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Dinslaken
Viele Baustellen hinter den Zoo-Kulissen

Dinslaken: Viele Baustellen hinter den Zoo-Kulissen
Dr. Joachim Bonn liebt den Zoo - nicht nur für die Plakatkampagne, bei der sich ein Teil seines Gesichtes mit dem eines Menschaffen verbindet. FOTO: Sparkasse/Zoo
Dinslaken. Der neue Zoo-Aufsichtsratschef Dr. Joachim Bonn hält es für vordringlich, den hohen Investitionsstau in der Anlage am Kaiserberg zügig abzubauen und die Einnahmen zu steigern. Von Hildegard Chudobba

Als regelmäßiger "normaler" Besucher kennt Dr. Joachim Bonn den Duisburger Zoo sehr gut und auch schon sehr lange. Als neuer Aufsichtsratsvorsitzender des Tierparks achtet der Sparkassenchef seit einigen Wochen allerdings weniger auf die Tiere (das auch), als auf die vielen Baustellen hinter den Kulissen. Er kennt die schadhaften Stellen an Gebäuden und Leitungssystemen, weiß, wo es rein regnet oder mit Technik gearbeitet wird, die aus der Gründerzeit des Zoos vor 80 Jahren stammen könnte.

Der Zoo ist noch vor dem MSV der größte Imageträger der Stadt. Wer einmal an einem Wochenende auf die Nummernschilder der Fahrzeuge auf den Parkplätzen vor dem Zoo achtet, kann die überregionale Bedeutung der Anlage erkennen. Ein Marketing-Pfund - wobei es in der Vermarktung noch Luft nach oben gibt. Grundvoraussetzung für eine neue Offensive ist die Ertüchtigung der bestehenden Infrastruktur.

Der neue Zoo-Aufsichtsrat hat gerade ein Konzept mit vier wesentlichen Handlungsansätzen sowie einen Wirtschaftsplan für die nächsten zehn Jahre in Auftrag gegeben. Ziel ist es, vor allem den Investitionsstau abzubauen und die Eigenkapitaldecke zu stärken, die wegen der seit Jahren notwendigen Defizitabdeckung zuletzt zwangsläufig nicht verbessert werden konnte. Für die Sparkasse, die seit Jahrzehnten größter Sponsor am Kaiserberg ist, bedeutet dies - dem Zoo zuliebe - fast schon einen Paradigmenwechsel. Bislang floss deren Geld vor allem in den Neu- und Umbau von repräsentativen Gehegen oder Spielplatzinventar, was dann später auf einem Sponsoren-Schild am besagten Ort für jeden abzulesen war. Wenn sie nun zum Beispiel das Rohrsystem unterm Delfinarium erneuert, erfährt die Öffentlichkeit davon so gut wie nichts. Aber es ist notwendig.

Dass der Duisburger Zoo latent in Geldnot ist, liegt nach Einschätzung von Bonn, "nicht an den Mitarbeitern und der Zooleitung, die engagiert und effizient arbeiten." Am Kaiserberg sei schon eine Menge unternommen worden, um die Kosten zu senken. Eine erste Überprüfung habe keinen Anhaltspunkt dafür geliefert, "dass wir auf der Kostenseite im Vergleich zu anderen Anlagen in Deutschland nicht prima aufgestellt wären. Hier gibt es höchstens noch punktuell Verbesserungsmöglichkeiten."

Handlungsbedarf sieht Bonn allerdings auf der Einnahmenseite und denkt dabei keineswegs an eine generelle Erhöhung der Eintrittspreise. "In anderen Zoos in Deutschland werden Einnahmen gestärkt, in dem man Anlagenteile beispielsweise an Firmen oder private Gesellschaften für Feiern oder Events vermietet". Sichergestellt sein müsse selbstverständlich, dass die Tiere nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, die Gäste aber zugleich eine Party mit Zoo-Feeling haben.

Neben dem Abbau des Investitionsstaus, der Aufstellung eines Zehn-Jahres-Wirtschaftsplans und Verbesserungen auf der Erlösseite hält es der Aufsichtsratchef für wichtig, die vorhandenen Strukturen noch einmal zu prüfen, um denkbare Organisationsschwächen zu erkennen.

Ein Problem struktureller Art ist das Gebäude der Zooterrassen. Es gehört nicht der Stadt allein, sondern auch der Duisburger Societät, einer alt-eingesessenen bürgerschaftlichen Vereinigung. Sie nutzt die obere Etage in dem Gebäude, das ansonsten geschlossen ist. Dass der neue Aufsichtsratsvorsitzende hier noch einmal einen Vorstoß wagt, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen, kann als sicher gelten. Denn das Gebäude ist unansehnlich. Das Gelände könnte beispielsweise genutzt werden, die Gehege der Giraffen oder und der Elefanten zu erweitern.

Ebenso wird Joachim Bonn nicht umhinkommen, gemeinsam mit der Zoo-Spitze nach neuen Sponsoren zu suchen. "Ich bin froh, dass wir den Förderverein haben. Er ist ein ganz wichtiger Unterstützer und mit 7000 Mitgliedern zugleich Duisburgs größter Verein." Auch die Tatsache, dass sich Evonik beim Bau der Tigeranlage maßgeblich engagiert, freut den Aufsichtsratschef sichtlich.

Doch am Kaiserberg gibt es noch viele andere Stellen, an denen sehr viel Geld in die Hand genommen werden müsste, was Stadt und Zoo nicht haben. Abgesehen von noch zu suchenden Sponsoren, "mache ich mir Hoffnungen, dass der Zoo im Rahmen des Kommunalförderprogramms von der Stadt unterstützt wird", sagt Bonn. Freuen würde es ihn, wenn der Rat beispielsweise beschließen würde, Geld aus diesem Bundeszuschuss zu verwenden, um Energiesparmaßnahmen zu realisieren.

Quelle: RP
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