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Restaurant
La Baracca: Lokal ohne Kellner
Das ist das Restaurant 'La Baracca'
Das ist das Restaurant 'La Baracca' FOTO: Christoph Goettert
Düsseldorf. Im neuen Restaurant an der Grafenberger Allee gibt es hochwertige italienische Küche – und eine ganz besondere Neuigkeit: Die Gäste geben ihre Bestellung nicht wie üblich beim Ober ab, sondern tippen sie selber in eine E-Book-Speisekarte ein. Das Essen bringt ein Steward. Von Regina Goldlücke

Monatelang versperrte ein Bauzaun die Sicht auf das neue Restaurant. Er trug den riesigen Schriftzug "La Baracca", aber damit konnten die Düsseldorfer zunächst wenig anfangen. Umso größer war die Neugier: Welche Art von Gastronomie würde an der Grafenberger Allee auf gleichsam historischem Boden Fuß fassen – nach so beliebten Lokalen wie Wienerwald, Neue Liebe und Kytaro? Gestern war es endlich so weit: Das La Baracca öffnete seine Pforten und beschert der Stadt neben hochwertiger italienischer Küche eine innovative gastronomische Variante.

Der auffälligste Unterschied: Die Gäste geben ihre Bestellung nicht wie üblich beim Kellner ab, sondern tippen sie selber in eine E-Book-Speisekarte ein. Eine klassische Menüfolge aus Vorspeise, Hauptgericht und Desserts wird man darauf nicht finden. Das kulinarische Konzept ist so gestaltet, dass nach Lust und Laune durcheinander probiert werden kann, worauf man gerade Appetit hat. Portionen und Preise sind so bemessen, dass locker mehrere Häppchen verzehrt werden können.

Entwickelt wurden die Rezepte von den italienischen Sterneköchen Andrea Berton und Norbert Niederkofler. Fast alle Produkte kauft La Baracca bei kleinen Manufakturen in Italien ein. Und wie beim legendären "Tischleindeckdich" kommen die Gerichte (ab vier Euro) minutenschnell aus der Küche und werden von einem Service-Steward an den Tisch gebracht.

An die neue Art der Bestellung gewöhne man sich schnell, versichert Jason Harlan. "Die Gäste sollen aber nicht nur staunen, dass es hier ein E-Book gibt. Lieber wäre mir, sie würden das Essen lecker, die Atmosphäre nieveauvoll und gemütlich finden. Die Technik bedeutet nicht mehr als ein bequemes Werkzeug." Der Amerikaner ist Geschäftsführer International von La Baracca. Das erste Restaurant ist seit einem Jahr in München auf Erfolgskurs. Von Anfang an war Düsseldorf als zweite Dependance ins Visier genommen worden. "Hier gibt es Weltstadtflair und offene Menschen", sagt Jason Harlan, "nach diesen Kriterien haben wir den Standort ausgewählt."

Das Restaurant mit Landhauscharakter und 170 Plätzen (sowie weiteren 120 auf der Terrasse) ist in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt. Je nach Stimmung und Kapazität sitzt man in der lässigen Lounge, im "Giardino" mit vielen Spiegeln und weißen Holztischen, der Bibliotheca, der "stanza grande" (große Stube) oder der versteckten Galleria mit Wand-Bildchen. Das Design trägt die Handschrift der Architektin und Innenarchitektin Petra Leckelt.

"Die Immobilie hat Potenzial, bot aber allerlei bauliche Überraschungen", erzählt sie. "In München mussten wir die Decke runterholen, hier hätten wir gern einen Meter mehr Höhe gehabt." Bei der Ausgestaltung sei es ihr auf einen wohnlichen Stil angekommen. Und auf Großzügigkeit: "Man kann hier nicht einfach 20 Stühle mehr reinstellen, der besondere Charakter ginge sonst verloren." Vom Erfolg des La Baracca ist sie überzeugt: "Düsseldorf hat den Markt für solche Konzepte. Ich glaube, wir werden überrannt."

Betriebsleiter Gerhardus van Marm und sein 35-köpfiges Team sind nach dem gestrigen Grand Opening mit 400 Gästen, darunter Wulff und Susanne Aengevelt, Moderatorin Petra Albrecht, Sabine Crasemann (Langen Foundation) und Monique Dekker (Direktorin Hyatt), auf den Ansturm gefasst. "In den kommenden Tagen werden wir das Personal noch einmal kräftig schulen", kündigt er an. "Ab Montag geht es dann richtig los." Wer das Restaurant betritt, kommt an einem meterlangen Weinschrank vorbei. Das La Baracca führt 57 offene Weine, die man sich an der Bar "Vini per Tutti" selber einschenken kann. Ein paar Schritte weiter das Herzstück: ein nostalgisch verglaster Raum mitten im Lokal, in dem Dutzende von Salami-Würsten von der Decke baumeln.

Quelle: RP
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