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Kolumne "Auf eiin Wort"
Ich werde erwartet!

Düsseldorf. Pastor Christian Kupfer erzählt die Geschichte einer Frau, die trotz niederschmetternden Krebsdiagnose die Hoffnung nicht verliert.

Im Marathonlauf des Lebens bin ich jetzt im Stadion angekommen. Aber ich befinde mich noch nicht auf der Zielgrade! - Eigentlich wollte sie gerade durchstarten. Sie hatte sich vor einem Jahr extra vorzeitig verrenten lassen. Dann kam die niederschmetternde Krebsdiagnose, die in ihrem Fall auch sofort die Frage nach der verbleibenden Lebenszeit mit sich brachte. Diese Diagnose liegt mittlerweile fünf Monate zurück, gefolgt von der Achterbahn, die all die Behandlungen, Gespräche und Einschränkungen mit sich bringen, häufig unterbrochen von Zeiten voller Lebenslust und Plänen.

Auch den Satz von dem Marathonlauf sagt sie etwas schmunzelnd, obwohl der Ernst nicht zu überhören ist. Wann immer ich sie spreche oder treffe, schwingt dieses Schmunzeln und dieser Ernst mit. Da ihre Gelassenheit auffällt, wird sie gelegentlich gefragt, woher sie die Kraft und Zuversicht in ihrer Lebenssituation nehme. Ihre Antwort ist ein abgewandeltes Zitat: "Wo ich herkomme, bin ich gewollt, und wo ich hingehe, werde ich erwartet!"

An diesem Sonntag ist Ewigkeitssonntag. In meinem Kalender wird er immer noch als Totensonntag bezeichnet, obwohl den Kirchen wichtig ist, dass gerade nicht der Tod, sondern das Leben vor und nach dem Tod im Mittelpunkt steht. Als Jesus seinen eigenen Tod vor Augen hatte und seine Jünger darauf vorbereitete, sagte er den Satz: "Ich lebe, und ihr sollt auch leben!" (Johannes 14,19) Jesus lebte in der Hoffnung, nach seinem Tod von Gott erwartet zu werden. Sein Tod war aber auch zugleich bahnbrechend für unser Sterben: wenn er auferstanden ist, so kann ich auch auf ein Leben über meinen Tod hinaus hoffen. Diese Hoffnung ist wagemutig und vielen sehr fremd geworden. Diese Hoffnung wird in mir persönlich immer dann lebendig, wenn ich in Gottesdiensten und durch Bibeltexte daran erinnert werde und neu spüre, dass dieser Jesus glaubwürdig ist. Dann weiß ich wieder: wo ich hingehe, werde ich erwartet!

CHRISTIAN KUPFER IST PASTOR DER FREIEN EVANGELISCHEN GEMEINDE DÜSSELDORF

Quelle: RP
 
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