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Düsseldorf
Liebe ist keine Frage des Alters

Düsseldorf: Liebe ist keine Frage des Alters
Gisela und Erich sind beide verwitwet. Gemeinsam planen sie Reisen, Opernabende und Restaurantbesuche. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Immer mehr Senioren wagen einen Neuanfang in der Liebe. Der Trend geht aber dahin, zusammen zu sein, ohne zusammen zu leben. So ist es auch der Fall bei Gisela und Erich. Von Julia Brabeck

Seit einigen Wochen tönt jeden Morgen bei Erich das "Halleluja" aus der Musikanlage. "Es lohnt sich wieder zu leben. Ich bin wieder sehr glücklich", sagt der 75-Jährige. Er ist verliebt und zeigt das auch. Er streichelt die Hand von "seiner" Gisela, sucht ihren Blick und stellt die 76-Jährige selbstbewusst als seine Lebensgefährtin vor. "Wir wollen jetzt nach vorne schauen und das Leben genießen", sagt Erich, und Gisela nickt eifrig dazu. Denn hinter ihnen liegt keine leichte Zeit.

Beide sind nach vielen Ehejahren seit über einem Jahr verwitwet. Die Ehepartner waren zuletzt lange krank, viele Dinge waren deshalb nicht mehr möglich. Wenn die Beiden, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchten, von dieser Zeit sprechen, der Tod des Partners noch einmal gegenwärtig wird, stockt die Stimme und nur mühsam werden die Tränen zurückgehalten. "Seit wir uns haben, ist aber alles viel einfacher geworden. Es gibt jetzt so viele Dinge, auf die wir uns freuen und die wir gemeinsam erleben wollen", sagt Gisela und diesmal nickt Erich dazu. Wenn sie von ihren Plänen wie anstehende Reisen, Opernabende und Restaurantbesuche erzählen, strahlen sie wie zwei frischverliebte Teenies.

Sich im Alter und nach vielen Ehejahren wieder auf eine neue Liebe einzulassen, erfordert Mut und ist immer noch für viele Menschen unvorstellbar, auch wenn das von der Mehrheit der Bevölkerung inzwischen als normal angesehen wird. Insgesamt ist das Durchschnittsalter bei Hochzeiten in den letzten Jahren in Deutschland kontinuierlich angestiegen. In Düsseldorf wurden 2013 zehn Ehen geschlossen, bei denen beide Partner älter als 70 Jahre waren.

Gisela, die schon immer sehr selbstständig war, hat nach dem Tod ihres Mannes keinen neuen Partner in Erwägung gezogen. "Ich habe gedacht: ,So, das war es.' Und weil mich Freunde auch noch bestärkt haben, wie gut ich alles alleine meistern würde, habe ich mich darauf eingerichtet, alleine zu bleiben." Bis Erich kam und ihr Herz eroberte. Denn für Erich war ziemlich schnell klar, dass er nicht alleine bleiben will. Denn obwohl er in vielen Bereichen ehrenamtlich aktiv ist, an vielen Aktivitäten teilnimmt, gut vernetzt ist und drei Kinder hat, fühlte er sich nach dem Tod seiner Frau, mit der er fast 50 Jahre verheiratet war, häufig einsam. "Ich brauche jemanden, mit dem ich mich austauschen kann und ich bin aktiv auf die Suche gegangen", sagt er. Und als er Gisela ins Auge gefasst hat, hat er versucht, viele "zufällige" Begegnungen zu arrangieren

Bei der Suche haben männliche Senioren eindeutig die größere Auswahl. Frauen werden im Schnitt älter und so leben in Düsseldorf 30 200 verwitwete Frauen, aber nur 6400 verwitwete Männer. Zudem tun sich Frauen oft schwerer damit, aktiv zu werden, fühlen sich nicht mehr attraktiv genug. "Ich hatte schon Bauchschmerzen, wie ich von Erichs Freunden aufgenommen werde, ob ich dort mit seiner Frau verglichen werde. Aber alle sind mir herzlich begegnet", sagt Gisela.

Trotz großer Verliebtheit steht für Gisela und Erich fest, dass sie auf alle Fälle ihre beiden eigenen Wohnungen behalten werden. "Das ist sehr oft der Wunsch bei älteren Personen, dass sie eine Partnerschaft eingehen, aber ihre Eigenständigkeit behalten wollen", sagt die Partnervermittlerin Astrid Menke.

Quelle: RP
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