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Eller
Allein unter Männern

Eller: Allein unter Männern
Hat sich schon immer mit Männern besser als mit Frauen verstanden, sagt Schützenkönigin Nina Peters, die gelernte Tischlerin ist. FOTO: Andreas Endermann
Eller. Eigentlich bestehen die Reihen der Elleraner Schützen fast nur aus Männer. Dennoch hat Schützenkönigin Nina Peters sich wohlgefühlt. Von Sven-André Dreyer

Nina Peters genießt die kurze Ruhepause und nippt an einem Glas Sekt. Das Mettbrötchen lässt sie unangetastet. "Wir haben schon sehr gut gefrühstückt", sagt die scheidende Königin der Wilhelm-Tell-Gesellschaft in Eller. Kurz vor dem Empfang der Ehrengäste und der großen Parade, die die Schützen an diesem Sonntagnachmittag durch den familiär geprägten Stadtteil führen wird, trifft sich der engste Kreis um das Königspaar noch einmal im Pastoralbüro der Pfarrgemeinde. Draußen werden die Pferde, die später die Kutsche des Paares ziehen werden, an diesem heißen Tag mit Wasser versorgt.

Mit ihrem Mann Patrick repräsentierte die 38-Jährige ein Jahr die Elleraner Schützen. "Eine aufregende Zeit", sagt Peters. Und eine Zeit, die sie trotz der hohen Termindichte nicht missen möchte. Denn Königsbälle, zahlreiche Ausflüge und die vielen Weihnachtsfeiern der Schützengesellschaften sorgten stets für neue, spannende Begegnungen, erklärt die Schützenkönigin. "Die Zahl unserer Auftritte kann man nicht zählen, und bis auf die Wintermonate waren wir ständig unterwegs." Eine Terminkoordination, die die zweifache Mutter nicht selten auch vor logistische Probleme stellte. Denn während ihre Tochter Lea (15) schon sehr eigenständig ist, benötigte ihr Sohn Luca (3) oft die Zuwendung der Mutter. Tage, an denen ihr Mann die Auftritte als Schützenkönig alleine absolvierte.

"Die Zeit der Regentschaft ist schon ein großer Eingriff in die Privatsphäre und verändert viel", sagt Friedrich Fey (64), zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Elleraner Schützen. Und dennoch, "Nina und Patrick waren stets ein sehr bürgernahes Paar, extrem zuverlässig und sehr gewissenhaft", lobt Friedrich Fey.

Bis auf die Amazonen des Reitervereins Eller und die Musikerinnen des Tambourcorps bilden die Schützen in Eller eine reine Männergesellschaft. "Manchmal ist man dann eben nur schmückendes Beiwerk", sagt Peters schmunzelnd. Alleine hat sie sich deswegen dennoch nicht gefühlt. "Ich habe mich mit Männern schon immer besser verstanden als mit Frauen", sagt die gelernte Tischlerin und lacht. Eigentlich wollte sie Hotelfachfrau werden, entschied sich dann jedoch anders. Als Jahrgangsbeste beendete sie ihre Lehre, absolvierte im Anschluss die Meisterprüfung und erhielt Begabtenförderung. Heute ist sie Betriebswirtin des Handwerks und arbeitet als Projektleiterin im Bereich Arbeitsvorbereitung.

Rückhalt in der Rolle der Königin erhielt sie während ihrer Amtszeit von den Adjutanten sowie der ihr zur Seite gestellten Ehrendame. Und auch ihre Familie habe ihr viel Last von den Schultern genommen, sagt Peters. Besonders in der Zeit ihrer schweren Erkrankung. Mehrwöchige Aufenthalte auf der Intensivstation sowie eine anschließende Reha bestimmten einen Teil ihres vergangenen Jahres.

"Ich bin mir in der ganzen Zeit treu geblieben", resümiert Peters über die Zeit als Schützenkönigin in Eller und hofft, dass sich auch die modernen und zukünftigen Schützen auf das Motto "Glaube, Sitte, Heimat" besinnen werden.

Quelle: RP
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