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Klamme Kommunen in NRW
Den Schwimmbad-Rettern droht das Aus

Klamme Kommunen in NRW: Den Schwimmbad-Rettern droht das Aus
Das Freibad des Wuppertaler Schwimmvereins Neuenhof 1930 im Wuppertaler Süden hat auch im Winter geöffnet. Rund 1500 Mitglieder zählt der Verein in den Wintermonaten, in der Sommersaison sind es bis zu 2600. FOTO: Andreas Endermann
Wuppertal/Wulfen. In immer mehr Städten übernehmen Vereine Schwimmbäder von Kommunen, um den Betrieb zu sichern. Durch Ehrenamt und Herzblut lassen sich Kosten sparen und Entscheidungen flexibel gestalten. Doch dem Modell droht das Aus. Von Markus Plüm

An einem warmen Sommertag mal eben im örtlichen Freibad ins Becken hüpfen oder an kalten Wintertagen im warmen Hallenbad ein paar Bahnen ziehen - das ist in immer weniger Städten Nordrhein-Westfalens möglich. Denn vielerorts müssen klamme Kommunen ihre Schwimmbäder schließen, weil der Kostendruck einfach zu groß wird.

Doch es gibt auch Hoffnung. Denn in immer mehr Städten schließen sich Vereine zusammen oder bilden sich Initiativen, die "ihr" Bad erhalten wollen. Die Vereine übernehmen die Schwimmbäder von den Kommunen und betreiben diese mit Herz und Ideologie. Vielerorts konnten dadurch bereits Bäder vor der Schließung bewahrt werden.

Vereine schlossen sich zusammen

So etwa in Duisburg, wo der Schwimm- und Sportclub 09/20 insgesamt vier Bäder - davon zwei für den Stadtsportbund - betreibt. Oder in Wulfen, einem Stadtteil des westfälischen Dorstens. Dort kooperieren insgesamt vier Vereine in einem Trägerverein, der seit 2013 das örtliche Hallenbad betreibt. "Es haben sich die Vereine zusammengeschlossen, die früher im Bad trainiert haben", erklärt der Vorsitzende Mirko Bernhardt.

Insgesamt 1500 Mitglieder gehören dem Trägerverein inzwischen an - und auch nur die dürfen das Bad nutzen. Laut Bernhardt konnten die Einnahmen dadurch vervierfacht werden. "Die Stadt hat früher etwa 25.000 Euro im Jahr durch Eintrittsgelder eingenommen, wir haben Mitgliedsbeiträge in Höhe von 100.000 Euro." Dabei sei die Mitgliedschaft im Verein durchaus sozial verträglich. "Erwachsene zahlen bei uns zehn Euro im Monat. Das ist auf Dauer günstiger, als ab und an mal Eintritt zu zahlen, zumal man so oft schwimmen kommen kann, wie man möchte", erläutert Bernhardt.

Bestandteil des öffentlichen Lebens

Schwimmbäder sind grundsätzlich unverzichtbarer Bestandteil des öffentlichen Lebens. Nur ist ein Bad auch teuer. Ein durchschnittliches Freibad in Deutschland erwirtschaftet nur rund 27 Prozent der Kosten, ein Hallenbad gut 30 Prozent - letztlich ein Zuschussgeschäft. Und so geht es auch in Wulfen nicht so ganz ohne die Stadt. Diese übernimmt ein Drittel der Betriebskosten, ist auch weiterhin Eigentümerin der Gebäudehülle sowie für den Brandschutz zuständig. "Wir sind quasi Pächter. Aber alles, was für den Badbetrieb notwendig ist, organisieren wir in Eigenleistung - darunter die Wartung der Technik oder die Instandhaltung der Anlagen", sagt Bernhardt. Der große Vorteil sei, dass man im Gegensatz zur Kommune kein Personal bezahlen müsste, sondern viele Arbeiten von Ehrenamtlichen übernommen würden. "Dadurch können wir viel flexibler agieren und auch längere Öffnungszeiten anbieten." Dennoch müsse man kämpfen, um am Ende des Jahres ein halbwegs ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen.

Mit ähnlich viel Enthusiasmus und Hingabe sind auch die Mitglieder des Schwimmvereins Neuenhof 1930 in Wuppertal am Werk. Das vereinseigene Freibad im Wuppertaler Süden hat sogar im Winter geöffnet. "Dann kommen die Leute von weit her, um bei uns zu schwimmen", sagt der Vereinsvorsitzende Burkhard Orf. Rund 1500 Menschen nutzen das Angebot der Wintermitgliedschaft, in der Sommersaison zählt der Verein bis zu 2600 Mitglieder. "Es geht nur über enorme Summen oder eine enorme Menge an Mitgliedern." Auf große Summen wolle man aber verzichten. "Wir haben kein jungfräuliches Bad, aber ein Kleinod mit außergewöhnlichen Öffnungszeiten." Denn der ganzjährige Betrieb biete auch Vorteile. "Wenn die Maschinen das ganze Jahr über laufen, sind sie nicht so problemanfällig, als wenn sie ein halbes Jahr stillliegen."

Keine schnellen Lösungen

Orf meint aber auch zu wissen, warum es Kommunen immer schwerer fällt, Schwimmbäder halbwegs wirtschaftlich zu betreiben. "Die Entscheidungsstrukturen sind einfach zu statisch, dort können keine schnellen, bedarfsgerechten Lösungen gefunden werden. Warum werden viele Bäder ausgerechnet während der Schulferien für Renovierungsarbeiten geschlossen? Das ist doch komplett kontraproduktiv." Vereine hätten es da schon einfacher. Und so reagierte Orf auch spontan, als jüngst das Wuppertaler Schwimmleistungszentrum wegen Sanierungsarbeiten geschlossen werden musste. "Die Leistungsschwimmer haben wir nun bei uns aufgenommen, die trainieren hier jetzt für ihre Meisterschaften."

Das Modell des vereinseigenen Bads kann vielerorts also dazu beitragen, Schwimmbäder vor der Schließung zu bewahren. Gegenwind dafür gibt es nun aber ausgerechnet vom Bund. Denn der Bundesfinanzhof rügte jüngst die Stadtwerke in Bützfleth bei Stade in Niedersachsen, die das dortige Bad an einen Verein verpachtet hat. Dieser bekommt einen jährlichen Zuschuss von der Stadt - offenbar ein Verstoß gegen das EU-Wettbewerbsrecht. Eine Entscheidung steht noch aus, aber bald könnten viele vereinsbetriebene Schwimmbäder buchstäblich ausgetrocknet werden.

Quelle: RP
 
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