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Düsseldorf
Streit um digitale Ausstattung der Düsseldorfer Schulen

Düsseldorf: Streit um digitale Ausstattung der Schulen
"Wir erziehen 'digital natives' ohne eigene Medienkompetenz", sagt Berit Zalbertus, Vorsitzende der EDS. FOTO: RED
Düsseldorf. Nur gut die Hälfte der 189 Schul-Standorte verfügt bereits über einen drahtlosen Internet-Zugang. CDU-Politiker sprechen von digitaler Steinzeit. Die Stadt will das bis Ende 2018 ändern. Von Jörg Janssen

Die Ausstattung der Schulen mit moderner Informationstechnologie bleibt ein Zankapfel. "Todunglücklich" ist Berit Zalbertus, Vorsitzende der stadtweiten Schulpflegschaft EDS, mit dem Ist-Zustand. "Wir laufen Gefahr, dass unsere Kinder im globalen Vergleich abgehängt werden. Die sind zwar angeblich ,digital natives', über Medienkompetenz verfügen sie mangels technischer Ausstattung aber trotzdem nicht", sagt die Elternsprecherin, die der Stadt immerhin bescheinigt, bei dem Thema "endlich aufs Gaspedal zu treten".

Tatsächlich verhandelt das Rathaus derzeit mit verschiedenen Netzanbietern, um die drahtlose Anbindung der Schulen ans Internet (W-Lan) zu optimieren. Vorbild dabei ist Köln. Dort ist Netcologne der Vertragspartner, der sämtliche Schulen versorgt. "Wer am Ende unser Partner sein wird, ist noch offen", sagt Florian Dirszus, Leiter der Projektgruppe "Schulischer Hochbau". Dabei hat sich das Rathaus ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis zu den Sommerferien 2018 soll jede Düsseldorfer Schule einen drahtlosen Internetzugang haben und auf dieser Basis mobile Endegeräte (Tablets, Smartphones) nutzen können.

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Pavle Madzirov, schulpolitischer Sprecher der CDU, hält das für Augenwischerei. Verwaltung und Ampelbündnis hätten zuletzt häufiger ambitionierte Pläne verkündet, die dann prompt an der Realität zerschellt seien. "Wer jetzt noch nicht einmal den Partner kennt, mit dem er das W-Lan-Projekt umsetzen will, muss mir erklären, wie er die ganze Nach- und Aufrüstung bis 2018 schaffen will."

45 Prozent der Schulen müssen demnächst neu ausgestattet oder umgerüstet werden. In vielen Schulen läuft der Internet-Zugang bislang über die veraltete "Powerline"-Technologie. Sie wird flächendeckend abgeschafft. Dagmar Wandt, Leiterin des Schulverwaltungsamtes, schätzt die Kosten allein für die Verkabelung in den Gebäuden auf gut 3,5 Millionen Euro. Noch einmal drei Millionen Euro werden für "Access Points" innerhalb der Gebäude veranschlagt. Sie ermöglichen erst den drahtlosen Zugang.

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Zusätzliche Kosten entstehen, weil die derzeitigen Router ausgetauscht werden müssen. Der Vertrag mit dem Anbieter läuft aus. Verlängern will die Stadt ihn nicht. "Die Software hat einen nicht mehr zeitgemäßen Jugendschutzfilter", sagt Wandt. Dass die 250 000 Euro, die die neuen Router kosten, nicht zusätzlich bereitgestellt werden, verärgert die CDU. "Das Geld wird nun aus dem Etat genommen, aus dem eigentlich Tablet-Computer angeschafft werden. Das ist ärgerlich", sagt Sven Holly, der für die CDU im Arbeitskreis "e-school" sitzt.

Quelle: RP
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