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Dinslaken-Lohberg
Lieder von Liebe und Abschied

Dinslaken-Lohberg. Das Duo Mejtar trat im Theater Halbe Treppe in Lohberg auf. Von Bettina Schack

Die Lieder handeln von Liebe und Abschied, von trügerischen Sirenen und dem Reichtum des Königs von Frankreich, der in der Vorstellung der einfachen Leute ins Unermessliche steigt. Die Melodien sind voller Seele. Manche sind in Rhythmus und Harmonik eindeutig spanisch, andere stehen in engster Verwandtschaft mit den Troubadour-Gesängen. Und einige Wendungen weisen auf einen Ursprung im Nahen Osten hin. Älteste Quellen oder schon wieder ein neuerer Einfluss? Geprägt wurden die Lieder, die das Duo Mejtar am Freitagabend vor einem wunderbar vollen Haus im Theater Halbe Treppe im Stadtteil Lohberg sang, von der Flucht eines ganzen Volkes.

Nach der Rekatholisierung Spaniens im Jahre 1492 wurden die spanischen Juden, die Sephardim, gezwungen, zu konvertieren oder das Land zu verlassen. Was sie mitnehmen konnten, war ihre Sprache. Ein mittelalterliches Spanisch, nach der Bezeichnung von Übersetzungen aus dem Hebräischen in eine romanische Sprache Ladino genannt. Der ursprüngliche Jargon verfestigte sich erst durch das Exil.

Ladino hörte man im Osmanischen Reich, das sich den Sephardim öffnete ebenso wie es noch heute, vielleicht in letzter Generation, im westlichen Teil Südamerikas gesprochen wird.

Das Repertoire der Lieder in Ladino ist begrenzt und nahezu unbekannt. Der "Rey del Francia" kursiert in der Mittelalterszene, "Los bilibicos", die Nachtigallen, die den Titel der ersten CD des Duos gaben, ist wegen seines griffigen spanischen Stils populär. Beeindruckend sind die Vertonungen biblischer Themen.

Hartmut Kehr und Mikhail Shilin haben sich vor vier Jahren in einem Theaterprojekt der russisch-jüdischen Gemeinde Oberhausen kennengelernt. Das Stück ging dann überaus erfolgreich auf Tour, und Kehr und Shilin entdeckten ihre gemeinsame Liebe zur Musik. Das Duo Mejtar - der Name ist das Ladino-Wort für Saite - begann mit jiddischen Liedern. Doch Mikhail Shilin begab sich auf die Spur der unbekannteren Lieder in Ladino. Aktuell machen diese das gesamte Programm aus, nur die Zugabe ist in Jiddisch.

Viel Applaus für ein bewegendes Konzert.

Quelle: RP
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