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Mutter und Tochter in Düsseldorf getötet
Kannten die Opfer ihre mutmaßliche Mörderin?

Mutter und Tochter in Düsseldorf getötet: Kannten die Opfer ihre mutmaßliche Mörderin?
In diesem Haus an der Karolingerstraße wurden zwei Düsseldorferinnen wahrscheinlich am 7. Mai zwischen 18.33 und 23.50 Uhr ermordet. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Zunächst hatte es nach einem Familiendrama ausgesehen, als Polizei und Feuerwehr im Mai eine 86- und eine 58-Jährige in Bilk tot auffanden. Nun deuten viele Indizien auf Raubmord hin.  Von S. Geilhausen, C. Herrendorf und H. Pawlitzki

Die Sorgen eines Berliners haben sich aufs Traurigste bestätigt. Nach Informationen unserer Redaktion konnte der Mann in den Tagen vor Pfingsten seine Mutter und seine Schwester in Düsseldorf nicht erreichen. Deshalb rief er die Polizei in der Landeshauptstadt an, die am 10. Mai einen Streifwagen zu einer Wohnung an der Karolingerstraße in Bilk schickte. Auf das Klingeln der Beamten reagierte niemand, diese riefen die Feuerwehr und den Notarzt, die fachkundig die Tür öffneten.

Für die beiden Frauen, die sie leblos in der Wohnung fanden, kam jede Hilfe zu spät. Es ist davon auszugehen, dass die beiden bereits drei Tage zuvor Opfer eines Raubmordes geworden waren. Eine Verdächtige (35) sitzt in Gießen in Untersuchungshaft, weil sie auch dort eines Mordes bezichtigt wird und in ihrer Wohnung Eigentum einer der getöteten Düsseldorferinnen gefunden wurde.

Fahndung nach drei Morden in Düsseldorf und Gießen FOTO: Polizei

Die Tat war in Düsseldorf zunächst nicht bekanntgeworden, weil die Ermittler von einem erweiterten Selbstmord ausgingen. Sie fanden die beiden Frauen so vor, dass es danach aussah, als habe die 58-jährige Tochter ihre Mutter stranguliert und sich anschließend vergiftet. Die ersten Untersuchungen in der Rechtsmedizin und der Anruf der Staatsanwaltschaft aus Gießen führten dann zu der Erkenntnis, dass beide einem Verbrechen zum Opfer gefallen waren. In Hessen soll die Verdächtige Anfang April einen 79-Jährigen umgebracht und ausgeraubt haben. Bis die Ermittler genügend Beweise für einen Haftbefehl hatten, waren die Düsseldorferinnen schon tot.

Auch mehr als drei Monate nach der Tat sind in dem rosafarbenen Altbau an der Karolingerstraße noch deutliche Spuren des Verbrechens sichtbar. Vor der Tür steht derzeit ein großer Schrottcontainer, denn die Wohnung der Opfer wird nun renoviert. Wolfgang Michel und ein Mitarbeiter schleppten am Mittwoch Schutt und Teppichrollen aus der Wohnung, nachdem am Freitag die Möbel abtransportiert worden waren. "Vor einer Woche hätten Sie kommen müssen", sagt Michel. Da habe alles wie die Wohnungstür ausgesehen, an der noch der besondere Staub hängt, mit dem die Fahnder nach Fingerabdrücken suchen. In der Nachbarschaft war die jüngere der beiden getöteten Frauen bekannt. Sie habe früher mal eine Pizzeria betrieben, berichtet eine Frau aus dem Nebenhaus, sie sei oft im Viertel unterwegs gewesen und man habe sie regelmäßig im griechischen Imbiss und im Kiosk gesehen.

Für die Ermittler gilt es nun unter anderem zu klären, ob sich die Verdächtige und die Opfer kannten. Eine Zufallsbekanntschaft sei nicht auszuschließen, sagte der zuständige Staatsanwalt Thomas Hauburger aus Gießen. Für eine langjährige Bekanntschaft gibt es keine Hinweise, es könnte aber sein, dass sich die mögliche Täterin und eines der Opfer vor kurzem kennengelernt haben. Nach Informationen unserer Redaktion soll sich die 35-Jährige in der Zeit um den 7. Mai, der als Tattag gilt, in Düsseldorf aufgehalten und um die Wohnung einer Düsseldorferin gekümmert haben.

Damit könnte sie auch die Person gewesen sein, die am 7. Mai die EC-Karte der 58-Jährigen in der Volksbank an der Ecke von Suitbertus- und Aachener Straße eingesetzt hat. Die Person ist wegen eines Kopftuchs und Handschuhen nicht zu erkennen. Dort oder an der Karolingerstraße könnten Zeugen auch einen blauen Mercedes A-Klasse gesehen haben, von dem die Ermittler annehmen, dass er im Zusammenhang mit dem Mord steht.

Quelle: RP