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Düsseldorf
Auf den Antrag folgt der Härtetest

Düsseldorf: Auf den Antrag folgt der Härtetest
Konrad Scharping (33) hat seiner großen Liebe Nadine Zickuhr (32) am 7. Juli einen Heiratsantrag gemacht. "Wir waren auf einer dreiwöchigen Rundreise in Thailand im Urlaub. Ich habe bis zum letzten Tag gewartet, den Ring immer im Rucksack. Dann, in der Cocktailbar im 64. Stockwerk eines Hotels in Bangkok, habe ich mich endlich getraut. Sie hat Ja gesagt." FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Wenn der Mann auf der Hochzeitsmesse nichts falsch macht, ist er für die Frau die richtige Wahl. Von Marc Ingel und Hans-Jürgen Bauer (Fotos)

Natürlich ist der weibliche Part auf der Hochzeitsmesse in der Mitsubishi Electric Halle in der Überzahl. Das liegt allein schon daran, dass viele künftige Bräute Freundinnen mitgebracht haben, um sich von denen bei der Anprobe des wichtigsten aller Kleider im Leben einer Frau beraten oder gar umgarnen zu lassen ("Du siehst so hübsch aus!"). Das steigert das Selbstvertrauen und stellt sicher, dass Frau mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Nachmittag in guter Erinnerung behält.

Wenn die Wahl des Begleiters jedoch auf den künftigen Gatten fällt, birgt das gewisse Risiken, es kann aber durchaus dabei helfen, einem im letzten Moment noch die Augen zu öffnen. Während der Beobachter dem aufmerksamen, fit und frisch aussehenden Mann, der aufrichtiges Interesse für Ringe, Deko und Catering zeigt und sich sogar auf einen netten Plausch mit dem Wedding-Planer einlässt, eine glückliche Ehe prophezeien möchte, gilt das für ein anderes Exemplar Mann nicht unbedingt: Unlustig schlurft er die Gänge entlang, überlässt der vermeintlichen Dame seines Herzens jegliche Gespräche mit den Ausstellern, daddelt lieber auf seinem Handy und lehnt die Anprobe eines schicken, aber im Preis stark reduzierten Designer-Outfits rigoros ab: "Mein alter ist doch noch gut!" Da ist man geneigt, zu sagen: Das wird nichts, hoffentlich merkt es die Unglückliche noch rechtzeitig. Wer sich jedoch als Mann bei der Probe aufs Exempel in diesem Mädchenparadies aus Seide, Satin, Tüll und Flitterwochen in Mauritius bewährt, dem steht sehr wahrscheinlich ein glückliches Leben an der Seite einer zumindest lange Zeit dankbaren Ehefrau bevor.

Patrick Dewes (29) nahm die Hochzeit seines besten Freundes zum Anlass, über seinen eigenen Schatten zu springen, und Nele Hohmuth (22) zu fragen, ob sie ihn heiraten will. "Alles war mit meinem Kumpel abgesprochen, ich fand den Rahmen einfach ideal", erzählt er. "Ich war schon sehr überrascht, musste aber nicht lange nachdenken", sagt sie. Das Aufgebot ist schon bestellt. FOTO: Hans-Juergen Bauer

Doch was sind denn nun die aktuellen Hochzeits-Trends? "Düsseldorf ist schon ein einmaliges und irgendwie komisches Pflaster", sagt Katja Vassiliadou von Brautmoden Marie Amour aus Wuppertal. "Die Kleider sollen sehr schlicht und gleichzeitig pompös sein, möglichst sexy, etwa mit tiefem Rückenausschnitt, aber auf keinen Fall zu gewagt", gibt sie die Wünsche ihrer Kundinnen wieder. Bei den Hochzeitsreisen liege der Indische Ozean im Allgemeinen und Sansibar im Besonderen voll im Trend, erklärt Marion Klee von Avantgarde Travel. "Die Seychellen kennt ja jeder, aber Sansibar, das hat noch den Klang von etwas wahrhaft Exotischem." Ebenfalls gerne gebucht: Kombinationen mehrerer Reiseziele. "Meistens kennt man sich doch schon ein paar Jahre vor einer Hochzeit und weiß um die Gefahr, sich schnell mal auf den Wecker zu gehen", erklärt die Fachfrau, warum die Faktoren Abenteuer und Abwechslung neben der Romantik nicht zu unterschätzen sind.

Sabrina Skorupa betreibt zusammen mit Daniel Peulen die Agentur Traumhochzeit. Das Paket, das aktuell besonders gut laufe: "Wedding in the wood" (Heiraten im Wald) inklusive Food-Truck und DJ im alten VW-Bus. Dennoch sei die Skepsis, ob ein Paar denn die Wedding-Planer auch wirklich benötige, bisweilen noch groß. "Wir wollen natürlich auch niemandem etwas aufschwatzen. Es gibt viele Do-it-yourself-Bräute, die alles mit Herzblut selbst planen, und wir treten dann vor Ort nur noch als Zeremonienmeister auf", sagt Skorupa. Ein großer Andrang herrschte gestern am Stand der Konditorei Metropol von der Bismarckstraße. Deren Clou: "Unsere Torten werden ohne Buttercreme hergestellt, das ist dann nicht so mächtig", erklärt Sofia Zachariou. Und stellt womöglich sicher, dass die Braut nach ausgiebigem Probieren später auch noch in das Kleid ihrer Wahl passt.

Sandra Heusner (35) bekommt heute noch ganz glasige Augen, wenn sie an den Antrag ihres künftigen Ehemannes Andreas Dietrich (37) zurückdenkt. "Es war auf einem schönen Landgut bei einem Candlelight-Dinner. Einfach das perfekt romantische Ambiente", erzählt sie. "Drei Jahre habe ich mir Zeit gelassen, länger konnte ich nun wirklich nicht warten", sagt er. FOTO: Hans-Juergen Bauer
Quelle: RP
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