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Düsseldorf
Sportler begrüßen gelockerten Lärmschutz

Düsseldorf. Durch die vielen Einschränkungen haben Vereine Mitglieder verloren. Das soll sich jetzt ändern. Von Nicole Scharfetter

Als vor drei Jahren ein Brief von der Stadt beim TV Grafenberg ankam, fiel Ulrich Geduldig vom Vorstand aus allen Wolken. "Die drohten uns an, dass wir nur noch jeden zweiten Sonntag Heimspiele austragen dürfen." Zudem sollten keine weiteren Mitglieder aufgenommen werden - ausgerechnet zum 125-jährigen Bestehen des Vereins. Und das, weil sich Nachbarn über den Lärm der Sportler beschwert hatten. "Wir waren nicht die Einzigen, die dieses Schreiben bekommen haben. Aber wir waren die Ersten, die sich dagegen wehrten", sagt Geduldig. Mit Erfolg.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) will die Zügel in der Sportanlagenlärmschutzverordnung ein wenig lockern. So sollen vor allem die Grenzwerte in Ruhezeiten, zum Beispiel an Werktagen zwischen 20 und 22 Uhr, angepasst werden. "Wenn bisher 40 Minuten Training erlaubt waren, sollen jetzt zwei Stunden möglich sein", sagt Achim Haase vom Landessportbund NRW. Der DFB, die Sportministerkonferenz und der DOSB hatten Vorschläge zur Gesetzesänderung gemacht, zum Beispiel, dass Kinderlärm auch auf Sportanlagen keine schädliche Umwelteinwirkung im Sinne des Lärmschutzrechtes ist. "Leider ist diese Forderung wohl nicht in gewünschter Weise berücksichtigt worden, obwohl dies angekündigt wurde", sagt Haase. Dafür könnten Kommunen durch den Wegfall der Ruhezeiten an Sonn- und Feiertagen flexibler handeln.

"Durch die vielen Einschränkungen haben Vereine Mitglieder verloren", sagt Dirk Brennecke, Geschäftsführer des Fußballverbands Mittelrhein (FVM). Anstatt sich um Auflagen zu kümmern, könnten die Vereine jetzt endlich wieder ihrer eigentlichen Arbeit nachkommen. Verständnis hat er keines für die Menschen, die eine Wohnung in der Nähe einer Sportanlage mieten oder kaufen und sich nachträglich über Lärm beschweren. "Leider war die Rechtsprechung bisher nicht sehr sportfreundlich", sagt er. Maßgeblich am Umdenken der Umweltministerin beteiligt war die Düsseldorfer Ratsfrau Monika Lehmhaus (FDP). Sie startete 2014 eine Unterschriftenaktion, mit der Hendricks aufgefordert wurde, die Lärmrichtwerte weniger streng zu fassen. Noch ist Lehmhaus vorsichtig optimistisch, denn bisher existiere nur ein Entwurf. "Die Mittagsbegrenzung ist wohl aufgehoben. Ob die Dezibel-Hochsetzung nach 20 Uhr ausreicht, müssen wir abwarten", so Lehmhaus. Zuletzt wurden für rund zwei Millionen Euro Lärmschutzanlagen beim FC Tannenhof, SC Wersten 04 und am Kikweg errichtet. "Was wir mit dem Geld alles hätten machen können", sagt die Düsseldorfer Ratsfrau. Zehn multifunktionelle Sportflächen hätten gebaut oder drei Kunstrasenplätze saniert werden können.

Ulrich Geduldig fühlt sich durch den Vorstoß der Umweltministerin nun ernster genommen. Vieles sei jetzt juristisch klarer definiert. Zum Beispiel, dass der Bestandsschutz einer Anlage nach dem Umbau eines Ascheplatzes in einen Kunstrasenplatz nicht mehr wegfalle. Sorgen, dass jetzt bis spät in die Nacht gekickt wird, bräuchten sich die Nachbarn übrigens keine machen: "Unser Trainingsbetrieb endet um 21.30 Uhr, und im Clubhaus achten wir darauf, dass die Terrasse nach 22 Uhr nicht mehr genutzt wird."

Quelle: RP
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