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Düsseldorf
Preußen gaben dem Bürgermeister das "Ober"

Die Porträts der Oberbürgermeister
Die Porträts der Oberbürgermeister FOTO: Kombo: Bretz/ Efe/Radowski
Düsseldorf. In der Galerie im Rathaus hängen nur Porträts von Oberbürgermeistern. Diesen Titel gibt es offiziell erst seit 1858. Ein Beigeordneter ist auch dabei. Von Denisa Richters

Formal gesehen gab es im Düsseldorfer Rathaus bis heute 28 Oberbürgermeister. In historischen Listen wie der im kürzlich von Edmund Spohr und Hatto Küffner im Droste-Verlag herausgegebenen Rathaus-Kompendium "Düsseldorf - Eine Stadt zwischen Tradition und Vision" werden 13 weitere aufgeführt. Das ist legitim, bezieht es sich doch auf die Zeit der Franzosen in Düsseldorf und die Anfänge der preußischen Herrschaft, wo Hierarchie zählte und der Ober den Unter stach. Offiziell gibt es diesen Titel für den obersten Repräsentanten der Stadt erst seit dem 29. Juni 1858: Da verlieh der preußische König dem seit 1849 amtierenden Ludwig Hammers das Recht, sich "Oberbürgermeister" zu nennen und zu besonderen Anlässen eine Amtskette zu tragen.

Seit der Einführung der Stadtverordnung für die Rheinprovinz zwei Jahre zuvor wurden Bürgermeister von den stimmberechtigten Bürgern gewählt und waren damit nicht mehr Staatsbeamte. Es dauerte weitere 140 Jahre, bis sie auch hauptamtlich die Chefs der Stadtverwaltung wurden. Vor der Einführung des Begriffs Oberbürgermeister gab es nur Bürgermeister, noch früher Burmester oder Magistres civium.

Dirk Elbers (rechts) mit seinem Porträt, der Künstlerin Ulrike Zilly und Nachfolger im Amt des Oberbürgermeister, Thomas Geisel. FOTO: Andreas Bretz

Diese Bezeichnungen reichen bis 1303 zurück. Erst 15 Jahre zuvor war die Siedlung Düsseldorf nach der Schlacht von Worringen zur Stadt erhoben worden. Schöffen und ein "Rat" bestimmten die Geschicke und entschieden über die Bestellung von Ratsherren - die Wahl fiel gerne auf Verwandte, was zu der Zeit (und manchmal auch heute noch) nicht ungewöhnlich war. Laut der Gründungsurkunde der Stadt gab es acht Schöffen (später sieben) als "Gerichtspersonen", die mit jeweils acht "Alträten" und "Jungräten" bis 1806 die Verwaltung leiteten. Heinrich Rumpolt (Rumpoldus) war 1303 der erste namentlich erwähnte Schöffe und Bürgermeister (Magister civium).

Die Schöffen blieben auf Lebenszeit, die Bürgermeister wechselten jährlich. Entsprechend lang ist die historische Liste der Bürgermeister von Düsseldorf: Rund 450 Namen sind zwischen 1303 und 1805 genannt, wobei manche mehrfach amtierten. Die Gemeinde finanzierte sich in den ersten Jahrhunderten vor allem aus dem Schoß, einer der Vermögenssteuer ähnlichen Einnahme, sowie einer Werftgebühr und Kleinbeträgen wie einer Abgabe für das Angeln in Stadtgräben. Eine zentrale Rolle spielte das Gasthaus, wo Bedürftigen Geld für Bildung, Miete oder Pflege ausgezahlt wurden. Die Aufsicht hatte der Bürgermeister.

