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Düsseldorf
Auf der Suche nach dem Impfstoff

Düsseldorf: Auf der Suche nach Impfstoff gegen gefährliche Bakterien
Der Genomforscher Johannes Hegemann an seinem Arbeitsplatz. Er und sein Team sind der Wirkungsweise von gefährlichen Bakterien auf der Spur. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Düsseldorfer Wissenschaftler erforschen gefährliche Bakterien, die schwere Krankheiten auslösen. Sie sind an internationalen Forschungsprojekten beteiligt. Von Ute Rasch

Der Raum ist winzig. Gerade mal ein Schreibtisch mit zwei Monitoren und ein Mikroskop haben hier Platz. Spitzenforschung auf engstem Raum. Aber was hier (und in einigen anderen Laborräumen) geschieht, findet weltweit Beachtung. Der Genomforscher Johannes Hegemann und sein Team sind der Wirkungsweise gefährlicher Bakterien auf der Spur, die schwere Erkrankungen auslösen. Ein Impfstoff, auf der Basis ihrer Erkenntnisse entwickelt, ist das große Ziel der Wissenschaftler. Ohne Übertreibung ließe sich sagen: Das wäre ein Segen für die Menschheit.

Chlamydien sind Überlebenskünstler, diese Bakterienart existiert bereits seit über 700 Millionen Jahren, viel Zeit, um sich immer wieder anzupassen. "In Industrienationen gelten sie als häufigste Erreger sexuell übertragener Krankheiten", erläutert Johannes Hegemann, "nicht behandelte Infektionen sind die Hauptursache weiblicher Unfruchtbarkeit." In Entwicklungsländern leiden nach Einschätzung von Experten 90 Millionen Menschen an einer Augeninfektion, die unbehandelt zur Erblindung führt.

"Aber diese Erreger sind auch verantwortlich für viele Infektionen der Atemwege", so Hegemann. Und mehr. Denn offenbar belasten sie den Körper, in dem sie immer wieder das Immunsystem in Gang setzen. Die Wissenschaftler vermuten, dass sie dadurch an der Entwicklung chronischer Krankheiten wie Arteriosklerose, Rheuma, Asthma und Alzheimer beteiligt sind. Überleben können die Bakterien nur, wenn sie in die menschlichen Zellen eindringen. Dort vermehren sie sich explosionsartig und beeinflussen darüber hinaus die Zellteilung, was möglicherweise auch zur Entwicklung von Krebs beiträgt.

"Wie das den Erregern gelingt, ist letztlich noch nicht verstanden", so Hegemann. Fest steht aber, dass die Bakterien zwar durch Antibiotika bekämpft werden können, aber nicht vollständig. Denn den Chlamydien gelingt es, sich in den menschlichen Zellen zu tarnen, Wochen und Monate zu überdauern - um dann, wenn die Wirkung der Medikamente verpufft ist, erneut aktiv zu werden. "Somit wird nur ein Impfstoff den Menschen dauerhaft schützen." Das Uni-Institut für Funktionelle Genomforschung der Mikroorganismen ist weltweit durch Kooperationen vernetzt. Um einen Impfstoff zu entwickeln, wollen sich die Wissenschaftler einen Mechanismus der Bakterien zunutze machen, denn sie dringen mithilfe bestimmter Eiweiße in die menschliche Zelle ein. "Diese Eiweiße könnten Topkandidaten für eine Impfstoff-Entwicklung sein." Einige dieser Eiweiße werden gerade im Tierversuch von amerikanischen Partnern getestet. Etliche dieser Proteine wurden in den letzten Jahren von den Düsseldorfer Forschern entschlüsselt - eine langwierige Arbeit. In einem Impfstoff eingesetzt, wären sie deshalb wohl so wirkungsvoll, "weil unser Immunsystem die Eiweiße auf der Bakterienoberfläche als Feind erkennt und Fresszellen zur Bekämpfung aktiviert". Letztendlich würde ein solcher Wirkstoff das Immunsystem stimulieren und dem Körper dabei helfen, in kurzer Zeit wirkungsvolle Antikörper zu produzieren.

Die Arbeit des Forscher-Teams wird seit Jahren von der Anton-Betz-Stiftung der Rheinischen Post unterstützt, schon als Johannes Hegemann 1998 seine Arbeitsgruppe an der Uni aufbaute. Soeben wurden dem Institut wieder rund 20 000 Euro bewilligt, unter anderem für einen Inkubator, in dem die Wissenschaftler Zellen bei der Teilung beobachten.

Quelle: RP
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