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Experten in Sorge
Mehr Düsseldorfer wollen Waffenscheine

Experten in Sorge: Mehr Düsseldorfer wollen Waffenscheine
FOTO: graf/Schnettler
Düsseldorf. Nach den Silvesterübergriffen waren Reizgas und Co. plötzlich ausverkauft. Aber auch das Interesse an Schießausbildungen wächst. Experten sehen diesen Trend mit Sorge. Von Stefani Geilhausen und Katharina Pavlustyk

Die Trainingstermine und Schnupperkurse im Gunner's Club waren noch nie so schnell ausgebucht wie dieses Jahr. "Im Dezember haben wir die Anmeldungsmöglichkeit im Internet freigeschaltet - und nach zwei Wochen waren wir voll", sagt der Vorstandssprecher.

Angemeldet hätten sich sowohl junge als auch "sehr alte" Menschen, und er habe schon das Gefühl, dass das plötzliche Interesse mit den Übergriffen in der Silvesternacht zusammenhängt. Dabei sieht er das ausgesprochen skeptisch: "Bei uns geht es um Sport. Scharfe Schusswaffen taugen nicht zur Selbstverteidigung."

Polizei registriert mehr Anträge

Schon kurz nach der Silvesternacht meldeten viele Fachgeschäfte Reizgas und Pfefferspray ausverkauft. Die Nachfrage war aber bereits vorher gestiegen, mit den Berichten von serienweisen, überwiegend sexuell motivierten Angriffen auf Frauen Anfang Januar regelrecht explodiert.

Und die Polizei registrierte gleichzeitig immer mehr Anträge auf den sogenannten kleinen Waffenschein. 2007 waren es 1100 im Jahr gewesen, 2015 noch 1500. Aber seit dem Jahreswechsel gingen täglich acht bis zehn Anträge ein, allein im Januar waren es 480, bestätigt das Polizeipräsidium, was auch landesweit zu beobachten ist. "Wir weisen die Antragsteller darauf hin, dass eine Bewaffnung auch mit Schreckschusswaffen nicht ungefährlich ist", sagte ein Sprecher des Präsidium. "Diese Waffen sehen täuschend echt aus und können schnell zu hochriskanten Situationen führen."

Gerhard Schiefke (68) war selbst früher Polizist und für die Schießausbildung des Nachwuchses verantwortlich. Im sportlichen Bewegungsschießen hat er diverse Titel gewonnen und führt seit Jahren das Schieß-Sport-Zentrum "Magnum" in Flingern.

Wer da Mitglied werden möchte, muss einen fünfstündigen Kursus absolvieren. Und wenn Schiefke erführe, dass ein Kursteilnehmer bloß herumballern möchte oder sich mit Hilfe einer Waffe verteidigen möchte, würde der abgewiesen. "Bisher gab es das aber nicht", sagt Schiefke.

Zwar habe auch bei ihm die Zahl der Schießanfänger zugenommen, doch das führt der Profi-Schütze nicht auf ein gestiegenes Sicherheitsbedürfnis zurück. Für die meisten Mitglieder seiner Anfängerkurse - die überwiegend männlich und 20 bis 35 Jahre alt sind - spiele der sportliche Aspekt die entscheidende Rolle.

Wie für Pascal Lütjen (28), der sich schon immer für den Schießsport interessiert und an seinem früheren Wohnort in Niedersachsen das Flintenschießen ausprobiert hat. Bei Schiefke will der Neu-Düsseldorfer jetzt "die Grundprinzipien des Schießens verstehen" lernen und an seiner Präzision arbeiten.

Ein weiterer Teilnehmer, der seinen Namen nicht in der Zeitung und im Internet lesen möchte, arbeitet zuweilen in den USA und kam im Land der Waffenliebhaber auf den Geschmack. Im Schieß-Zentrum in Flingern will er nun schauen, ob der Schießsport etwas für ihn sein könnte. Bei ihm zählt Neugierde, nicht Schutz: "Ich glaube nicht, dass es die persönliche Sicherheit erhöht. Ich habe auch kein Interesse daran, eine eigene Waffe zu besitzen, es sei denn, es macht mir viel Spaß."

Quelle: RP
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