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Düsseldorf
Ein geschützter Raum im Klinik-Alltag

Düsseldorf: Ein geschützter Raum im Klinik-Alltag
Claus Scheven sieht es als seine Hauptaufgabe, Patienten in schwierigen Lebenssituationen beizustehen - und ihnen Hoffnung zu geben. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Claus Scheven ist Seelsorger am LVR-Klinikum. Mit vielen Angeboten unterstützt er Patienten und Mitarbeiter. Von Julia Brabeck

Seit mehr als 20 Jahren arbeitet Claus Scheven als evangelischer Seelsorger im LVR-Klinikum - einer psychiatrisch-psychosomatisch-psychotherapeutischen Fachklinik. "Ich habe das Gefühl, an der richtigen Stelle zu sein, und dass die Aufgaben meinen Begabungen und Fähigkeiten entsprechen", sagt der gebürtige Düsseldorfer. An der Krankenhausseelsorge schätzt er, die Zeit, die er hat, um sich dem einzelnen Menschen intensiv zuzuwenden. "Zudem ist meine Arbeit sehr vielseitig", sagt der 56-Jährige.

So ist er beispielsweise zusammen mit seinem katholischen Kollegen Wolfgang Reuter für die bis zu 700 Patienten, aber auch für die 1200 Mitarbeiter der Klinik ein Ansprechpartner. Er unterrichtet in der klinikeigenen Alfred-Adler-Schule Religion und Philosophie und führt Fortbildungen für die Mitarbeiter durch. Dabei geht es beispielsweise um die Bewältigung von Trauer, die Themen Sterben und Tod. Zudem hält er alle 14 Tage einen Gottesdienst in der Kirche auf dem Klinikgelände ab. "Die Kirche ist ein geschützter Raum, der ein offenes Miteinander ermöglicht. Hier können die Besucher zu Ruhe kommen, losgelöst vom Klinikalltag."

Hauptaufgabe des Seelsorgers ist es aber, den Patienten in ihren Krisen und schwierigen Lebenssituationen beizustehen. Manche leiden beispielsweise unter Wahnvorstellungen oder Depressionen. "Gerade in akuten Krankheitsphasen geht es darum, nur da zu sein, ohne viel Worte, und die Situation mit auszuhalten." Erst später sei dann möglich, mit den Patienten über ihre Situation zu sprechen und mit ihnen herauszufinden, was ihnen Kraft geben könnte und wie sie Vertrauen zu sich selbst fassen können.

"Ich versuche ein Stück Hoffnung zu geben", sagt Scheven. Für ihn ist beispielsweise nicht der Inhalt einer Wahnvorstellung wichtig, sondern die Gefühle wie Angst und Trostlosigkeit, die diese auslöst, die Befindlichkeit des Kranken. "Ich bin kein Mediziner und will und kann deshalb nicht an den Symptomen arbeiten, aber ich kann versuchen, Kraft und Ruhe und wieder Lebensfreude zu vermitteln."

Wichtig sei es auch, den Kranken Wertschätzung entgegenzubringen, denn diese litten häufig unter der Entwertung durch ihr persönliches Umfeld. Dabei helfen Kooperationen mit Einrichtungen außerhalb der Klinik. Mit der evangelischen Thomaskirche zusammen wird etwa das Kirchenatelier angeboten, bei dem Gemeindemitglieder, Nachbarn und Menschen mit Psychiatrieerfahrung gemeinsam kreativ zu verschiedenen Themen und mit unterschiedlichen Materialien arbeiten. Außerdem organisiert Scheven auch andere Freizeitbeschäftigen wie Ausflüge für die Patienten mit.

"Meine Aufgabe ist sehr bereichernd und vielseitig. Ich habe mit vielen verschiedenen Menschen jeden Alters und mit den unterschiedlichsten Lebenssituationen zu tun. Das ist sehr spannend." Dabei reicht der Kontakt zu den Menschen von einem flüchtigen, einmaligen Gespräch bis hin zum Aufbau einer seelsorgerischen Beziehung, die auch über Jahre bestehen kann. "Einige Patienten melden sich auch nach ihrer Entlassung noch sporadisch bei mir und erzählen, wie es ihnen geht."

Kraft für seine Arbeit sammelt der Seelsorger vor allen Dingen in der Natur beim Wandern, Sport oder der Gartenarbeit. "Ich lasse mir Zeit, Erlebnisse zu verarbeiten." Zudem nimmt Scheven auch regelmäßig an einer Supervision teil.

Krankenhausseelsorge ist die spezielle Seelsorge christlicher Kirchen innerhalb von Kliniken. In Deutschland wird diese Form der Seelsorge von hauptamtlichen Seelsorgern wie Pfarrern, Diakonen, Pastoralreferenten und Gemeindereferenten ausgeübt. Krankenhausseelsorge richtet sich gleichermaßen an die Patienten und die Mitarbeiter.

Quelle: RP
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