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Dinslaken
Wieder Streik bei Amazon

Dinslaken. Amazon ist ein Unternehmen der Gegensätze. Einerseits gilt der Online-Riese als Job-Maschine, andererseits wird der weltweit tätige Online-Händler von der Gewerkschaft kritisiert. So wurde auch gestern in Rheinberg wieder gestreikt. Von Uwe Plien

Nach wie vor geht es auch am Standort Rheinberg darum, dass Amazon endlich einen Tarifvertrag einführt. Mit dem Streik will ein Teil der Belegschaft deutlich machen, dass die gemeinsamen Interessen der Amazon-Beschäftigten in Europa auch gemeinsam vertreten werden. Anlässlich des polnischen Feiertags am heutigen 3. Mai, an dem die polnische Verfassung von 1791 als erste geschriebene Verfassung Europas gewürdigt wird, findet eine erste große gemeinsame Aktion der deutschen und polnischen Amazon-Beschäftigten am Standort in Wroclaw statt.

"Wir begrüßen, dass es zu dieser gemeinsamen, grenzüberschreitenden Aktion kommt", sagt Silke Zimmer, Verdi-Landesfachbereichsleiterin Handel NRW. "Das macht deutlich, gemeinsames Handeln ist gut für die Durchsetzung der Interessen der Beschäftigen nicht nur in Deutschland, sondern überall", so Zimmer weiter.

Amazon kontert prompt. "Die von der Gewerkschaft organisierten Arbeitsniederlegungen an fünf Amazon-Standorten haben keinen Einfluss auf die Einhaltung unseres Kundenversprechens. Denn die überwältigende Mehrheit unserer mehr als 11.000 Mitarbeiter arbeitet regulär, um unser Kundenversprechen einzuhalten. In der Frühschicht haben sich lediglich 530 Mitarbeiter an den Aktionen beteiligt", hieß es gestern.

Amazon zeige Tag für Tag, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein könne: "Wir haben viele Kanäle, über die sich Mitarbeiter äußern und Einfluss auf ihre Arbeitsumgebung nehmen können. Beispiele sind unsere Politik der offenen Tür, die ,Voice of Associate'-Tafeln, auf denen Mitarbeiter Fragen notieren, die dann umgehend vom Management beantwortet werden, oder Mitarbeiter-Umfragen. Wir sprechen offen, wir respektieren einander, wir kümmern uns." Unterdessen weist Karsten Frost, Amazon-Standortleiter in Rheinberg, auf die positive Entwicklung der Beschäftigtenzahl hin. "Als wir im September 2011 in Rheinberg eröffneten, haben wir gesagt, dass auf Dauer übers Jahr 1000 bis 3000 Mitarbeiter im Logistikzentrum arbeiten sollen. Jetzt liegen wir bei 1600, davon sind 1361 unbefristet."

Für das Weihnachtsgeschäft seien im letzten Quartal des vorigen Jahres 2957 Saisonkräfte eingestellt worden. Karsten Frost: "In diesem Jahr werden es mehr als 3000 sein." Viele Mitarbeiter kommen von weiter her zur Arbeit nach Rheinberg. "Es gibt hier in der Region ein großes Potenzial guter, qualifizierter Mitarbeiter, durchaus auch ältere." Am Standort Rheinberg werde zudem weiter investiert - allein in diesem Jahr "einige 100.000 Euro zur Optimierung der Struktur und des Standorts", wie Karsten Frost hervorhob.

Was den zusätzlichen Parkplatz angeht, der hinter dem Semper-Idem-Haus an der Alten Landstraße gebaut werden soll, gibt es nichts Neues.

"Der Bebauungsplan steht", so der Standortleiter: "Amazon und die Stadt Rheinberg sind jetzt raus aus der Nummer. Jetzt müssen sich Underberg als Eigentümer der Fläche und Goodman als Eigentümer der Amazon-Immobilie einigen. Die Situation schränkt uns ein. Wenn es nicht klappt, müssen wir nach einer anderen Lösung suchen."

Quelle: RP
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