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55 Dinge, die weniger als 30 Minuten von Düsseldorf entfernt liegen
Ohne Schuhe über Stock und Stein

55 Dinge, die weniger als 30 Minuten von Düsseldorf entfernt liegen: Ohne Schuhe über Stock und Stein
Nicht angenehm ist zunächst das Laufen über den Neusser Barfußpfad. FOTO: Andreas Woitschützke
Düsseldorf. Seit zwölf Jahren gibt es den Neusser Barfußpfad. Auf 17 Untergründen wie Muscheln oder Kieseln können Besucher ihre Trittfestigkeit testen. Ein Praxistest ohne Schuhe. Von Isabelle de Bortoli

Zwei beherzte Griffe an die Sandalen, dann stehen mein Mann Stefan und ich schon "unten ohne" auf der Wiese. Das Gras ist kühl und trocken, die Zehen betasten vorsichtig die Erde. Der Blick schweift über den Hochzeitshain am Berghäuschenweg (L380).

Idyllisch ist es hier, unvermutet weitläufig, mit Bäumen, die einst von jungen Brautpaaren gepflanzt wurden und heute eine ordentliche Größe erreicht haben. Ohne Schuhe geht es über die Wiese zum ersten Feld des Barfußpfads. Das ist schon ungewohnt. Im Sommer in der Wohnung mal barfuß laufen - kommt vor. Aber irgendwo auf einer öffentlichen Wiese? Schon ewig nicht gemacht.

Der erste Belag, den wir betreten, ist Basaltsplitt. Wir sehen kleine, kantige schwarze Steine. Vorsichtig erst den einen Fuß aufgesetzt, Halt gesucht, dann den anderen nachgezogen - und erst einmal herzhaft gelacht. Wer kitzlig unter den Fußsohlen ist, der kommt auf dem Barfußpfad in jedem Fall ins Schmunzeln. Ansonsten ist das Laufen auf dem Split nicht unangenehm, doch beherztes Auftreten fällt schwer. Etwas wackelig auf den Beinen erreichen wir das nächste Stück Wiese.

Flach, warm und angenehm massierend sind die sogenannten Cobra Pebbels auf dem folgenden Feld. Sie haben die Sonne des Tages gespeichert, und auf dem Weg durch die großen Steine braucht man nicht permanent nach unten zu schauen. Zeit also, die Ruhe zu genießen, die Schmetterlinge wahrzunehmen und in die Sonne zu blinzeln.

Für Barfußpfad-Neulinge gibt es aber auch einige richtig gemeine Bodenbeläge. Die Muscheln piksen unangenehm, wir balancieren vorsichtig durch das Feld. Beim "Porphyrsplitt grün" heißt es dann wahrlich: Zähne zusammenbeißen. Unser Co-Barfußläufer gibt ganz auf und flüchtet in den Sand. Klar, dort kommt in der tiefstehenden Sonne fast schon Strandgefühl auf.

Dass man bei den ersten Gehversuchen auf dem Pfad bei manchen Feldern Probleme hätte und ein wenig herumeiern würde, sei aber ganz normal, teilt uns der Neusser Verkehrsverein mit. Je öfter man den Pfad liefe, desto besser würden sich die Füße an das Barfußlaufen gewöhnen. Der Verkehrsverein hatte den Pfad unter dem großen Einsatz seines Mitglieds Detlef Fleischer im Jahr 2003 eröffnet. Inzwischen gibt es 17 Felder, die mit verschiedenen Belägen gefüllt sind.

Mindestens einmal in der Woche sollte man den Pfad begehen, empfiehlt der Verein. Denn Barfuß zu laufen sei Erholung für die Füße - aber auch für die Seele. Man entspannt in der Natur - und das Barfußlaufen kräftigt Muskeln und Gelenke, fördert die Durchblutung, regt das Herz-Kreislaufsystem an und stärkt das Immunsystem. Außerdem würde das ohne Schuhe laufen ohnehin in der Natur des Menschen liegen.

Welche Untergründe sich für den Neusser Barfußpfad eignen, bespricht der Verkehrsverein mit einem Garten- und Landschaftsarchitekten - und holt sich zudem Anregungen von anderen Barfußpfaden in ganz Deutschland, die sich einer immer größeren Beliebtheit erfreuen. Damit der ungewöhnliche Pfad für die Besucher gepflegt bleibt, schaut jede Woche ein Vorstandsmitglied des Verkehrsvereins nach dem Rechten.

Zurück zu Hause kontrollieren wir unsere Füße: alles bestens, keine Verletzungen und nur ein bisschen Staub. Eine angenehme Wärme macht sich in den Fußsohlen breit. Das motiviert uns zu einer neuen Runde Barfußlaufen - diesmal auf der heimischen Wiese.

Quelle: RP
 
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