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Camperin in Bonn vergewaltigt
Ungläubige Reaktion auf Notruf – Anzeige gegen Polizistin

Camperin in Bonn vergewaltigt: Anzeige gegen Polizistin nach Fehlverhalten bei Notruf
Die Siegaue bei Bonn. FOTO: dpa, vla fdt
Bonn. Eine Privatperson hat Strafanzeige gegen die Polizistin gestellt, die Zweifel zeigte, als ein Student die Vergewaltigung seiner Freundin in der Siegaue bei Bonn meldete. Ein Strafverfahren wird es aber nicht geben. Es drohen jedoch Disziplinarmaßnahmen.

Die Anzeige liege seit Montagmorgen vor, sie laute auf Strafvereitelung im Amt, sagt Sebastian Buß, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Prüfung ist bereits abgeschlossen. "Es liegt kein strafrechtlich relevantes Verhalten vor", sagt Buß. Daher werde aufgrund des Sachverhaltes kein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Aus dem Protokoll der Bonner Polizeinotrufzentrale geht hervor, dass die Polizistin den Anruf des Freundes des Opfers zunächst nicht ernst genommen hatte. "Hallo, meine Freundin wird gerade vergewaltigt", hatte der Anrufer am Telefon geflüstert, "von einem Schwarzen". Misstrauisch erkundigte sich die Polizistin: "Und da geht jemand Ihre Freundin an oder wie?" Mit den Worten "Sie wollen mich nicht verarschen, oder?" reagierte sie auf die Aussage des Mannes, der Vergewaltiger habe eine Machete dabei.

Bonner Polizei prüft Disziplinarmaßnahmen

Die Beamtin habe nach dem Anruf reagiert und Streifenwagen in die Siegaue geschickt, sagt Buß von der Staatsanwaltschaft. Alles andere, wie der Ton und die Wortwahl der Polizistin, zögen mögliche disziplinarrechtliche Maßnahmen nach sich, "die der Polizei obliegen".

Wie die aussehen könnten, steht indes noch nicht fest. Derzeit prüft die Bonner Polizeibehörde den Vorgang, in den nicht nur die Beamtin, sondern auch ein männlicher Kollege involviert ist. Dieser hatten den zweiten Anruf des Studenten entgegen genommen und ihm die Nummer der Siegburger Polizei genannt mit dem Hinweis, diese sei zuständig, er solle sich dort melden.

Nach Informationen des "General-Anzeigers" müssen die Leitstellen-Beamten mit Konsequenzen rechnen. So wie es aussieht, sollen sie versetzt werden. Ein Polizeisprecher wollte sich nicht zu den Konsequenzen äußern und verwies auf Gespräche, die noch anstehen. Nur so viel: Die Reaktionen seien nicht in Ordnung, die Sprache sei nicht adäquat gewesen.

"Allerdings hätte die Straftat nicht verhindert werden können." Es sei ein schwerwiegender Fehler gewesen. "Wir entschuldigen uns bei den beiden Opfern."

(jab)