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Imagewandel in Oberbilk
Eine Lobby für die Kölner Straße

Der Umzug von Amts- und Landesgericht
Der Umzug von Amts- und Landesgericht FOTO: RP, Andreas Bretz
Düsseldorf. Inneneinrichter Ralf Falkenberg und Mode-Fachmann Ingo Sosnowski halten am Unternehmensstandort Oberbilk fest. Der hat, sagen beide, seinen schlechten Ruf zu Unrecht. Und gute Chancen, sich wieder zum florierenden Handelsviertel zu entwickeln. Von Stefani Geilhausen

Drei Kinos, zwanzig Kneipen, eine davon mit Brauerei, und mehr als 100 Läden – das war die Kölner Straße in Oberbilk zu ihren besten Zeiten. Mehr als 30 Prozent Leerstand – das war sie zu ihren wohl schlechtesten, und die sind so lange noch nicht vorbei. Ralf Falkenberg hat sie miterlebt, die sechs Jahre U-Bahnbau. Sein Unternehmen war auch schon da, als die Kölner Straße noch die pulsierende Hauptschlagader von Oberbilk war. Und Falkenberg ist überzeugt: "Sie hat gute Chancen, wieder eine Vollsortiments-Straße zu werden."

Etwa wenn gegenüber seines Geschäfts das Brachgrundstück endlich bebaut würde. "Da müssen dringend Wohn- und Geschäftshäuser hin, damit dort neue Läden hinziehen können." Doch obwohl der Abriss der Schmuddelhäuser schon eine Weile her ist, tut sich nichts. ""Vielleicht, weil die Stadt immer versucht, zu viel als Ganzes zu entwickeln. Das bremst viele Ideen aus", sagt Falkenberg.

Alles made in Germany

Er hat nie daran gedacht, mit seinem Unternehmen Inneneinrichtung Schäfer woanders hinzugehen. Auch während der schlimmsten U-Bahn-Zeiten gab es keine Umsatzeinbrüche. Wohl, weil das 1902 gegründete Fachgeschäft noch nie auf Laufkundschaft gesetzt hat, nicht mit Wohnboutique und Abholpreisen lockt, sondern durch Qualität und kompetente Beratung für sich wirbt. "Ein Geschäft wie unseres gibt es in Düsseldorf nicht noch einmal", sagt Falkenberg selbstbewusst. Darum hat er Stammkunden in der ganzen Republik.

Wundern die sich nicht, wenn sie nach Oberbilk kommen? Nein, sagt Falkenberg. "Den schlechten Ruf hat Oberbilk ja nur im Rest von Düsseldorf. Unsere Kunden geben die Adresse ins Navi ein, kommen her – und selbst wenn sie die Straße hässlich finden: Spätestens in unserem Laden sind sie völlig überzeugt."

Auch Ingo Sosnowski setzt auf Stammkunden und beste Referenzen. Nächstes Jahr steht sein Modehaus Avantgarde 50 Jahre an der Ecke Kölner / Ellerstraße. Seine Schwester hat inzwischen zwei Dependancen in Oberstdorf, eröffnet und auch von dort kommen Kunden nach Oberbilk. "Die wissen unsere Mode zu schätzen. Und, dass wir eins der wenigen Unternehmen sind, die nichts in Fernost herstellen lassen. Bei uns ist alles Made in Germany."

Nebenbei hat die Kölner Straße für beide Unternehmer, die auch Besitzer ihrer Geschäftshäuser sind, einige Vorteile: Kostenlose Parkplätze etwa "und wenig Kriminalität." Das Negativ-Image ist Sosnowski langsam leid: "Oberbilk hat keine Lobby." Täglich ärgert er sich über die Vernachlässigung des Viertels, die zum schlechten Ruf beiträgt. Seine Markise sollte er umbauen, weil sie angeblich zu niedrig war "für einen Menschen auf dem Fahrrad mit Regenschirm – das hat mir ernsthaft jemand vom Ordnungsamt gesagt", erzählt er kopfschüttelnd.

Dabei sei an den paar Zentimetern, um die es ging, "die Stadt schuld, die unsere Bürgersteige beim Umbau nicht auf der alten Höhe angelegt hat." Für den Umbau haben alle Anlieger 10 000 Euro zahlen müssen – nach sechs Jahren U-Bahn-Bau. Das neue Pflaster, sagt Sosnowski, "ist schlampig verlegt. Ausgebessert wird hier nichts."

Quelle: RP
 
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