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Serie So Wohnt Düsseldorf
Bungalow wird zur Haus-Skulptur

Serie So Wohnt Düsseldorf: Bungalow wird zur Haus-Skulptur
Ein schlichtes, zweckmäßiges Wohnhaus in Hubbelrath: So sah der Bungalow aus den 1970er Jahren ursprünglich aus. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Düsseldorf. Ein Architektenpaar entdeckte das Potenzial eines 70er-Jahre Flachbaus und setzte ihm ein Stockwerk aufs Dach. Von Ute Rasch

Der erste Eindruck war: "Unmöglich!" Der zweite Blick signalisierte dann schon: "Vielleicht". Beim näheren Hinsehen folgte: "Daraus könnte man was machen." Das Ergebnis dieser Gedankenspiele eines Architektenpaares steht in Hubbelrath und zeigt die erstaunliche Verwandlung eines schlichten Bungalows aus den 1970er Jahren in eine Haus-Skulptur mit interessanten Proportionen.

Es ist nicht leicht zu finden, dieses Haus. Liegt versteckt hinter seinen Nachbarn, abseits einer Wohnstraße, die ein Ort von Stein gewordener Bescheidenheit ist: Nachkriegs-Einfamilienhäuschen mit Keramikkatze im Vorgarten. Doch dann steht man unverhofft vor einer schneeweißen Fassade. In der verspiegelten Haustür lässt sich schnell noch die Frisur überprüfen, schon öffnet die Innenarchitektin Carola Schober-Listmann die Tür ihres Zuhauses und gibt den Blick frei durch eine helle, hohe Halle bis in den Garten.

Carola Schober-Listmann und Volker Listmann haben das Haus umgebaut und ein komplettes Stockwerk draufgesetzt. FOTO: Huthmacher/Repro: Hans-Jürgen Bauer

Einerseits möchte man nun gleich mehr sehen von diesem Haus, möchte wissen, wohin die halbe Treppe hoch (in die Schlafräume) und die halbe Treppe runter führt (ins Wohnzimmer mit Kamin, Flügel, lila und silbergrau gespachtelten Wänden, eine Spezialität des Architekten und Hausherrn Volker Listmann). Andererseits ist diese Halle, beeindruckend allein durch ihr Volumen, ein Ort, der genaues Hinsehen fordert: Weiße Wände, steingrauer Fußboden, viel freier Raum, ein riesiger lila Tulpenstrauß. Und Kunst, eigenwillige Collagen von Volker Listmann, deren Mittelpunkt häufig Holzfundstücke aus der Natur sind. Eine leuchtend orangefarbene Glaswand, ein architektonisches Ausrufezeichen, verbirgt die Küche.

Carola Schober-Listmann hat inzwischen Fotos gefunden, die das Vorher und Nachher ihres Hauses dokumentieren. Sie zeigen eine dunkle Eichenwand zwischen Küche und Halle, in der dunkles Parkett und eine dunkle Balkendecke das Raumgefühl erdrückten - "der Muff jener Jahre." Die große, schneeweiße Küche, in der das Paar heute an Wochenenden gern mit seinen drei Töchtern kocht, war damals in vier kleine Räume und Kämmerchen zerteilt.

Die Zwischenwände verschwanden ebenso wie das Jägerzimmer mit seinen Trophäen an der Wand, und das Kachelofen-Imitat machte einem offenen Kamin Platz. Überhaupt wurde der alte Bungalow komplett entkernt und energetisch saniert.

Die größte von außen sichtbare Verwandlung aber geschah mit dem Haus, als es in die Höhe wuchs. "Wir haben im vorderen Teil die Decke aufgeschnitten und ein Stockwerk draufgesetzt", erklärt Volker Listmann. Und so entstand ein großer, luftiger Raum teils mit deckenhohen Fenstern, die abends Einblicke auf eine Skulptur erlauben, einen Nackten, der mit einem Lampenschirm sein Gesicht verhüllt.

In diesem Raum arbeitet das Paar, kann sich aber in späteren Jahren noch mal eine Veränderung dort vorstellen. "Wir wollten einen flexiblen Grundriss, der sich unseren Bedürfnissen anpasst", so Volker Listmann. Wenn also alle Töchter flügge sind, das Paar weniger arbeiten und mehr Zeit im Süden verbringen möchte, dann will es dort oben eine Wohnung einrichten - und den unteren Teil des Hauses vielleicht vermieten.

Wer hätte gedacht, dass in dem alten Bungalow noch so viel Zukunftspotenzial steckt?

Quelle: RP
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