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Düsseldorf
Schüler kämpfen für ihre Hauptschule

Düsseldorf: Schüler kämpfen für ihre Hauptschule
Trafen gestern im Schulausschuss für zweieinhalb Stunden aufeinander: Schüler der Hauptschule Melanchthonstraße sowie jene Männer und Frauen aus Politik und Verwaltung, die über sie entscheiden. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Politiker diskutierten im Rathaus über die Schulentwicklung bis zum Jahr 2020/21. Von Jörg Janssen

Die Zukunft der Düsseldorfer Schulen bleibt eines der beherrschenden Themen der Kommunalpolitik. Mehr als 100 Zuschauer drängten gestern Nachmittag in den Sitzungssaal im ersten Stock des Rathauses, um der Debatte zur Schulentwicklung bis 2020/21 zu folgen. Gleich zu Beginn sollte die Sitzung des Schulausschusses in den großen Plenarsaal verlegt werden, doch der war belegt. Und so standen viele Bürger oder saßen auf Tischkanten.

Obwohl die Geschäftsordnung das gar nicht vorsieht, erhielten Schüler und Lehrer der von Schließung bedrohten Benrather Melanchthonstraße ganz am Ende der zweieinhalbstündigen Zusammenkunft doch noch Rederecht. Unter Tränen und dem Applaus der Zuhörer forderte Ciwana Celebi den Erhalt des Standorts, an dem eine Gesamtschule entstehen soll. "Sie haben uns diese Schule zugesagt, setzen Sie uns jetzt nicht auf die Straße", rief die 17-Jährige. Und Lehrer Birger Jansen ergänzte: "Niemand hat mit uns diskutiert. Das ist ganz schlechter Stil." Verstimmt waren die Demonstranten auch über den Oberbürgermeister. "Herr Geisel, ein Schützenfest gehen sie besuchen, aber bei uns, der Hauptschule Benrath, waren sie noch nicht", stand auf einem Transparent.

Freilich war die Schließung der von 300 Jungen und Mädchen besuchten Schule nur ein Thema an diesem Nachmittag. Auf der Tagesordnung stand der dringend notwendige Schulausbau und die damit verbundene Frage, wer als Gewinner und wer als Verlierer aus diesen Plänen hervorgehen wird. Stoff für eine ordentliche politische Auseinandersetzung. Wer noch Zweifel hatte, ob die Christdemokraten ihre Rolle als Opposition tatsächlich schon gefunden haben, wurde eines Besseren belehrt. "Sie setzen die für Düsseldorf typische Vielfalt des Schulwesens aufs Spiel", hielt CDU-Ratsherr Pavle Madzirov Ampel-Mehrheit und Verwaltung entgegen. Seine Sorge: Funktionierende Haupt- werden zugunsten von Gesamtschulen aufgegeben, Realschulen beim geplanten Ausbauprogramm trotz der auch dort steigenden Schülerzahlen einfach nicht berücksichtigt. Gleich mehrfach kreuzte Madzirov mit Ausschusschef Wolfgang Scheffler (Grüne) die rhetorischen Klingen. Der räumte ein, "dass es nicht fünf vor, sondern wenige Sekunden vor 12 ist", machte dafür aber die vormals regierende schwarz-gelbe Mehrheit verantwortlich. "Große Wohnviertel wurden geplant, ohne auch nur einmal daran zu denken, dass dort Kitas und Schulen entstehen müssen."

Tatsächlich drücken Geisel und Schuldezernent Burkhard Hintzsche mit dem Schulentwicklungsplan und dem aktuellen dritten Ausbau-Paket aufs Tempo. Bis 2020/21 steigt die Gesamtschülerzahl (ohne Kollegs) von derzeit etwa 48 500 auf dann 55 000. Darin nur teilweise enthalten: schulpflichtige Flüchtlinge bis 18 Jahre. Ihre Zahl steigt.

Wie hart um Ressourcen gekämpft wird, zeigte die Debatte um das Comenius-Gymnasium. Das fehlt im aktuellen Paket, weil es die dauerhafte Erhöhung von Eingangsklassen bislang skeptisch sieht. "Das ist unfair. Denn der Ausbau wurde bereits 2009 beschlossen, weil das Comenius bereit war, Ganztagsschule zu werden", kritisierte Berit Zalbertus, Vorsitzende der stadtweiten Schulpflegschaft.

Über Kosten für all das wurde gestern übrigens nicht gesprochen. Noch wird kräftig gerechnet. Auch Beschlüsse wurden nicht gefasst. Entscheiden sollen der Schulausschuss am 29. September und der Rat am 5. November. Bis dahin dürfen die Benrather noch hoffen. Zumindest will Hintzsche prüfen, "ob und wie bestehende Klassenverbände beim Wechsel an andere Schulen erhalten werden können".

Quelle: RP
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