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Haltestellen-Schilder in Düsseldorf
Einmal Belsenplatz, bitte

Haltestellen-Schilder in Düsseldorf: Einmal Belsenplatz, bitte
Für viele Besucher sind die Haltestellenschilder ein Stück Erinnerung. Entsprechend groß war der Andrang. FOTO: Endermann Andreas
Düsseldorf. Tausend Haltestellenschilder hat der Verein "Linie D" beim Tag der offenen Tür im Betriebshof "Am Steinberg" verkauft. Die Besucher begeisterten sich außerdem für viele historische Bahnen. Von Nicole Esch und Andreas Endermann (Fotos)

Kritisch untersuchen einige Käufer, ob die Schrauben an den Gestängen noch festsitzen. "Die hätten Aluminium nehmen können, dann wären die Schilder leichter", wird gefachsimpelt. Andere sind auf die 20 Kilogramm, die die Schilder wiegen, gut vorbereitet und haben Sackkarren mitgebracht.

Paul Egerlandt aus Hellerhof hat sich für das Schild vom Belsenplatz entschieden, weil er sich dort immer mit Freunden getroffen hat. FOTO: Endermann Andreas

Lange Wartezeiten an der Kasse von bis zu einer Stunde macht den meisten an diesem Sonntag nichts aus. Dafür ist das Glücksgefühl, einen Schatz gefunden zu haben, viel zu groß. Schon kurz nach Eröffnung ist es rappelvoll im alten Betriebshof "Am Steinberg". Es hat sich herumgesprochen, dass der Verein "Linie D" bei seinem Tag der offenen Tür wieder aussortierte Haltestellenschilder verkauft. Die tausend Exemplare (Stückpreis: 20 Euro) finden schnell begeisterte Abnehmer.

Dirk und Vera Metzmacher haben für ihren Sohn das Schild der Ricarda-Huch-Straße gekauft. "Die Station hat er früher immer benutzt." FOTO: Endermann Andreas

Haltestellen im Originalzustand - samt Bandaufklebern

Suchend laufen die Menschen durch die große Halle. Viele haben das Handy am Ohr. "Den Campingplatz gibt es nicht mehr, kann es auch was anderes sein?" Auch Lena Peifer und Sven Maaßen haben nicht das gefunden, was sie wollten. "Wir hätten gerne die Suitbertusstraße gehabt." Stattdessen gehen sie mit dem Schild des Bilker S-Bahnhofes nach Hause. Vor drei Jahren sind die beiden in eine gemeinsame Wohnung in Bilk gezogen. "Da ist das eine schöne Erinnerung, falls wir mal in eine andere Stadt ziehen", sagt Peifer. Das Schild kommt aber zunächst in den Keller. "Wenn wir mal einen Garten haben, stellen wir es dahin", erzählt Maaßen.

Alanah Koch ist am Paul-Klee-Weg aufgewachsen. Mit dem Schild wollte sie ihren Vater überraschen, der immer noch dort wohnt. FOTO: Endermann Andreas

Die Haltestellenschilder sind noch in ihrem Originalzustand - zum Glück, meint Frederike Görges. "Da ist sogar noch der Aufkleber drauf, der all die Jahre dort klebte. Ich bin mit dem Jungen zur Schule gegangen, der ihn dorthin geklebt hat. Das ist das Logo seiner Band." Ihre Errungenschaft wird sie wohl in ihr Wohnzimmer stellen.

Bahnen im Wandel der Zeiten stehen in der Halle

Die Besucher sind aber nicht nur gekommen, um Schilder zu erwerben. In einer weiteren Halle sind historische Straßenbahnwagen ausgestellt. Gerade die Jüngeren schauen neugierig, wie die Bahnen funktioniert haben. "Wo ist denn das Gaspedal und wozu ist der Hebel?" Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der "Linie D" beantworten fachmännisch alle Fragen.

Historische Rheinbahnen beim "Tag der offenen Tür" FOTO: Endermann, Andreas

Die ältesten Bahn-Modelle stammen aus den 20er Jahren. "Alles, was in Düsseldorf mal gefahren ist, steht hier und ist betriebsbereit. Es gibt rund 400 Fahrten im Jahr mit diesen historischen Fahrzeugen", sagt Vereinsmitglied Jörg Pentz.

Gerade der gesellschaftliche Wandel lässt sich gut an den Wagen erkennen. Vor dem Zweiten Weltkrieg habe es eine "Hightech-Bahn" gegeben. "Die war richtig luxuriös und hatte schöne Polster", berichtet Pentz. In den Kriegs- und Nachkriegszeiten sind diese durch Bahnen mit Holzsitzen ersetzt worden. An die erinnert sich auch Hans-Gerd Eykelen. "Ich bin in den 50ern immer mit der Linie 17 zur Aachener Straße gefahren. Da war ich bei den Pfadfindern."

Ein beliebtes Fotomotiv ist die Güterzug-Lokomotive aus dem Jahr 1927. "Ein sehenswertes Einzelstück", findet Pentz. Vielen sei gar nicht bekannt, dass die Straßenbahnen früher auch Güter befördert haben. Dazu wurde die Lok benötigt. Auch die Architektur der teilweise denkmalgeschützten Gebäude finden ihre Bewunderer. Matthias von Vorst hat es die leere Betriebshalle aus der Gründerzeit angetan. "Ich kann mich erinnern, die Halle als Kind mal gesehen zu haben. Jetzt, wo sie leer ist, kann man sie richtig auf sich wirken lassen", sagt er.

Quelle: RP
 
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