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Dominikus-Krankenhaus in Heerdt
Bürger kämpfen um Düsseldorfer Klinik

Dominikus-Krankenhaus in Heerdt: Bürger kämpfen um Düsseldorfer Klinik
Umleitungsschilder weisen den Weg zu der Klinik, die gerade umfassend saniert wird und nun in Finanznöte geraten ist. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Das Dominikus-Krankenhaus in Düsseldorf Heerdt ist wegen hoher Baukosten von der Insolvenz bedroht. Jetzt setzen sich auch Politiker für den Erhalt der Klinik ein. Ihr Argument: Bald wird es 10.000 Menschen mehr im Einzugsgebiet geben.  Von Jörg Janssen und Heide-Ines Willner

Die Finanznöte des Heerdter Dominikus-Krankenhauses bereiten den Bürgern im linksrheinischen Düsseldorf Sorgen. "Wir können auf dieses Haus nicht verzichten und werden für den Erhalt kämpfen", sagt Gisela Theuringer vom Seniorenbeirat. Und für Rolf Tups (CDU), Bezirksbürgermeister im Linksrheinischen, steht fest: "Im unmittelbaren Einzugsgebiet erwarten wir zeitnah ein Plus von 10.000 Einwohnern. Die Klinik wird bestehen bleiben."

Die Sorge, dass es eines Tages doch anders kommen könnte, macht sich an den in dieser Woche bekannt gewordenen Finanznöten sowie an aktuellen Gesprächen bei der Bezirksregierung über einen möglichen Abbau von Klinikbetten fest. Die Sanierung des in die Jahre gekommenen Baus dauert nicht nur länger als geplant, sie soll auch nach bisherigen Schätzungen bis zu 40 Prozent mehr kosten. Ursprünglich war man von Kosten in Höhe von rund 27 Millionen Euro ausgegangen. Unter Hochdruck sucht die Geschäftsführung nun nach Auswegen. Nach RP-Informationen werden am kommenden Montag die Mitarbeiter über Fortgang und Finanzierung der Sanierungen informiert. "Wir prüfen derzeit die gestiegenen Kosten der Baumaßnahmen. Mehr gibt es von unserer Seite nicht zu sagen", meint Geschäftsführer Guido Severin. Bereits am Mittwoch hatte der Diplom-Kaufmann erklärt: "Wir haben unsere Rechnungen bezahlt."

30.000 Unterschriften in 2003 gesammelt

Schon einmal hatten sich die Bürger aus Ober- und Niederkassel, Lörick und Heerdt für ihr Hospital starkgemacht. "Im Jahr 2003, damals ging es um das Thema Bettenabbau, haben wir 30.000 Unterschriften gesammelt und konnten mit Oberbürgermeister Joachim Erwin einen prominenten Unterstützer gewinnen", sagt Herbert Rozynski, Vize-Vorsitzender des Heerdter Bürgervereins. Am Samstag werde man sich zusammensetzen. "Was steckt dahinter? Ist jemand eventuell an dem attraktiven Grundstück interessiert?", fragt er.

Für Reiner Krause, den Vorsitzenden des Dominikus-Fördervereins, ist der Standort "nicht verhandelbar". Niemand könne behaupten, die Nahversorgung der Bevölkerung sei ohne eigene Klinik gewährleistet. Viele Patienten lebten in den nahe gelegenen Altenwohnheimen. "Sollen wir denen irgendwann sagen müssen: Wir schicken euch jetzt mal über den Rhein: Seht mal zu, ob ihr vielleicht im Bilker EVK ein Bett bekommt?", fragt Krause und denkt dabei "an vereiste Rheinbrücken im Winter". Das Dominikus-Krankenhaus hält er auch jenseits der Nahversorgung für "absolut wettbewerbsfähig". So verfügten unter anderem Kardiologie und HNO-Abteilung über einen exzellenten Ruf. Das Einzugsgebiet reiche "bis nach Kempen und weit darüber hinaus".

Auseinandersetzung mit dem NRW-Gesundheitsministerium

Landesweit befinden sich die Kliniken in einer Auseinandersetzung mit dem NRW-Gesundheitsministerium, das Überkapazitäten abbauen möchte. Nach Angaben der Landesstatistiker wurden die gut 5100 Düsseldorfer Betten 2014 nur zu 69,5 Prozent genutzt. NRW-weit waren es 76 Prozent. Ein Bettenabbau ist deshalb gewollt. Von bis zu 1000 Betten war bereits die Rede. Martin Schicht, Sprecher des Verbundes katholischer Kliniken in Düsseldorf (das Dominikus-Krankenhaus gehört nicht dazu), hält von solcher Zahlenakrobatik nichts: In einem gemeinsamen Gutachten, über das im Mai mit der Bezirksregierung gesprochen werde, gingen sämtliche Düsseldorfer Kliniken von einem anderen Szenario aus. "Die entscheidenden Stichworte lauten: demografischer Wandel und wachsende Landeshauptstadt." Die Bürger hätten ein Recht auf eine wohnortnahe Versorgung auf qualitativ hohem Niveau.

Quelle: RP
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