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Serie Heimatreporter
Auf der Suche nach Ostern in Düsseldorf

Serie Heimatreporter: Auf der Suche nach Ostern in Düsseldorf
Die Evangelische Oster-Kirchengemeinde ist an der Graf-Recke-Straße in Grafenberg beheimatet. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Ich hatte den absoluten Knüller aufgetan. Eine Gesprächspartnerin, die wie geschaffen war für die Geschichte, die ich im Kopf hatte. Ich bekam sie auch schnell ans Telefon, es war vormittags, sie arbeitete gerade in einer Redaktion irgendwo in Düsseldorf.

Sie sagte, sorry, sie habe leider gar keine Zeit, sei mitten im Produktionsstress. Weil sie nicht sofort auflegte, fühlte ich mich ermuntert, sie zu überzeugen, zur Not, sie zu überreden, dass sie mitmacht. Mit Erfolg, wir verabredeten uns für abends zu einem weiteren Telefonat.

Ein paar ganz besondere Ostertipps made in Düsseldorf - das war mein Ziel. Und zwar von ausgewiesenen Osterexperten. Das heißt von Menschen oder auch Einrichtungen, in deren Namen das Osterfest anklingt. In Grafenberg, an der Graf-Recke-Straße, gibt es zum Beispiel die evangelische "Oster-Kirchengemeinde". Als ich dort vorstellig wurde, war es nur leider so, dass die Mitarbeiterin, die mir die Tür öffnete, nicht mal meine Einstiegsfrage beantworten konnte, was es mit dem Namen der Gemeinde auf sich habe. Ich spazierte spontan ins Gebäude nebenan, wo die "Evangelische Kirche im Rheinland" ihren Sitz hat. Vielleicht wusste man dort Genaueres.

Über Ostern ist ja das Wesentliche längst gesagt und geschrieben. Um Neues zu dem Thema ans Licht zu fördern, muss man, dachte ich, neue Wege gehen. Woanders suchen. Oder bei anderen. Der erste Mensch, den ich in dem weitläufigen, weitgehend verlassen wirkenden Nachbarhaus traf, saß im zweiten Stock hinter seinem Schreibtisch und hieß Dietmar Fleischer. Dietmar Fleischer stellte sich als "Referent für Männerarbeit" vor. Er wusste zwar auch nicht, wie die Nachbargemeinde zu ihrem österlichen Namen gekommen war. Dafür berichtete er von seiner Arbeit. Dass er Väter-Kinder-Ausflüge organisiere. Und dass "Männerarbeit" zunehmend angesagt sei, wobei der Ausdruck im konfessionellen Kontext eine besondere Bedeutung hat. Gemeint ist, dass sich Männer heutzutage zunehmend dafür öffnen würden, in der Erziehung oder Pflege aktiv mitzuarbeiten, sagte Fleischer. Sein Tipp, wie Männer die Osterzeit am besten nutzen sollten? Er blickte mich an und sagte nur ein Wort: "Durchschnaufen."

Schon verrückt, wo das Oster-Wort überall zu finden ist. Hat man erst einmal die fixe Idee, auf das O-Wort zu achten, ist es fast so, als trüge man Gips - auf einmal sieht man viele Leute, die ebenfalls Gips tragen. In Derendorf entdeckte ich eine Firma namens "Oster Objektbetreuung". Als ich deren Chef, Guido Oster, kurzentschlossen mit der Bitte anrief, ob ich mich mit ihm zum Thema Ostern unterhalten könne, und, ach ja, ich stünde schon vor seiner Tür, lachte er und sagte, kein Problem, er sei zwar unterwegs, komme aber in fünf Minuten zurück. Und tatsächlich kam er kurz darauf mit seinem Transporter angerauscht. Dass der orangefarbene Leuchtbalken auf dem Dach, der jeden Polizeiwagen geschmückt hätte, nicht angestellt war, war alles.

Ostern ist ein Fest der Überraschungen, man weiß nie, welche Eier einem ins Nest gelegt werden. Hier war ich selbst das Ei, das sich der Oster-Objektbetreuung ins Nest legte. Sie nahm den Vorgang mit vorbildlichem Humor, was übrigens gut zu Ostern passt. Schließlich war es bis ins 19. Jahrhundert hinein Teil des christlichen Brauchtums, dass in der Oster-Predigt die Gottesdienstteilnehmer zum Lachen gebracht werden sollten. "Osterlachen" nannte man das.

Guido Osters Unternehmen, das Hausmeisterservices und Entrümpelungen anbietet, liegt in Derendorf an der Schloßstraße. Wir machten es uns in einem Hinterhof-Büro bequem. Als Schüler, erzählte Guido Oster, sei er oft Osterhase genannt worden. Heute jedoch gebe es niemanden mehr, der solche Sprüche noch bringe. Niemanden, außer ihm selbst. Zum Beispiel sage er oft, wenn ihm jemand Salat vorsetze: "Ich heiße zwar Oster, aber ich bin kein Hase!" Der exklusive Guido-Oster-Tipp für die Ostertage? "Ich werde Eier färben mit meiner Frau", sagte er und schob hinterher, dass er sich am liebsten die ganze Zeit verkrümeln und arbeiten würde. Männerarbeit an Ostern - auch im nicht-konfessionellen Kontext ein Thema mit Zukunft.

Welche sonstigen Wege es gibt zu einer erfüllten Osterzeit, ja, ganz allgemein zu einer erfüllten Zeit, damit kennt sich kaum jemand so gut aus wie die Person, mit der ich am Abend telefonierte: Jutta Oster. Sie arbeitet in Düsseldorf als Journalistin und Buchautorin und hat bereits zwölf Bücher veröffentlicht, 2002 zum Beispiel eins mit dem Titel "Statt Schokolade", Untertitel: "Alles, was sonst noch glücklich macht". Das schmale Buch, dessen Umschlag wie eine Tafel Schokolade gestaltet und das inzwischen in der sechsten Auflage erschienen ist, ist eine Mischung aus Geschenkbuch und Glücks-Ratgeber. Es enthält kurze Texte und Aphorismen und handelt davon, "dass das Glück oft im Kleinen liegt", sagte Jutta Oster. Wobei der Titel irreführend sei - ein Marketingtrick. Sie möge Schokolade nämlich sehr gerne, sagte die Autorin. Zudem glaube sie durchaus, dass Schokolade glücklich machen könne.

Jutta Oster ist unbedingt Vertrauen zu schenken, schließlich hat ihr Buch schier unglaublich viele Fans. Die Zahl der verkauften Exemplare? "Mehr als 500.000", sagte sie. Damit dürfte das Büchlein der wohl größte Oster-Bestseller sein, der je in Düsseldorf verfasst worden ist. Also, Freunde des Osterfestes: Ran ans kleine Glück. Und keine Scheu, den Tipp von Jutta Oster zu beherzigen: Ran an die Schokolade! Durchschnaufen und durcharbeiten kann man immer noch.

Quelle: RP
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