Die größte Änderung der Stadtverwaltung brachte die französische Zeit. Im Großherzogtum Berg wurde unter dem von Napoleon eingesetzten Joachim Murat, er war der Schwager des französischen Kaisers, 1806 eine neue Form der Stadtverwaltung eingerichtet. Dabei wurde der Posten des beamteten Bürgermeisters (Stadtdirektors), des "Maire" geschaffen. Trotz des beeindruckenden Titels hatte der nur eine beratende Funktion. Und: Er musste im Rathaus wohnen, was kaum vorstellbar wäre. Die Hierarchie war klar geregelt: Der Präfekt erteilte dem Unterpräfekten Anweisungen, dieser gab sie wiederum an den Bürgermeister weiter. Der alte Magistrat verschwand, der Bürgermeister war in erster Linie Staatsbeamter und erst danach Vertreter der Gemeinde. Dies blieb auch unter der Herrschaft der Preußen zunächst so, erst mit der neuen Städteordnung der Rheinprovinz von 1856 konnte Düsseldorf seine Stadtverwaltung selbstständig ausbauen. Zwei Jahre später folgte der offizielle Titel Oberbürgermeister. Unter den Franzosen wurden zuvor bereits drei Amtsträger so betitelt, unter den Preußen bis 1858 zehn, inklusive jenem Ludwig Hammers, der erster offizieller Oberbürgermeister wurde.

Sein Porträt ist der Start der heute bestehenden Galerie der Oberbürgermeister im Ältestenratssaal des Rathauses. Porträtiert wurden zwar schon Bürgermeister früherer Zeiten: Wilhelm Stepadt (1628) in einem Kupferstich von Adolf von Kamp, Johann Wilhelm Sommers (1724, 1729) auf einem Ölgemälde von C. V. Kessels. Sie befindet sich aber nicht im Rathaus, Letzteres hängt im Stadtmuseum, ebenso wie ein Porträt von Johann Anton Deycks (1749 bis 1763). Komplett ist die Galerie der offiziellen Oberbürgermeister im Rathaus aber nicht. So sind die Stadtchefs aus der Zeit des Nationalsozialismus nicht vertreten, auch nicht die der Jahre direkt nach dem Zweiten Weltkrieg (siehe Info-Kasten).

Und es gibt weitere Besonderheiten: Wilhelm Marx (1899 bis 1910) hat sich als bislang einziges Stadtoberhaupt in einem Ganzkörpergemälde porträtieren lassen. Möglicherweise spiegelt das die Größe seiner Amtszeit. Denn kaum ein Oberbürgermeister hat solche Spuren hinterlassen wie er. Unter seiner Regierung wurde Düsseldorf zu einer expandierenden, modernen Großstadt. Die Bevölkerung verdoppelte sich nahezu, auch durch Eingemeindungen, es entstanden Rheinhafen, Stahlhof und Oberkasseler Brücke. Marx modernisierte das Schulwesen, war Mit-Initiator eines deutschlandweit einmaligen Beschäftigungsprogramms, festigte das Image Düsseldorfs als Ausstellungsstadt und "Schreibtisch des Ruhrgebiets".

Auch Wilhelm von Becker, der zweite offizielle Oberbürgermeister (1876 bis 1886), sticht heraus, weil er als bisher einziger mit einer Bronzebüste vertreten ist. Er wurde im Anschluss an seine Amtszeit in Düsseldorf übrigens Oberbürgermeister von Köln, 20 Jahre lang, äußerst beliebt und erfolgreich. Rund 70 Jahre später kam ein anderer Wilhelm Becker erstmals ins Amt des Düsseldorfer Oberbürgermeisters - der Sozialdemokrat ist mit der Willi-Becker-Allee im Stadtbild verewigt.

Bei anderen Porträtierten klappte es erst im zweiten Anlauf: Marlies Smeets (SPD), bis heute einzige Frau in der Riege der Oberbürgermeister, ließ sich ein zweites Mal porträtieren - von Janet Brooks-Gerloff, die auch schon Helmut Schmidt gemalt hatte. Bei ihrem Parteifreund Klaus Bungert war die Familie mit dem Erstwerk nicht zufrieden, ließ nach Bungerts Tod ein zweites von Helene Parada malen.

Ein Porträt fällt aus anderem Grund aus der Reihe: Karl Geusen war nur Beigeordneter. In den 1920er Jahren musste er den bei den französischen Besatzern in Ungnade gefallenen Oberbürgermeister Emil Köttgen nach dessen Rücktritt vertreten. Das Volk liebte "Papa Geusen".

Quelle: RP
 
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