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Düsseldorf
Die Loverboy-Methode

Düsseldorf: Die Loverboy-Methode
Informationen sind wichtig: Die Elterninitiative unterstützt die Verbreitung von Flyern, hat zudem eine eigene Homepage eingerichtet. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die Kontaktaufnahme geschieht nicht nur im Internet, sondern auch auf Schulhöfen. Frauen werden abhängig gemacht und zur Prostitution gezwungen. Ein Vater will das Thema öffentlich machen. Von Sebastian Esch

Eigentlich soll es die große Liebe sein, doch weit gefehlt. Am Ende werden die meist jungen Frauen professionell verführt und abhängig gemacht. Dann legen die Täter los, machen Nacktbilder und intime Videoaufnahmen. Besonders erschütternd: Vergewaltigungen, bei denen Fotos und Videos aufgenommen werden. Damit werden die Opfer im Anschluss erpresst, meist auch zur Prostitution gezwungen. Das Ganze bezeichnen Experten als sogenannte Loverboy-Methode.

So erlebte es auch Daniel Felder (Name geändert) aus Düsseldorf, der in der vergangenen Jugendrat-Sitzung darüber berichtete. Seine Tochter fiel mit 18 Jahren auf diese Masche herein. Gemeinsam mit ihrer Familie hat sie es allerdings wieder heraus aus dem Teufelskreis geschafft. Der Preis dafür ist ständige Angst vor Verfolgung.

Angefangen hatte alles so: Felders Tochter befand sich in einer glücklichen Beziehung und beendete diese aufgrund von Toni - dem Loverboy - von jetzt auf gleich. Große Sorgen machte sich Felder zunächst nicht. "Dann allerdings begann sich der Charakter meiner Tochter komplett zu wandeln." Die Eltern bekommen den Freund nicht zu Gesicht. Stets gibt es eine neue Ausrede beim Versuch, Toni kennenzulernen. "Wir haben über Wochen gedrängt, dann konnten wir ihn endlich kennenlernen." Felders Gedanken nach dem Treffen sind so erstaunlich wie schockierend. "Ich war mir sicher, dass dieser Mann nicht an der Veränderung meiner Tochter schuld ist", erklärt er. So gut spielt Toni seine Rolle.

Dann verschwindet seine Tochter plötzlich. "Das lag am Stress. Sie musste einen normalen Job aufrechterhalten und nachts anschaffen gehen", sagt Felder. Irgendwann zerbrechen die Opfer. Erst vier Monate später begegnet er der Tochter im eigenen Haus wieder. "Sie wollte noch ein paar Dinge holen und wusste nicht, dass ich Urlaub habe", erklärt er. Einen handgeschriebenen Brief gibt er seiner Tochter an diesem Tag mit, der hinterher den Ausschlag für die Rückkehr geben wird. "Toni hat sie uns emotional weggenommen und mit diesem Brief habe ich sie durchs Emotionale wiederbekommen." Vater und Tochter tauschen zusätzlich Handynummern aus. "Allerdings wechselt ihre Nummer sehr oft. Wenn der Loverboy mitbekommt, dass sie mit uns schreibt, zerstört er sofort die Sim-Karte ihres Handys", sagt Felder. Nach viel Überzeugungsarbeit wendet sich seine Tochter an die Frauenberatungsstelle, die sie schließlich anonym in einer Wohnung irgendwo in Deutschland unterbringt.

Felders Tochter ist kein Einzelfall: "Junge deutsche Mädchen, oft auch minderjährige, werden gezielt ausgesucht", heißt es von der Fachstelle der Frauenberatungsstelle, "für viele Opfer ist es die erste Liebe, da fehlt noch Erfahrung. Das nutzen die Täter aus."

Polizei und Frauenberatungsstelle kennen die grausame Vorgehensweise. "Die Loverboy-Methode ist schon seit längerem bekannt", meint Anja Kynast, Sprecherin der Polizei Düsseldorf, und warnt: "Die meisten bei uns gemeldeten Fälle haben ihren Erstkontakt im Internet." Betroffene sollten sich "bei der Polizei oder uns melden", sagt eine Expertin der Frauenberatungsstelle. Persönlicher Kontakt hilft oft immens. "Danach können weitere Maßnahmen wie eine anonyme Unterbringung geplant werden", sagt sie weiter. "Wir erarbeiten mit der Polizei Schutzregeln, die dann die Sicherheit der Frauen gewährleisten sollen." Bislang funktioniere dieses Verfahren sehr gut.

Felder selbst gründete eine Elterninitiative und versucht, die Methode bekannt zu machen. "Meine Tochter konnte ich nicht davor bewahren, aber anderen kann geholfen werden." Er warnt: Das Internet sei längst nicht mehr der einzige Platz für den ersten Kontakt. Die Schulhöfe seien genauso Ziel der Skrupellosen. Deswegen will er gezielt auf die Schulen zugehen und diese informieren.

Quelle: RP
 
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