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Serie 60 Ist Die Neue Lebensmitte
Immer in Bewegung bleiben

Serie 60 Ist Die Neue Lebensmitte: Immer in Bewegung bleiben
Jochen Molck ist einer, der anpackt. Manchmal hilft er sogar beim Einlass aus, wenn der Andrang groß wird. FOTO: anne orthen
Düsseldorf. Jochen Molck wünscht sich mehr Geld für die freie Kulturszene. Und manchmal wünscht er sich, dass das Zakk wie die Oper behandelt würde. Von Konrad Schnabel

Eigentlich ist Jochen Molck in jüngster Zeit nicht mehr aus dem Feiern rausgekommen. Er selbst wurde letztes Jahr 60, "sein" Kulturzentrum Zakk 40 Jahre alt. Doch besonders geschafft sieht der 1,90 Meter große Hüne mit weißem Haupt und breitem Lächeln nicht aus. Auch nicht wie einer, der schon bei einer Ü-60-Party Einlass gewährt bekäme. Macher erscheinen oft altersloser. Und Molck ist stets in "Heavy Rotation". Ein Mann des Wortes und der Taten. Sein Motto "Immer in Bewegung bleiben" praktiziert er auch in den Erholungsphasen. Sport und Reisen spielen dabei eine große Rolle. Wobei auch seine Urlaube eher dem Abenteuer oder der Fortbildung gewidmet sind. Und ehe zu Hause Langeweile aufkommt, kocht er lieber und betreut Austauschstudenten aus den USA, die sich in Deutschland weiterbilden wollen.

Er ist ein Workaholic, der seine Sucht im Griff zu haben scheint; die Uneitelkeit in Person, ein bekennender Mode-Muffel, politischer Streiter und Schlichter, ein unermüdlicher Kämpfer und notorischer Werber in eigener Sache. Und die ist seit Urzeiten nun mal das Zentrum für Kultur und Kommunikation an der Fichtenstraße, das er seit 16 Jahren leitet. "Aus einer kleinen Kulturinitiative, die RP schrieb jahrelang 'Jugendzentrum', ist ein großes Kultur- und Kommunikationszentrum geworden, mit über 800 Veranstaltungen im Jahr und 150.000 Gästen, ein kleiner mittelständischer Betrieb mit Ausstrahlung über Düsseldorf hinaus." In seiner Geburtstagsrede schwärmte der Oberbürgermeister: "Das Zakk ist eine wunderbare Einrichtung, die Kultur für alle Menschen in Düsseldorf zugänglich macht." Von der Stadt wünscht sich Molck, dass mehr Geld in die freie Szene investiert wird. "Und für uns, dass alles verlässlicher wäre und man sich nicht immer wieder durchhangeln müsste; dass man mal genauso behandelt wird, wie die Oper oder das Schauspielhaus. Wir haben inzwischen fast so viele Besucher wie die Oper, bekommen aber weniger als eine Million Euro an städtischer Förderung pro Jahr."

Höhe- und Tiefpunkt hat Molck so einige erlebt im Zakk, der letzte beste Abend war das Beatsteaks-Konzert vor ein paar Wochen. "Ich wollte nur mal vorbeischauen, aber dann hat mich das Konzert einfach in seinen Bann gezogen." Tiefpunkt sei eine Lesung mit Klaus Modick gewesen, die Molck auch noch selbst organisiert hatte. "Es kam kein einziger Gast, aber wir haben uns prima unterhalten."

Für Sozialromantik ist Molck viel zu pragmatisch: "Man muss nicht reich sein, aber wenn man einen gesicherten Lebensunterhalt hat, ist man einfach kreativer und kann besser arbeiten." Und mit 61 trägt man nicht nur Übergangsjacken, sondern hat auch Übergangsgedanken, die sich auch ein Jochen Molck zu machen scheint. "Ich werde sicher nicht vom einen auf den anderen Tag mit der Arbeit aufhören. Ich kann mir durchaus vorstellen, noch während meiner aktiven Zeit im Zakk die Position als Leiter abzugeben und dort bis zur Rente einen anderen Job zu machen." Die Frage, in welchem Alter (30 oder 60?) er seine Ziele effektiver erreicht hat, lässt ihn kurz schmunzeln: "Mit 60 natürlich. Erfahrung und Gelassenheit. Und man rennt jetzt auch nicht mehr gegen Wände an. Ich kann heute leichter abschalten und sagen: Morgen ist auch noch ein Tag. Ich mache heute nichts besser als früher, aber mit einem anderen Hintergrund. Viele Probleme, die bei 100 Mitarbeitern schon mal auftreten, habe ich irgendwann schon mal erlebt und irgendwann auch schon mal gelöst." Ob ihn die Altersmilde erwischt hat, das weiß er nicht, "das müssen Sie meine Kollegen fragen", sagt Molck und lacht. Überhaupt hat Molck immer einen Spruch parat. Wenn sich die Frage stellt: Beatles oder Stones? ist es Neil Young. "Dessen Musik fand ich schon vor 40 Jahren cool. Heute bin ich jedes Mal voller Vorfreude, wenn wieder ein neues Album angekündigt wird. Das kaufe ich mir dann, setze mir zu Hause die Kopfhörer auf und beschäftige mich damit."

Und auch für seinen Unruhestand hat er bereits Ideen. "Klar wünsche ich mir Enkel, aber das ist ja nicht meine Entscheidung. Weiter arbeiten und interessante Dinge tun. Gern noch mal ein Buch schreiben, vielleicht auch wieder als Journalist oder Wissenschaftler arbeiten. Auch einen längeren Auslandsaufenthalt, etwa für ein halbes Jahr in Kanada oder China, fände ich reizvoll. Auf jeden Fall will ich mich mit Dingen beschäftigen, die etwas mit dem Leben zu tun haben. Fernsehen kann ich dann noch mit 85."

Quelle: RP
 
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