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Altstädte in Deutschland
In Bamberg barocken Charme erleben

Bamberg - diese Altstadt ist einzigartig
Bamberg - diese Altstadt ist einzigartig FOTO: shutterstock/Roman Sigaev
Düsseldorf. Schlösser, Altstadt und urige Brauereien: So präsentiert sich die Stadt im fränkischen Steigerwald. Bamberg ist eine der ältesten Städte Deutschlands.  Von Anke Kronemeyer

Der weiße Puder ist noch nicht ganz gleichmäßig im Gesicht verteilt, die Perücke sitzt ein bisschen schief, aber sonst kommt dieser Justus zu Eckstein tadellos daher. Na gut: ein bisschen altmodisch schon. Sein Ausdruck - häufiger fällt das Wort "trefflich" - und sein Habitus lassen auf gute Erziehung, aber auch ein etwas höheres Alter schließen. Kein Wunder: Bei dem Herrn aus der Barockzeit handelt es sich um die rechte Hand des Bischofs. Natürlich nur im Spiel. Im richtigen Leben begleitet Touristenführer Jost Lohmann die Gruppe in seinem barocken Kostüm leicht, locker und kenntnisreich durch Bamberg.

Die Stadt ist so sehr "Barock" wie kaum eine andere Stadt in der Region. Denn als Lothar Franz Schönborn als Kurfürst, Erzbischof und Erzkanzler viel zu sagen hatte, empfahl er allen Bambergern, ihre Häuser in barocker Manier zu verzieren. Er versprach allen dafür Steuerfreiheit - das ließen sich rund um 1700 viele nicht zweimal sagen. Und weil vieles von dem alten Prunk noch erhalten ist, präsentiert sich die Region in voller Barock-Pracht - inklusive der zahlreichen Schlösser, die es zu besichtigen gibt.

Bamberg ist eine pulsierende bayrisch-fränkische Stadt mit großem touristischen Zulauf. Vier bis fünf Millionen Gäste kommen pro Jahr, um das Weltkulturerbe an der Regnitz zu entdecken. Das geht zum einen über die Architektur mit ihren rund 1500 Einzeldenkmälern zwischen altem Rathaus und Dom, aber auch durch das Lebensgefühl der Franken. Allein, dass es immer noch zahlreiche Bier-Brauereien in der Region gibt und dieses Bier fleißig ausgeschenkt wird, finden die Touristen nicht nur beim Souvenirkauf toll. Die übrigens auch gerne mal ein paar Bamberger Hörnle (Kartoffeln) oder Süßholz mit nach Hause nehmen - nur zwei von vielen Spezialitäten der Stadt. Neben der rustikal-fränkischen Küche natürlich.

Zwei Schlösser in der Region um Bamberg sind besonders erwähnenswert: Schloss Reichmannsdorf und Schloss Weissenstein, beide nur 16 Kilometer voneinander entfernt. Beide sind von Baumeister Johann Dientzenhofer (1663-1726) gebaut worden. Reichmannsdorf für die Familie derer von Schrottenberg, Wei-ssenstein als Sommerresidenz für den einflussreichen Lothar Franz Schönborn.

Schloss Reichmannsdorf in Schlüsselfeld entstand zwischen 1714 und 1719 und wurde bis vor kurzem noch von den letzten Schrottenberg-Erben bewohnt. Jetzt gehört es einem Investoren-Konsortium, das es nach und nach renovieren will. Aber: Es gehört auch zum benachbarten Hotel, das von der Düsseldorfer Lindner-Gruppe betrieben wird. Von dort können zum Beispiel Tagungen im Schloss-Ambiente gebucht werden, vor den Türen des mehr als 300 Jahre alten Gebäudes kann auf dem 18-Loch-Platz zudem Golf gespielt werden. Und weil der Barock eine entscheidende Rolle in der Architektur spielt, gibt es auch Barock-Abende mit authentischer Küche im Hotel. Über das Hotel werden auch Führungen durch die hochherrschaftlichen Räume angeboten.

Genauso wie im Schwester-Schloss in Pommersfelden. Dort werden pro Jahr 30.000 Besucher gezählt, die sich Orangerie, alte Küche und vor allem die unschätzbare Gemäldegalerie ansehen wollen. Bilder von Rubens, Breughel, Dürer, Tizian und van Dyck hängen dort seit 1715. "Es wurde nichts geplündert, nichts zerstört", wie Schloss-Führerin Antoinette Fehlinger erzählt. Diese Sammlung gilt als eine der größten Privatsammlungen Alter Meister im deutschsprachigen Raum. Aber auch der Marmorsaal oder der überaus kitschige Grottensaal sind ganz besondere Sehenswürdigkeiten. Lange war in der Anlage ein Hotel untergebracht, noch heute nutzt es Familie Schönborn für einen Aufenthalt im Sommer.

Stadtführer Justus zu Eckstein geht mit seiner Gruppe immer noch durch die Stadt, wird mehrfach von anderen Touristen angelacht und um ein "Selfie" gebeten. Das kann der Mann aus dem Barock natürlich nicht kennen, bietet sich aber keck als Fotomodell an. Und erzählt vom Rosengarten am Dom, vom Freilufttheater, das Kulisse für den Hollywoodfilm "Die drei Musketiere" war, vom Fürstenportal und vor allem der "holden Weiblichkeit", die es doch über die Jahrhunderte seinen Altersgenossen immer wieder angetan hat.

Die Redaktion wurde von der Lindner Hotelgruppe zu der Reise eingeladen.

Quelle: RP
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