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Freimaurer
Düsseldorfs Druiden

Freimaurer: Düsseldorfs Druiden
Die Mitglieder der Jan-Wellem-Loge - allesamt Männer, Frauen sind nur bei gelegentlichen Festen oder Vortragsabenden zugelassen - treffen sich in einer Villa im Zooviertel. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Sie wollen Brüder fürs Leben sein: Um die Freimaurer- und Druidenlogen ranken sich viele Gerüchte. Tatsächlich dringt von dem, was dort besprochen wird, nichts nach außen. Von Ute Rasch

Sie umgibt die Aura des Geheimnisvollen. Viele Gerüchte ranken sich um die Treffen der Freimaurer- und Druidenlogen - und wenig Wissen. Was wollen diese abgeschotteten Männerzirkel? Was geschieht da hinter geschlossenen Türen? Erkenntnis verspricht der Besuch einer blassgelben Villa im Zooviertel. Im Domizil der Düsseldorfer Logen lässt sich vielleicht der Schleier der Verschwiegenheit lüften. "Sie sind uns jederzeit willkommen", hatte Gerd Franzen von der Jan-Wellem-Loge am Telefon gesagt. Er ist Vorsitzender und wird intern "Edelerz" genannt. Wieder so eine rätselhafte Formulierung...

"Da ist gar kein Geheimnis", sagt Franzen gleich zu Beginn und mit Nachdruck. Nur sei es eben so: Was bei den Treffen der Loge besprochen wird, "bleibt unter uns." Vertrauen durch Verschwiegenheit sei nun mal oberstes Prinzip. Ebenso wie der Anspruch, in der Gemeinschaft das eigene Wissen zu erweitern, "ganz im Sinne der Aufklärung", ergänzt Markus Puschmann, stellvertretender Vorsitzender. Und von wegen "abgeschottet!" Neulich erst habe die Loge per Zeitungsanzeige neue Mitglieder gesucht, denn der Kreis ist mit 20 Männern eher überschaubar.

Der Neuzugang sollte unterscheiden: Die Jan-Wellem-Loge ist keine Freimaurer-, sondern eine Druidenloge. Die Wurzeln der Freimaurer reichen bis in die mittelalterlichen Dombauhütten, in denen spezielle Kenntnisse nur im Kollegenkreis weitergegeben wurden. Die Druidenlogen erinnern an die Gelehrten und geistigen Führer der Kelten. "Aber wir betreiben keine Keltenforschung, wir treffen uns nicht zu irgendwelchen geheimen Ritualen, um das Wirken der alten Druiden nachzuahmen", betont Gerd Franzen.

Vielmehr wollten die Gründerväter der Logen im 18. Jahrhundert, als Meinungsfreiheit noch nicht zu den Grundrechten gehörte, einen Ort etablieren, wo sie ungestört reden konnten. Sie trafen sich in Hinterzimmern, zu denen nur Einlass bekam, der ein Passwort wusste - ein Ritual, das überlebt hat. "Diese Treffpunkte waren sichere Räume, in denen man sagen konnte, was man dachte", so Markus Puschmann. Vorsicht, die im Wechsel der Zeiten wichtig und manchmal überlebenswichtig war, auch während der Nazi-Diktatur waren Logen verboten.

Den Idealen der Aufklärung fühlen sich die Mitglieder bis heute verpflichtet. "Sich weiter zu entwickeln", sei ein Ziel der Treffen. Zu denen wird jeden Montag einladen, und einer aus dem Kreis bereitet einen Vortrag vor. Das Themenspektrum reicht von der Virtuosität eines Franz Liszt bis zu den bürokratischen Hürden der Arzneimittel-Zulassung von heute - je nach Passion und Profession der "Brüder", wie sich die Mitglieder nennen.

Der Geistesbildung folgt bei den abendlichen Treffen das vertrauliche Gespräch, oft im kleinen Kreis oder zu zweit. "Und jeder kann sicher sein, dass davon nichts nach draußen dringt", so Franzen. Auch einander in Notsituationen zu helfen, haben sie sich versprochen - in einem speziellen Ritual. Überhaupt ist das Männerbündnis geprägt von "Formalitäten" (Franzen) und "jeder Menge Struktur" (Puschmann). Und von Tradition. So wird der Raum der Verschwiegenheit "Tempel" genannt, auf dem Tisch liegen Sichel (Symbol für Arbeit) und Mispelzweig (für den rücksichtsvollen Umgang mit der Natur), und regelmäßig werden die sieben Lehren der Druiden zitiert, Leitfaden fürs Leben: "Wissen ist Macht, wer Macht hat, übe sie mit Vernunft. Meide das Laster, ertrage des Lebens Übel..."

Frauen sind in dieser Männergesellschaft tabu, abgesehen von Festen oder Vortragsabenden im großen Kreis. "Das hat sich bewährt", versichert Markus Puschmann. Königliche Ausnahme: Queen Elisabeth ist Mitglied der Druiden-Loge, Winston Churchill war es auch. Themen wie Politik und Religion werden ausgeklammert, weil man sich dabei schnell "an die Köpfe geht." Lieber reden sie über ein gemeinsames Projekt: Die Jan-Wellem-Loge unterstützt junge Musiker während ihres Studiums an der Robert-Schumann-Hochschule.

Einer dieser Stipendiaten ist mit seinen 23 Jahren das jüngste Mitglied in diesem Kreis, der Älteste ist 89. Aber ist die Mitgliedschaft in einer Loge heute noch zeitgemäß, wo es üblich ist, Freundschaften per Mausklick zu besiegeln? "Wir bieten Verlässlichkeit ein Leben lang", so Gerd Franzen. Ein Gegenentwurf zum Twitter-Alltag sind diese Treffen allemal. "Wer ein Netzwerk sucht, um berufliche Kontakte zu knüpfen, ist bei uns am falschen Ort."

Quelle: RP
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