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Düsseldorf
Paketbote ließ 62 Päckchen verschwinden

Düsseldorf. Ein 30-jähriger Paketbote hat immer wieder Päckchen nicht ausgeliefert und sogar an einen Bekannten weiterverkauft. Der vorbestrafte Mann hätte dafür eigentlich ins Gefängnis gemusst – erhielt aber nur eine Bewährungsstrafe, damit er sich um seinen Sohn kümmern kann. Von Wulf Kannegießer

Weil er alleinerziehender Vater ist, entging ein Ex-Paketbote am Montag beim Amtsgericht knapp einer Haftstrafe. Denn eigentlich, so die Staatsanwältin, hätte der wegen Unterschlagung und Verletzung des Postgeheimnisses schon vorbestrafte Mann (30) diesmal eine Gefängnisstrafe verdient.

Zumal er 2014 trotz sechs Eintragungen ins Vorstrafenregister wieder eine Stelle als Fahrer einer Paket-Partnerfirma ergattert hatte - und dort prompt noch mal 62 Pakete verschwinden ließ. Nach einem detaillierten Geständnis kam der Angeklagte aber mit zwei Jahren Bewährungsstrafe davon - unter der Auflage, dass er jetzt 150 Sozialstunden ableistet.

Nur zwei Wochen brauchte der Angeklagte laut Geständnis, um im Sommer 2014 erneut seine Existenz und zugleich die Zukunft seines sechsjährigen Sohnes zu gefährden. 62 Versandhaus-Kataloge habe er damals nämlich nicht ordnungsgemäß ausgeliefert, sondern irgendwo in Lierenfeld entsorgt. Und dann sei ihm ein Fremder, von dem er nur den Vornamen "Nick" kenne, mit dem verfänglichen Angebot begegnet, "ob er nicht Pakete bei mir kaufen könne".

Sendungen mit technischem Gerät weiterverkauft

Der Angeklagte habe nachgegeben, habe etliche Pakete mit technischen Geräten für eine Firma an der Kölner Straße einfach an "Nick" verscherbelt - angeblich für 30 bis 100 Euro pro Stück. Damit der Schwindel nicht gleich auffiel, hat der Angeklagte als Paketfahrer mit erfundenem Gekrakel die Empfangsquittungen der angeblichen Paket-Kunden dann selbst unterschrieben.

Über den Inhalt der Pakete habe er aber "nichts gewusst", beteuerte er nun im Prozess. Nachforschungen ergaben jedoch: Die Sendungen enthielten hochwertige Handys und Computerteile (im Wert zwischen 42 und 728 Euro), die bei einer Mobilfunkfirma reihenweise unter falschen Namen bestellt - und vom Angeklagten dann an "Nick" gegen Bargeld abgegeben wurden.

Von seinem Arbeitgeber daraufhin fristlos vor die Tür gesetzt, gelang es dem Angeklagten trotzdem, direkt danach bei einem anderen Paketdienst als Fahrer anzuheuern. Weil das aber "zu viel Arbeit" gewesen sei, habe er den Posten selbst wieder aufgegeben, lebe jetzt von Hartz-IV und einem Minjob und sei mit der Betreuung seines Sohnes vollauf beschäftigt.

Das Gericht ließ ihn auf Bewährung und gegen Ableistung von 150 Sozialstunden wieder laufen. Nur wurde die Bewährungszeit diesmal auf fünf Jahre festgesetzt, in denen er sich nicht die kleinste Verfehlung mehr leisten darf. Sonst wird die Haftstrafe doch noch fällig.

Quelle: RP
 
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