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Die Woche In Den Stadtteilen
Manchmal braucht es etwas Theater im Gotteshaus

Meinung | Düsseldorf. Der evangelische Pfarrer verwandelte die Christuskirche jüngst in ein Theater, davor schon in einen Kino-Saal mit Popcorn und Bier. Auch eine Lounge gibt es in dem Gotteshaus. Damit stößt er immer wieder eine interessante und lebhafte Debatte über Glaube und Kirche an. Von Semiha Ünlü

Selbst junge Leute reagieren anfangs meist überrascht, wenn nicht sogar verwundert, wenn sie von einem Kino- oder Theater-Abend mit Popcorn und Bier in der Christuskirche in Oberbilk hören oder auf Facebook ein Foto von dem Gemeindepfarrer mit ausgestreckter Zunge und dem Spruch "Teile meiner Predigt werden die Gemeinde verunsichern" sehen.

Der evangelische Pfarrer der Kirche, Lars Schütt, und sein Team ziehen mit solchen Veranstaltungen immer wieder das Interesse auf sich und ihre Gemeindearbeit in Oberbilk. Vor allem aber lenken sie das Interesse auf wichtige Fragen, die selbst Nicht-Gemeindeglieder beschäftigen: Welche Erwartungen hat man und welche Anforderungen stellt man an Glaube, Kirche und Gemeindearbeit? Wie sollten sie inhaltlich und formal "befüllt" werden, wie vielleicht eben gerade nicht?

Und welche Erwartungen hat man eigentlich an einen Pfarrer? Ist es in Ordnung, dass Pfarrer Lars Schütt oft in Sneakers und Sweatshirt unterwegs ist und kein Geheimnis daraus macht, dass auch er seinen Glauben und seine Religion immer wieder auf den Prüfstand stellt, auf Sinnhaftigkeit überprüft? Er zum Beispiel Jesus nicht als einen menschgewordenen Gott betrachtet?

Für Einige mag der evangelische Pfarrer manchmal vielleicht zu weit gehen oder als Geistlicher und/oder Gläubiger auf Abwegen sein. Für Andere sind es aber gerade diese Art der Gemeinde- und Kulturarbeit und dieser Geistliche, die die Menschen - Gläubige wie Nicht-Gläubige und eben auch sehr junge Menschen - in das Gotteshaus an der Kruppstraße in Oberbilk führen und damit dafür sorgen, dass die Kirche eben nicht nur sonntags und an hohen Feiertagen voll ist. Und am Wichtigsten: Mit diesen ungewöhnlichen und unkonventionellen Veranstaltungsformaten werden Hemmschwellen abgebaut und Begegnungen geschaffen - zwischen Jung und Alt, zwischen Gläubigen und Nicht- oder Anders-Gläubigen und den Menschen, die sich irgendwo dazwischen befinden.

Spannende Diskurse entstehen, Fragen werden aufgeworfen, Antworten diskutiert.

Manchmal braucht es eben ein bisschen Theater oder Kino in einem Gotteshaus oder einen Pfarrer, der so offen und tolerant, nahbar und ehrlich ist, um sich mit Glaube, Kirche und Gemeindearbeit zu beschäftigen.

Quelle: RP
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