diesem Grund hat die EU-Kommission die Weichmacher in Babyspielzeug aller Art verboten.

Vermeiden lässt sich die Aufnahme des Stoffes jedoch nicht. Das Bundesumweltamt schätzt, dass Reste von Phthalate im Urin oder Blut von fast jedem Menschen in Deutschland nachgewiesen werden können. Grund dafür ist, dass der Stoff an vielen verschiedenen Stellen austritt, etwa beim Putzen von PVC-Böden. Zudem kommen Phthalate auch im Hausstaub vor. Studien zeigen jedoch, dass die Hauptaufnahmequelle Lebensmittel sind.

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