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Bochum/Dinslaken
Für Ruhr und Welt

Ruhrtriennale in Bochum und Dinslaken: Das gibt's
Bühnenbauarbeiten in der Kohlenmischhalle der Zeche Lohberg in Dinslaken. FOTO: dpa, mku htf
Bochum. Die Ruhrtriennale beginnt in dieser Woche. Intendant Johan Simons lädt seine Besucher zu Abenden in denkwürdigen Gebäuden an der Ruhr. Von Wolfram Goertz, Dorothee Krings und Klas Libuda

Er ist erst einmal mit dem Auto durch diesen großen Raum gefahren und hat sich alles zeigen lassen. Als die erste Ruhrtriennale im Jahr 2002 noch ein Gedankengebäude war, staunte der designierte Gründungsintendant Gerard Mortier wie ein Kind, als er Zechen und Jahrhunderthallen, Kokereien, Kraftzentralen und Gebläsehallen abklabasterte - die sollte und wollte er zu Kunst verwandeln und mit Kunst füllen.

Die Ruhrtriennale ist längst zu einem internationalen Festival mit weit reichender Strahlkraft geworden. In diesem Jahr übernimmt ein neuer Intendant für drei Jahre die Leitung: der Niederländer Johan Simons; er kommt von den Münchner Kammerspielen. Der Blick in sein erstes Programm zeigt, dass auch er viel wagt und alles Konventionelle in Verwandlung bringen will. Sein Motto: "Seid umschlungen".

Der neue Intendant der Ruhrtriennale, Johan Simons. FOTO: dpa

Musiktheater So bringt Simons am Freitag, 14. August, als Musiktheaterprojekt "Accattone" heraus, den Cineasten vom grandiosen Film Pier Paolo Pasolinis kennen: ein Bekenntniswerk als soziales Manifest über einen jungen Römer, der auf die schiefe Bahn gerät und sie nicht mehr verlässt. Die Musik aus Bachs "Matthäuspassion" gab dem Filmen eine religiöse Dimension. Simons wird "Accattone" nun in der erstmals bespielten Zeche Lohberg in Dinslaken mit Kirchenkantaten von Bach verbinden; die musikalische Leitung hat der Belgier Philippe Herreweghe.

Claudio Monteverdis Oper "Orfeo" in der Inszenierung von Susanne Kennedy, Suzan Boogaerdt und Bianca van der Schoot (Premiere: Donnerstag, 20. August) ist als begehbarer Parcours in der Zeche Zollverein konzipiert. Die Zuschauer werden in Gruppen von acht Personen durch verschiedene Räume geführt: Stationen in Orfeos Abstieg und seinem Versuch, die geliebte Eurydike für sich zurückzugewinnen. Dargeboten wird die Produktion in der labyrinthischen Mischanlage der Kokerei Zollverein in Essen mit ihren abfallenden Wänden.

Dass Richard Wagners "Ring des Nibelungen" mit dem Ruhrgebiet viel zu tun hat, will Simons in "Rheingold" (Premiere: 12. September in der Jahrhunderthalle Bochum) beweisen. Am Pult steht der Dirigent Teodor Currentzis.

Tanz Choreografien des US-Amerikaners Richard Siegal scheinen unter Strom zu stehen. Seine Arbeiten sind kurz, kraftgeladen, hochverdichtet. Sein neues Werk "Model" hat er für zeitgenössische Performer sowie klassisch ausgebildete Tänzer des Bayerischen Staatsballetts geschaffen. Sie eröffnen am 15. August auf Zeche Zollverein in Essen das Tanzprogramm der Ruhrtriennale. In den folgenden Wochen sind namhafte Choreografen wie Meg Stuart zu Gast, die sich durch ein Zitat von Cornelius Gurlitt zu ihrer neuen Arbeit inspirieren ließ. Oder Anne Teresa De Keersmaeker, die sich in ihrer aktuellen Arbeit mit einer poetischen Erzählung Rainer Maria Rilkes beschäftigt.

Eröffnungsparty Samstagnacht wird getanzt. In und um die Jahrhunderthalle am Bochumer Westpark lädt die Ruhrtriennale für den 15. August zur Eröffnungsparty ein. Das Ritournelle-Fest widmet sich ganz der elektronischen Musik. Ab 18 Uhr beginnen die Sets der sieben DJs vor der ehemaligen Gussstahlfabrik. Der hippe Essener Club Goethebunker kuratiert das Programm unter freiem Himmel, das bis zur Morgendämmerung angesetzt ist. Höhepunkt wird wohl der Auftritt des Techno-Künstlers Pantha du Prince, der ab 23 Uhr auf der Bühne stehen soll. Ab vier Uhr morgens wird der letzte DJ seine Platten auflegen.

In der Jahrhunderthalle beginnt das Programm um 21 Uhr. Das US-amerikanische Techno-Projekt Hecta macht den Auftakt und spielt zum allerersten Mal ein Livekonzert. Anschließend treten The Notwist auf, die zuletzt das tolle Album "Close To The Glass" veröffentlichten und Gitarrenrock mit Synthesizer-Flächen und Laptop-Gefrickel vermählen. Um 23.55 spielt Daniel Victor Snaith, der sich auf der Bühne Caribou nennt. Der studierte Mathematiker macht Elektro-Pop und gibt Konzerte fast immer mit Liveband. Der Eintritt zum Ritournelle-Fest kostet 40 Euro, ermäßigt 20 Euro.

www.ruhrtriennale.de

Quelle: RP
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