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Schimmelige Akten in Bochum
Rathausmitarbeiter dürfen nur noch mit Schutzanzügen in den Keller

Bochum: Kellerräume im Rathaus wegen schimmeliger Akten geschlossen
FOTO: Shutterstock
Bochum/Düsseldorf. Teile des Rathauskellers in Bochum sind kontaminiertes Gebiet: In einigen Räumen schimmeln alte Akten vor sich hin. Mitarbeiter dürfen jetzt nur noch mit Schutzanzügen und Atemmasken ins Archiv.

Eigentlich ist das Problem schon seit 2015 bekannt: Im historischen Rathaus der Stadt Bochum lagern Akten im Keller, die langsam vor sich hin schimmeln. Sie sollen sich auf einer Länge von drei Kilometern aneinander reihen lassen. Laut Stadtverwaltung sind mangelnde Luftzirkulation und ein Wasserrohrbruch der Grund. Weil die Stadt finanziell angeschlagen ist und ständig der Nothaushalt droht, ist bisher in Sachen schimmelige Akten nichts unternommen worden. 

Doch jetzt wird es höchste Zeit: Schon seit Längerem können Mitarbeiter auf Geheiß des Gesundheitsamts nur noch im Schutzanzug und mit Atemmaske in die betroffenen Kellerräume. Das bestätigte die Stadt. Die Räume sind kontaminiertes Gebiet, es wurde sogar eine Luftschleuse eingerichtet, damit sich die Schimmelsporen nicht verbreiten können. 

Grundstücksakten und Kataster sind betroffen

In den Räumen lagern unter anderem Grundstücksakten und Kataster aus der Fachabteilung "Wohnung und Liegenschaften". Eine Bürgerin hatte sich jüngst in einem Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen beklagt, dass sie ihre Grundstücksakten nicht einsehen könne. Die Frau hatte gegen die Stadt Bochum geklagt, weil sie die Erschließungsgebühr für ihren Wasseranschluss nicht zahlen wollte. Sie hatte vor Gericht verloren, sich danach aber beschwert, weil sie angeblich die Akten wegen des Schimmelbefalls nicht einsehen könne. 

Das jedoch weist ein Sprecher der Stadt zurück. Natürlich könnten Bürger Akten einsehen, wenn sie einen Antrag stellen. Mitarbeiter machen sich dann in Begleitung von Fachleuten des Gesundheitsamts auf den Weg in den Keller und suchen die entsprechenden Akten in Schutzmontur heraus. 

Im Herbst sollen die Akten gesäubert und digitalisiert werden

Im Herbst wird entschieden, wie es mit den Akten weitergeht. Eine externe Firma mit der Reinigung zu beauftragen, sei zu teuer, teilte der Sprecher mit. Aber man könne nicht alles in Eigenleistung erbringen, dann bleibe zu viel anderes liegen. Zum Vergleich: Die Humboldt-Universität Berlin lässt ihre historischen Buchbestände, die sich auf etwa fünf Kilometern aneinander reihen lassen, für knapp 40.000 Euro von Staub befreien. In Bochum müssen die Akten jedoch gesäubert und gleichzeitig digitalisiert werden. 

(heif)
 
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