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Serie So Klingt Düsseldorf
Das Harmonium ist wieder da

Düsseldorf. Klaus Langer ist über Umwege zu seinem Traumberuf gekommen: Der gelernte Ton-Ingenieur restauriert Harmonien und komponiert. Von Verena Patel

unterbilk Auf dem Harmonium sitzt ein kleiner Engel. Restaurator Klaus Langer hat die lackierte Holzfigur neben dem Notenständer platziert. Dort standen früher Kerzen, denn das Harmonium war besonders im 19. und frühen 20. Jahrhundert beliebt, als es noch kein oder selten elektrisches Licht gab. Und auch der Engel spielt auf einem winzigen Instrument. Daneben aufgeschlagen: die Noten zur Titelmelodie vom "Tatort".

Als Klaus Langer anfängt zu spielen, kann man sich gut vorstellen, warum das Instrument, das einem Klavier äußerlich ähnelt, aber doch ganz anders ist, in den Frühzeiten des Films als Begleitung eingesetzt wurde. Der Klang hat eine dumpfe Wärme, aber auch Geräusche wie das Zirpen von Grillen lassen sich damit erzeugen. "Das Harmonium wurde lange in die kirchliche Ecke gestellt, dabei kann man damit so viele Sachen spielen. Ich habe mehrere Krimi-Melodien für das Instrument arrangiert", sagt Langer.

Zwei Arten des Tasteninstruments lassen sich unterscheiden: das Saug- und das Druckwindinstrument. Bei Ersterem wird Luft durch Unterdruck angesaugt und beim Druckwindinstrument wird die Luft über die Fußtasten in Blasebälge im Instrument gedrückt. "Das Problem dabei ist, dass die Blasebälge mit der Zeit undicht werden", erklärt der Restaurator. Da das Harmonium heute kein geläufiges Instrument mehr ist, werde es dann häufig abgeschrieben. "Eine Schülerin von mir fand ein Harmonium auf dem Sperrmüll. So kam sie zum Spielen, denn sie fand, dass man doch ein Musikinstrument nicht einfach auf den Müll werfen könne." Sie brachte das Stück mit Jugendstil-Verzierungen zu Klaus Langer, der es wieder auf Vordermann brachte und ihr seitdem Unterricht gibt. "Mittlerweile habe ich es wieder in Zahlung genommen, denn zu ihrem Geburtstag hat ihr Mann ihr ein neues, größeres Harmonium geschenkt." Langer freut sich, dass er seine Begeisterung für das Instrument an ein paar Menschen weitergeben kann. "Inzwischen habe ich immer gut zu tun, sobald ein Harmonium fertig überholt ist, bekomme ich meistens schon das nächste." Ein Zeichen, dass die Beliebtheit wieder zunimmt.

Zum ersten Mal kam Klaus Langer vor einigen Jahren mit dem Harmonium in Berührung. "Für einen Euro habe ich mir eins bei Ebay ersteigert." Daran werkelte er, ersteigerte ein weiteres Instrument zum Mini-Preis und lernte mehr über die spezielle Anatomie. 2010 komponierte er eine Lukaspassion, die in der Friedenskirche aufgeführt wurde. Langer singt dort auch im Chor. Seine Mitsänger waren begeistert und über Mundpropaganda erhielt er ein weiteres Instrument. Oft finden sich die Harmonien vergessen auf Dachböden oder in Kellern, bei Entrümpelungen. "Die Leute brachten mir immer mehr alte Instrumente zur Reparatur. So kam ich über Umwege doch noch zu meinem Traumberuf, Instrumente zu bauen." Seine eigenen musikalischen Anfänge liegen in der Kirchenmusik. Mit 16 sang er im Kirchenchor und war so von der Orgel angetan, dass er sich in den Kopf setzte, eine Pfeifenorgel zu Hause nachzubauen. Das Projekt scheiterte: Am Platz und am Geld, wie Langer erzählt. Er lacht. "Allerdings habe ich mir dann das Studium mit Orgelspielen finanziert." Irgendwas mit Musik, Tönen, Geräuschen wollte er machen - und ließ sich zum Ton-Ingenieur ausbilden. Heute stehen in seinem Unterbilker Lager ein dutzend Harmonien. Langer restauriert, verkauft und verleiht sie. "Viele Opernhäuser haben kein eigenes Harmonium mehr. Da aber in vielen Opern von Richard Strauss beispielsweise ein Harmonium vorkommt, gibt es immer noch Bedarf."

Quelle: RP
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