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Düsseldorf
Der sechste Krimi des Kommissars

Düsseldorf. Um nicht explodierte Sprengkörper geht es im neuen Krimi von Klaus Stickelbroeck nur am Rande. Privatdetektiv Hartmann hat in "Blindgänger" mit drei Fällen schon genug zu tun. Von Stefani Geilhausen

Sie sind die Popstars unter den Düsseldorfer Krimi-Autoren. Gerade noch zusammen mit dem neuesten Album auf Tour - und schon stellen einzelne Mitglieder der Krimi-Cops wieder Soloprojekte vor. Um im Bild zu bleiben, wäre dann Klaus Stickelbroeck sozusagen der Phil Collins der Krimigruppe: Er hat gerade seinen sechsten Hartmann-Roman herausgebracht, und vor, nach und während der fünf Gemeinschaftsproduktionen auch noch zahlreiche Kurzkrimis veröffentlicht.

Jetzt also wieder Hartmann, Vorname Christian, wohnhaft am Konrad-Adenauer-Platz mit Aus- und Einblick ins Milieu und einem Freundeskreis voller skurriler Bindestrichnamen: Regenrinnen-Rita etwa, die zwei Meter groß ist, oder Huren-Heinz, den sie beruflich kennt, und Sara-Jacqueline, deren Mutter Hartmann mit Brötchen versorgt. Hartmann lebt von den spärlichen Ersparnissen aus seiner Profikarriere im Fußball, die ein kaputtes Knie lange vor der finanziellen Sorglosigkeit beendet hat.

Eigentlich nett von Stickelbroeck, dass er seinem Helden überhaupt eine Wohnung zugesteht, er sieht ihn in der Tradition vom Helden seiner Jugend-Krimis, und Detektiv Rockford (der mit dem Anrufbeantworter) wohnte bekanntlich in einem Trailer. Auch Magnum war im Grunde ein armer Teufel, man hat's bloß nicht so gemerkt, wenn er im Ferrari seines nie gesehenen Gastgebers Robin Masters auf Hawaiis Küstenstraßen Bösewichten hinterher jagte. Anständige Kerle waren beide, und eben so sieht Stickelbroeck auch seinen Hartmann, der zwar eine ziemlich derbe Ausdrucksweise, aber auch einen guten Kern hat.

Ganz anders als Struller, der Kommissar aus den Krimi-Cops-Romanen, der die bösen Schimpfwörter auch so meint und längst nicht so sozialverträglich ist wie Hartmann. Kein Wunder, Struller ist Beamter und kann sich im Zweifel darauf verlassen, dass ihm per Dienstanweisung geholfen wird. Hartmann aber muss selbst dafür sorgen, dass Angi, Schotter und Simone ihn aus Herzensgüte unterstützen, schon deshalb sei Hartmann eher weich, sagt Stickelbroeck, der jeden coolen Spruch im Geiste darauf prüft, ob er ein Struller oder ein Hartmann sein könnte. "Ich hab Schimpfwörterlisten für beide", sagt der Autor, der schon als Schulkind Kurzgeschichten geschrieben hat und auch vor einem historischen Roman nicht zurückgeschreckt ist. Nur die Gedichte, sagt er, die seien "wirklich sehr, sehr schlimm." Die Krimis aber gelingen dem Ersten Polizeihauptkommissar immer besser. Seinen ersten Kurzkrimi veröffentlichte er im Jahr 2000, und auf den folgten 44 (!) weitere, dazu die Krimi-Cops-Gemeinschaftswerke und die Hartmann-Krimis. Für den dritten dieser Reihe wurde er 2011 sogar für den renommierten Friedrich-Glauser-Preis nominiert.

Hartmanns neuer Fall ist eigentlich ein Dreier-Paket, weil die berühmte Schauspielerin, deren Stalker er fangen soll, während der Ermittlungen durch Mord zur Witwe wird und sein seit langem nicht mehr gesichteter Nachbar nicht einfach nur im Urlaub ist. Und weil am Ende doch was explodiert - was wie im echten Leben ziemlich überraschend kommt.

Apropos Überraschung: Der nächste Cops-Krimi ist schon in Arbeit. Darin sollen sich Hartmann und Struller endlich einmal kennenlernen - in Unterrath, wo beide bei Wirt Krake seit ewigen Zeiten Stammgäste sind.

Quelle: RP
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