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Krankenhaus in Heerdt
Neuer Betreiber für Dominikus noch 2016

Krankenhaus in Heerdt: Neuer Betreiber für Dominikus noch 2016
Guido Severin (l.) ist Geschäftsführer des Dominikus-Krankenhauses, Rechtsanwalt Michael Mönig (M.) berät die Gesellschaft im Insolvenzverfahren juristisch, Jörg Nerlich ist der vorläufige Sachwalter. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Der Geschäftsführer und die Insolvenzrechtler sprechen im Interview über die aktuelle Lage des Dominikus-Krankenhauses und die Gespräche mit Investoren. Von Christian Herrendorf und Uwe-Jens Ruhnau

Das Dominikus in Heerdt ist in doppelter Hinsicht eine Baustelle: Rund ums und im Krankenhaus laufen Sanierungsarbeiten, zugleich kämpfen Geschäftsführung und Juristen um den Erhalt des Hauses. Das Dominikus befindet sich in der Insolvenz in Eigenverwaltung und sucht einen neuen Betreiber. Im Zentrum beider Baustellen stehen Geschäftsführer Guido Severin, Rechtsanwalt Michael Mönig und der vorläufige Sachwalter Jörg Nerlich.

Lassen Sie uns zunächst einen Blick zurückwerfen. Wie ist das Krankenhaus in die Schieflage geraten?

Michael Mönig Wir haben den Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Der Geschäftsführer hat sehr gewissenhaft und laufend die Liquidität geprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass er, wenn es so weiter geht, irgendwann seine Rechnungen nicht mehr zahlen kann. Deshalb haben wir den Antrag gestellt - mit dem Ziel, das Krankenhaus zu erhalten.

Was waren die Ursachen der drohenden Insolvenz?

Mönig Sie drohte nicht, weil das operative Geschäft defizitär ist. Rein operativ ist das Krankenhaus wirtschaftlich gesund. Wenn das nicht der Fall wäre, hätten wir nicht das Ziel, das Haus zu erhalten.

Wo liegen dann die Probleme?

Guido Severin Beim Umbau. Die Bauzeiten haben sich deutlich verlängert, dadurch stiegen die Kosten. Wenn man im Bestand baut, muss man zudem immer wieder auf Betten verzichten. Laut Plan haben wir 260 Betten, tatsächlich lagen wir zum Teil unter 200, auch aktuell sind es 188.

Warum waren diese Probleme nicht absehbar und Teil der Kalkulation?

Jörg Nerlich Ich erstelle derzeit ein Gutachten für das Gericht, in dem die Situation des Krankenhauses umfassend dargestellt wird. Ein wichtiges Kapitel dieses Gutachtens beschäftigt sich mit den Ursachen der Schieflage. Ich rechne damit, dass das Gutachten Ende August fertig ist.

Gegenwärtig geht es darum, einen Investor zu finden. Mit wie vielen Interessenten sprechen Sie?

Mönig Es war auch für uns, die wir viel Erfahrung mit Insolvenzen haben, überraschend, wie viele sich gemeldet haben. Oft ist man froh, wenn die Zahl einstellig ist oder sich überhaupt jemand meldet. Hier ist die Zahl zweistellig, und wir reden dabei ausschließlich von Investoren, die ein Krankenhaus betreiben wollen, nicht von Investoren, die das Haus abreißen und Wohnimmobilien bauen würden. Nerlich Die potenziellen Investoren haben alle gesagt, dass sie sich die Baustelle sehr genau ansehen möchten, um zu wissen, was sie erwartet, und um abzuwägen, wie sie hier weitermachen würden. Dazu benötigen die Interessenten zwar mehr Zeit, es zeigt aber auch die Ernsthaftigkeit ihres Interesses. Es ist also ein gutes Zeichen.

Wie viele der Interessenten sind katholisch?

Mönig Wir haben die ganze Bandbreite von katholischen, evangelischen und weltlichen Trägern.

