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Statistik
NRW ist Schlusslicht bei Kinderbetreuung

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Düsseldorf . In den ostdeutschen Bundesländern werden fast doppelt so viele Kinder unter drei Jahren in einer Kita oder durch Tagesmütter betreut als in Westdeutschland. Das geht aus einer Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes hervor. In Westdeutschland bildet NRW das Schlusslicht. Von Jessica Kuschnik

Für viele Familien ist der Ausbau der Kindertagesbetreuung ein wichtiges und dringliches Thema. Nur wenn die Infrastruktur stimmt und ausreichend Kita-Plätze auch für Kinder unter drei Jahren vorhanden sind, entscheiden sich vor allem junge Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind, für Nachwuchs. Um einen Überblick über den tatsächlichen Bedarf zu bekommen, erstellt das Statistische Bundesamt jährlich eine Statistik zur Betreuungsquote.

Daraus geht hervor, dass mit dem Stichtag 1. März 2015 bundesweit 693.343 Kinder unter drei Jahren in einer Kita oder durch eine Tagespflegeperson betreut wurden (Betreuungsquote von 32,9 Prozent). Im Bundesvergleich schnitt NRW unterdurchschnittlich ab und landet damit auf dem letzten Platz: Zwar gab es hier im Vergleich zum Vorjahr den höchsten Anstieg (plus 2,1 Prozentpunkte), jedoch bildet NRW mit einer Betreuungsquote von nur 25,9 Prozent das Schlusslicht. Insgesamt wurden in NRW im vergangenen März 117.428 Kinder unter drei Jahren betreut. Zum Vergleich: Bayern folgt mit 92.668 Kindern auf Platz zwei. Doch liegt die Betreuungsquote hier mit 27,5 Prozent höher.

In Ostdeutschland lassen noch immer mehr Eltern ihre Kinder unter drei Jahren in einer Kita betreuen als in Westdeutschland. FOTO: dpa, Waltraud Grubitzsch

Quote in Düsseldorf am besten

In NRW nutzen Familien in den Regionen Düsseldorf, Bonn und dem Rheinisch-Bergischen Kreis am häufigsten Betreuungsangebote für unter Dreijährige. Dort liegt die Betreuungsquote bei 30 bis 40 Prozent. Im Oberbergischen Kreis, Duisburg, Oberhausen und Mönchengladbach hingegen liegt die Quote bei unter 20 Prozent.

Generell bewegt sich die Betreuungsquoten in den westdeutschen Ländern auf einem deutlich geringeren Niveau als in den ostdeutschen Bundesländern, so das Statistische Bundesamt. Dennoch sei positiv zu bewerten, dass die Betreuungsquote nur in wenigen Regionen weniger als 20 Prozent beträgt – in Ostdeutschland sind es flächendeckend mindestens 40 Prozent. Auf dem Krippengipfel von Bund, Ländern und Kommunen im Jahr 2007 wurde vereinbart, bis 2013 bundesweit für 35 Prozent der unter Dreijährigen ein Betreuungsangebot zu schaffen. 

Mehr Betreuung für Kinder mit Migrationshintergrund im Westen 

Unterm Strich äußert sich das Statistische Bundesamt jedoch auch über NRW positiv: "Es lässt sich zusammenfassen, dass die Betreuungsquote der unter Dreijährigen in den ostdeutschen Bundesländern wie schon in den Vorjahren deutlich über denen in den westdeutschen Ländern lag", heißt es, "aufgrund des Nachholbedarfes kam es jedoch in Westdeutschland in fast allen Kreisen zu einem (teils deutlichen) Anstieg der Betreuungsquote." Hingegen lag der Anteil der Kita-Kinder mit Migrationshintergrund in den ostdeutschen Kreisen deutlich unter dem in westdeutschen Kreisen.

Einigkeit scheint in Ost und West bei der Betreuung von Kindern unter einem Jahr zu herrschen: Zwar ist die Betreuungsquote bei Babys in den neuen Ländern fast doppelt so hoch wie in den alten, aber überall sehr gering: Im Osten liegt sie in dieser Altersgruppe bei 4,1 und im Westen bei 2,3 Prozent.

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