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Ruhrtriennale
Dinslaken

Ruhrtriennale 2015 - In "Johans Saloon" Künstler hautnah miterleben
Die Talkrunde im "Saloon": Künstler Joep van Lieshout, Ruhrtriennale-IntendantJohan Simons, und die Schauspieler Benny Claessens, Elsie de Brauw, Sandra Hüller und Anna Drexler, die bei "Accattone" mitwirken.
Dinslaken. Nach der Accatone-Vorstellung öffnete "Johans Saloon" zum Gesprächskreis mit Künstlern des Kulturfests. In der Rolle des "Talkmasters" machte der Intendant dabei eine gute Figur und demonstrierte nebenbei noch seine Kochkünste. Von Florian Langhoff

Dinslaken In der ehemaligen Zentralwerkstatt der Zeche Lohberg ist mit Tauen ein kleiner Bereich abgrenzt. Hier stehen Holztische und -stühle parat und schaffen eine heimelige Atmosphäre. Schnell füllen sich die Tische mit Besuchern, die in "Johans Saloon" sowohl den Intendanten der Ruhrtriennale als auch einige der Künstler des Kulturfestivals hautnah erleben möchten. Als Johan Simons die Bühne betritt, gilt seine erste Frage allerdings nicht einem der anwesenden Künstler, sondern dem Publikum: "Hat ihnen die Fischsuppe geschmeckt?" fragt er. Zustimmende Geräusche aus dem Publikum, dazu geschäftiges Klirren von Löffeln, und der Ruhrtriennale-Intendant freut sich. "Die habe ich selbst gekocht, nach dem Rezept eines Drei-Sterne-Koch. Wobei ich glaube, die bekommt er noch besser hin als ich." Lacher im Publikum und Johan Simons hat seinen Einstieg in den Abend gefunden.

"Ich mache das zum ersten Mal, und es wird vermutlich einiges schiefgehen", sagt er zu Beginn der Show. Und dieser Ankündigung folgt dann auch eine kleine Technikpanne. Die Musik aus dem Western "The Good, the Bad and the Ugly" (deutscher Titel: "Zwei glorreiche Halunken"), zu der er in seinen Saloon schreiten möchte, tönt etwas leise aus den Boxen. Nicht tragisch, dient der Filmtitel doch nur als Überleitung zu Künstler Joep van Lieshout, der unter diesem Titel ein "Kunstdorf" rund um die Jahrhunderthalle in Bochum hat entstehen lassen. "Mir war es wichtig, Publikum und Künstler so nah wie möglich zueinander zu lassen", erklärt der niederländische Künstler das Konzept hinter seiner Arbeit. Und erzählt außerdem, dass er sich als Schüler zuerst nicht zwischen einer Karriere als Künstler und Physiker entscheiden konnte. "Meine Lehrerin hat mir dann gesagt, als schlechter Physiker kann man seine Kreativität nicht umsetzen, als schlechter Künstler schon", erklärt er seine Entscheidung für das Künstlerleben. Lacher beim Publikum.

Mit seinen "Accattone"-Darstellern Benny Claessens, Elsie de Brauw, Sandra Hüller und Anna Drexler bespricht der Intendant der Ruhrtriennale natürlich auch einige Details des Stückes. Einige interessante Aspekte sind darunter, wie die Frage, warum es auf der Bühne keine Gewaltdarstellung gibt. "Ich bin generell dagegen, auf der Bühne Gewalt zu zeigen, um damit auszudrücken, dass man eigentlich keine Gewalt braucht", erklärt Schauspieler Benny Claessens.

Auf die Frage nach zukünftigen künstlerischen Projekten liefert er dann auch noch eine ganz ungewöhnliche Antwort. "Ich möchte gerne die Ruhrtriennale übernehmen, alle Fabriken hier wieder öffnen und die Menschen wieder einstellen", erklärt er. "Dann können die ganzen Kunstleute hier herkommen und ihnen für 80 Euro pro Karte beim Arbeiten zusehen." Applaus und wieder Lacher von den Gästen. "Das ist aber sehr utopisch", kommentiert Simons trocken die nicht ganz ernst gemeinten Pläne des Schauspielers.

Der geht zwischendurch lässig vor der Halle eine Zigarette rauchen, während aus den Lautsprechern neben der Bühne seine derzeitige Lieblingsmusik erklingt: eine Neuaufnahme von Vivaldis "Vier Jahreszeiten". Zwischendurch gibt es aber durchaus überraschende Geständnisse von den Gästen zu hören. Künstler Joep van Lieshout lässt das Publikum wissen, dass er Musik zwar sehr schätzt, allerdings nicht, während er selbst arbeitet. "Außerdem bin ich ein miserabler Schauspieler", erklärt der Künstler. "Ich auch", antwortet Johan Simons sofort - sehr zur Erheiterung der Gäste. "Aber ich bin ein großartiger Tänzer. Wenn wir hier noch etwas weitermachen, führe ich vielleicht noch ein Stück aus Schwanensee auf", feixt der Intendant der Ruhrtriennale. Stattdessen erfreut er seine Gäste zum Ende seines "Saloons" lieber mit einer Imitation von Louis Armstrong. Dessen markante Stimme bekommt Simons nahezu perfekt hin und singt dem Publikum ein kleines Lied. "Ich kann auch sehr gut Hitler imitieren", erklärt er. "Aber das mache ich heute nicht. Meine Frau hat es mir verboten", sagt er mit einem Blick auf seine Ehefrau Elsie de Brauw. Erneutes Gelächter bei den Zuschauern. Zum Schluss lädt Johan Simons das Publikum dazu ein, auch die nächsten Veranstaltungen aus der Reihe "Johans Saloon" zu besuchen. Drei weitere sollen stattfinden, allerdings in Essen und Duisburg. "Kommen Sie! Es wird garantiert nur noch besser!"

Quelle: RP
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