Welche Rolle spielt die katholische Tradition des Hauses in den Verhandlungen?

Nerlich Grundsätzlich keine. Alle Investoren werden gleich behandelt. Der Gläubiger-Ausschuss trifft am Ende eine Entscheidung über das beste Gesamtpaket für alle Beteiligten. Dabei ist nicht nur der Kaufpreis entscheidend für eine bestmögliche Quoten-Zahlung auf die berechtigten Ansprüche der Gläubiger.

Warum gab es keine Erwägung, die Probleme im Verbund der Stiftung zu lösen, zu der das Dominikus gehört?

Severin Jedes Krankenhaus der Stiftung ist eine eigenständige Gesellschaft. Eine Konstellation, wie Sie sie beschreiben, ist da nicht besprochen worden.

Warum nicht?

Severin Das kann ich Ihnen nicht sagen, da ich ausschließlich Geschäftsführer der CWS Klinken bin. Nerlich Die Stiftung hat keine juristische Pflicht, mehr Geld in die Gesellschaft zu stecken. Warum sie welche Entscheidung trifft, können wir Ihnen aber nicht sagen. Wir sind hier nur für die Dominikus-Krankenhaus Düsseldorf-Heerdt GmbH verantwortlich.

Wie gehen die Mitarbeiter mit dieser Situation um?

Severin Sie gehen mit der gleichen Motivation an ihre tägliche Arbeit wie vor der Verfahrenseröffnung, aber sie machen sich natürlich Gedanken. Mönig Die Mitarbeiter wollen Gewissheit haben, deshalb werden wir unsere Ankündigungen auch beweisen. Die Gehälter werden weiterhin bezahlt, es gibt zahlreiche Interessenten, die das Krankenhaus übernehmen wollen und das Krankenhaus wird bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens definitiv nicht schließen.

Gesundheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke hat gesagt, dass die Versorgung in Düsseldorf nicht gefährdet wäre, wenn das Dominikus schließen müsste. Wie wollen Sie ihn vom Gegenteil überzeugen?

Nerlich Der Zuspruch ist gewaltig. Die Bürger sehen das Dominikus als ihr Krankenhaus, das sie unbedingt erhalten sehen wollen. Auch die Politik hat quer durch die Parteien ihre Unterstützung zugesagt.

Aber was ist das Alleinstellungsmerkmal? Es kann ja nicht nur die Lage des Hauses im linksrheinischen Düsseldorf sein.

Severin Jeder Chefarzt und sein Team hier sind gut aufgestellt, etabliert und anerkannt. Ich kann da niemanden herausstellen. Nerlich Das Dominikus ist ein Krankenhaus mit einem guten Namen und einer überörtlichen Akzeptanz, die es wegen der Fachkompetenz der Ärzte und der Mitarbeiter erlangt hat.

Worauf muss sich der künftige Träger einstellen - mit Blick auf die Bauarbeiten und mit Blick auf die Gläubiger?

Nerlich Der künftige Träger wird errechnen, welche Baumaßnahmen er ergreifen beziehungsweise fertigstellen möchte, und die Kosten von seinem Preis für den profitablen Bereich abziehen. Ganz wichtig ist: Der Investor übernimmt keine Schulden. Die Gläubiger werden vor allem aus dem Erlös bezahlt.

Wie sieht der Zeitplan für die Rettung aus?

Mönig Der neue Betreiber sollte das operative Geschäft spätestens kurz nach Verfahrenseröffnung vermutlich im September dieses Jahres übernehmen. Damit bestünde für alle Beteiligten wieder die Sicherheit, die sie sich wünschen. Die Sanierer wären dann wieder von der Bildfläche verschwunden. Sie regeln dann - wie in solchen Verfahren üblich - hinter den Kulissen die Abwicklung des Insolvenzverfahrens. Das kann einige Zeit dauern, hat aber überhaupt keinen Einfluss mehr auf den Krankenhausbetrieb.

Quelle: RP
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