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Düsseldorf
Neuanfang nach dem Großbrand
Düsseldorf: Neuanfang nach dem Großbrand
Blickt wieder fröhlich in die Zukunft: Doris Schwaab mit ihrem Großneffen Nils und Nichte Daniela im neuen Laden an der Merkurstraße. FOTO: RP-Foto: Andreas Bretz
Düsseldorf. An der Merkurstraße hat Doris Schwaab ihr Kräuter-Lädchen neu eröffnet. Bis vor vier Wochen bediente sie ihre Kunden an der Aachener Straße. Von dort hat sie nicht viel mitnehmen können: Das Geschäft wurde stark beschädigt, als das Mietshaus durch Brandstiftung zerstört wurde. Von Stefani Geilhausen

Nach zwölf Jahren hat Doris Schwaab im Frühjahr ihren 100-Quadratmeter-Laden an der Aachener Straße renoviert. „Zum ersten Mal“, erzählt die Inhaberin des Tee-, Kräuter - und Blumengeschäfts, „hatten wir es richtig schön.“ Dann kam der 11. Juli, in dessen frühen Morgenstunden einer des Hausbewohner Feuer im Treppenhaus gelegt haben soll, das sich bis unters Dach ausbreitete. Das Haus ist seither unbewohnbar – Einsturzgefahr. Und Löschwasser und Rauch haben auch den Laden von Doris Schwaab zerstört.

„In den ersten Tagen habe ich gesagt, ich fange nicht noch einmal an, ich mache Schluss“, sagt sie. Vier Wochen lang hat sie in ihrem Geschäft aufgeräumt, versucht zu retten, was zu retten war. „Vier Wochen lang hab’ ich jeden Tag geheult.“ Und dann kamen die Stammkunden. Machten Mut und drängten sie: „Wann sind Sie wieder da?“ Seit Donnerstag ist sie wieder da. Ein paar hundert Meter weiter, an der Merkurstraße, hat der „Kräuter-Tee-Geschenke-Garten“ neu eröffnet. „Ein bisschen kleiner, aber schön“, sagt Doris Schwaab stolz und schenkt Sekt und Kaffee für die Kundschaft aus, die zur Neueröffnung gratuliert.

Auch die alte Dame, die 50 Jahre lang im ersten Stock des Hauses an der Aachener Straße gewohnt hat, ist vorbei gekommen. Die 88-Jährige lebt jetzt bei ihrer Enkelin. Das ist ja ganz schön, sagt sie traurig, „aber einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ Ihre Möbel sind vom Feuer verschont worden. Trotzdem kann sie nicht an sie heran – zu gefährlich wäre es, die Sachen aus der Wohnung zu retten. „Wo sollte ich auch hin damit?“ fragt sich die Frau, die für alle im Haus die gute Seele war. Dass sich die Hausbesitzerin bis heute nicht einmal bei ihr gemeldet hat, empört die ganze Hausgemeinschaft, die das Feuer zwar zerstört, aber nicht ganz auseinander gerissen hat.

Nur einen wollen alle nicht gern wiedersehen. Arno S., den mutmaßlichen Brandstifter. „Ich kann nicht verstehen, wie jemand die Existenz anderer zerstören kann“, sagt Doris Schwaab und meint damit nicht bloß sich selbst, sondern auch das junge Paar, das erst vier Wochen unterm Dach gewohnt hat. Dort hatte das Feuer am schlimmsten gewütet. „Die beiden haben alles verloren.“

Aber sie haben überlebt. „Dass die Feuerwehr alle unverletzt gerettet hat“, sagt Doris Schwaab, „kann man gar nicht oft genug betonen. Das war eine tolle Leistung.“

Quelle: RP
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