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Ermittlungen wegen versuchter Tötung
Ätzendes Granulat auf Aachener Spielplätzen entdeckt

Ermittlungen wegen versuchter Tötung - Ätzendes Granulat auf Aachener Spielplätzen entdeckt
Dieses Foto veröffentlichte die Polizei im Juni, nachdem Unbekannte in Aachen Rohrreiniger verstreut hatten. FOTO: dpa, fg jhe
Aachen. Nach dem erneuten Fund von ätzendem Granulat auf einem Aachener Spielplatz hat die Polizei noch keine Spur. Die Staatsanwaltschaft belohnt Hinweise mit 3000 Euro und ermittelt wegen versuchter Tötung.  Von Beate Wyglenda

Es ist ungewöhnlich ruhig auf dem Spielplatz Lochnerstraße im Aachener Westpark. Normalerweise toben dort Dutzende Kinder, ist weit hörbar Lachen zu vernehmen. Nun ist der Spielplatz jedoch wie ausgestorben. Ein rot-weißes Flatterband sperrt das Areal ab. 

Denn auf dem Klettergerüst, auf der Sitzfläche der Schaukel und an der Rutsche wurden am Sonntag kleine weiße Kügelchen entdeckt. Eine Mutter fand die Hagelzucker ähnliche Substanz am frühen Morgen auf den Spielgeräten und alarmierte die Polizei. "Die Kriminalbeamten sind noch dabei, die Inhaltsstoffe auszuwerten", sagt Jost Schützeberg von der Staatsanwaltschaft Aachen. "Vermutet wird aber, dass es sich wie in den Fällen von Juni um einen Rohrreiniger handelt."  

Kleinkind verätzt sich den Mund 

Schon damals verstreuten Unbekannte auf mehreren Spiel- und Grillplätzen die ätzende Chemikalie auf Bänke und Spielgeräte. Fünf Kinder wurden dabei leicht verletzt. Ein zweijähriges Mädchen erlitt beim Eisessen Verätzungen im Mund. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen versuchter Tötung ein. 

"Ich kann mir nicht vorstellen, was in dem Kopf dieses Menschen vorgeht", sagt Erzieherin Andrea Kurt. Sie macht mit dem Team vom Katholischen Kindergarten St. Gregorius jeden Tag einen prüfenden Rundgang auf dem Spielplatz, auf dem die Kindergartenkinder spielen sollen. Auch Sonja Roye, Leiterin der Kita "Kleine Sonne", kontrolliert alle Geräte, bevor die Kinder darauf spielen dürfen. Gleichzeitig warnt sie Eltern davor, nach den Vorfällen grundsätzlich öffentliche Spielplätze zu meiden. "Kinder brauchen einfach die Bewegung im Freien", sagt sie. "Ihnen sollte auch nicht vermittelt werden, dass sie sich draußen fürchten müssen."

Erzieherin Nicole Bülles der Awo-Kita "Sternschnuppe" hält Aufklärung für wichtig. "Wir haben alle Eltern mit einem Infozettel zur Vorsicht geraten, Kindern aber das Toben auf Spielplätzen zu verbieten, ist sicher der falsche Weg."        

Noch kein Verdächtiger 

In dem jüngsten Fall von Sonntag wurde niemand verletzt, sagt Evelin Wölk von der Stadt Aachen. "Die Augenzeugin meldete sich sehr früh bei der Polizei. Deshalb waren noch keine Kinder auf dem Platz." Auch die umliegenden 20 Spielplätze im Innenstadtbereich wurden abgesucht. Ohne Ergebnis, teilte die Leitstelle der Polizei mit. "Nach wochenlanger Ruhe war dies wieder der erste Fall", bestätigt Schützeberg. Die Polizei will im Streifendienst nun verstärkt auf die Spielplätze achten. 

Einen Verdächtigen konnten die Ermittler bislang nicht ausmachen. "Es kamen zwar bereits Hinweise aus der Bevölkerung an, die waren aber nicht konkret genug", sagt Schützeberg. Die Staatsanwaltschaft lobt 3000 Euro Belohnung für alle Hinweise aus, die den Täter identifizieren können. 

Spielplatz bleibt gesperrt 

Derweil bleibt der Spielplatz im Aachener Westpark gesperrt. Nach der Spurensuche muss die Stadt den Platz prüfen. "Wir müssen feststellen, ob Spielgeräte durch das ätzende Granulat beschädigt wurden und wir sie austauschen müssen", sagt Wölk. "Wir warten zudem auf einen starken Regen, der das Granulat verdünnt."    

Wer verdächtige Situationen beobachtet oder weiße Kügelchen auf Plätzen entdeckt, soll sich bei der Aachener Polizei unter Telefon 0241 957734210 melden. Das Granulat sollte nicht selbstständig entfernt werden. Bei Kontakt mit der Haut wirkt es ätzend und kann zudem Schäden in der Natur verursachen. 

 
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