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Düsseldorf
Nachbarn streiten über Zaun

Düsseldorf. Wann ist ein Zaun ein Zaun - und ab wann hat er seine Funktion so vollständig eingebüßt, dass er nicht mehr reparabel ist, sondern erneuert werden muss? Das sind die Kernfragen, mit denen sich eine Zivilkammer des Landgerichts gestern im Streit zwischen zwei Nachbarn einer Wohnsiedlung in Wersten erneut befassen musste. Von Wulf Kannegiesser

Seit mindestens vier Jahren schwelt der Konflikt - mal wegen eines Baumes und dessen Wurzelwerks, dann wegen eines angeblich maroden Maschendrahtzauns oder auch wegen eines Stabgitterzauns, der mit 1,60 Metern einem Anwohner zu hoch ist, seinem Nachbarn aber nicht. Wann diese Kette von Klagen, Gegenklagen und Widerklagen je zu Ende sein sollte, ist derzeit nicht absehbar. "Man kommt sich vor wie im Knast", brummte der eine Nachbar, der gestern mal auf der Klägerseite saß. Gemeint war damit ein mit 1,60 Meter Höhe angeblich viel zu hohen und angeblich rechtswidrig errichteten Stabgitterzaun, der im vorderen Bereich sein Areal von dem des Nachbarn trennt.

Der allerdings ist ein Rechtsanwalt im Ruhestand (74) und konterte prompt, jener Zaun sei "nach Absprache" errichtet worden, die Höhe sei in der Wohnsiedlung nicht unüblich. Und außerdem sei der Heckenbewuchs dort so dicht, dass der klagende Nachbar sowieso nichts sehen könne, merkte seine Gattin an. Womit gleich wieder ein Maschendrahtzaun, der beide Grundstücke im hinteren Bereich trennt, in den Fokus der Streithähne geriet. Der eine Anwohner hält den Zaun noch für reparaturfähig, will dafür jetzt seinen Nachbarn mit der Hälfte der Kosten belasten. Sein Anwaltsnachbar aber wies auf Fotos nach, dass einige der Zaunpfosten völlig schief und verrostet seien, das Fundament bröckelig.

Ob jene Fragmente überhaupt noch die Funktion eines Zaunes erfüllen oder ob das trennende Bauwerk doch neu errichtet werden müsste, will die Zivilkammer wohl nicht selbst entscheiden. Man gehöre ja nicht der Zaunbauergilde an, so der Vorsitzende Richter. Und ließ anklingen, dass solche Fachfragen (wann ein Zaun noch ein Zaun ist und wann nicht) von Fachleuten geklärt werden sollten, also von Gutachtern. Ob das nach zehn Zivilprozessen zwischen diesen beiden Nachbarn aber zum Friedensschluss führt, bleibt offen. Zumal jedes Gutachten (je nach Ergebnis) durch ein Gegengutachten wieder leicht zu hinterfragen ist.

Quelle: RP
 
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