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Kaiserswerth
Der Mann hinter dem Vogel

Kaiserswerth: Der Mann hinter dem Vogel
Markus Peters "verschanzt" sich hinter den frisch angefertigten Holzvögeln. FOTO: David Young
Kaiserswerth. Markus Peters ist Schießmeister der Kaiserswerther Schützen. Es sorgt dafür, dass die gekrönten Häupter beim Wettbewerb ordnungsgemäß ermittelt werden. Von Julia Brabeck

Markus Peters freut sich auf das Kaiserswerther Schützenfest und dabei besonders auf den Montagnachmittag. "Wenn dann der letzte Schuss gefallen ist, alle Vögel von der Stange geschossen wurden und nichts passiert ist, erst dann kann auch ich entspannt ein Bier trinken", sagt der 40-Jährige. Seit vier Jahren muss er jedes Mal auf diesen Zeitpunkt warten, denn so lange ist Peters schon der Schießmeister der St. Sebastianus Bruderschaft 1285 Düsseldorf-Kaiserswerth und somit zuständig für den ordentlichen Ablauf aller Schießwettbewerbe beim Schützenfest im Düsseldorfer Norden.

Insgesamt fünf Mal wird bei den Kaiserswerthern im Laufe des Schützenfestes auf den Vogel geschossen, wobei das Königsschießen am Montag den Höhepunkt der Wettbewerbe bildet. "Im Schnitt sind rund 200 Schüsse notwendig, um den Vogel von der Stange zu holen", sagt Peters. Dieser besteht aus massivem Holz und wird vom Schießmeister, der Zimmermann ist, eigenhändig angefertigt. Bunt bemalt werden die Vögel dann von seinem Stellvertreter, dem Maler Sebastian Gotzes.

Zurzeit wird in der Werkstatt von Peters noch der Schießstand für das Fest vorbereitet. Dieser darf nicht fest auf dem Schützenplatz installiert werden, da sich das Areal unmittelbar am Rhein in einer Wasserschutzzone befindet. "Der rund 500 Kilogramm schwere Geschossfang, in dem der Vogel hängt, wird deshalb mit einem Baufahrzeug, eine Art überdimensionaler Gabelstapler, zehn Meter hoch gehoben", sagt Klaus Peters, 2. Vorsitzender der Schützen und nicht verwandt mit dem Schießmeister.

Die Aufgaben des Schießmeister beschränken sich aber nicht nur auf die Schützenfestzeit. Jede Woche ist er auch für das Bruderschaftssportschießen zuständig. Im alten Bunker am Kaiserswerther Markt befindet sich dafür die vereinseigene Anlage, auf der die Schützen aus zehn Meter Entfernung mit Luftgewehren und Luftpistolen auf Scheiben feuern können. Die jüngeren Mitglieder unter zwölf Jahren werden von Gotzes mit Lasergewehren an den Schießsport herangeführt. "Wir nehmen auch an Wettbewerben wie dem Bezirksschießen teil. Theoretisch könnte man sogar über die Turniere bis zu einer Teilnahme an den Olympischen Spielen gelangen", sagt Markus Peters.

Am Königsschießen nimmt der Schießmeister selber nicht teil, obwohl er gute Chancen auf Erfolg hätte, denn Peters' Hobby ist seit mehr als 20 Jahren die Jagd. "Ich war schon Schüler-, Kronprinz- und Stadtjungschützenkönig. Das reicht." Um Schießmeister zu werden, musste er dennoch eine Prüfung ablegen, bei der er unter anderem den richtigen Umgang mit der Waffe nachweisen und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen musste.

"Ich bin gerne Schießmeister und habe mich deshalb nun für drei weitere Jahre wählen lassen", sagt Peters, der Mitglied im Tambour-Corps ist. Und Schütze zu sein, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. "Ich bin da über meinen Vater einfach hineingewachsen." An der Bruderschaft gefällt ihm besonders die gute Gemeinschaft und die vielen verschiedenen Menschen, die man darüber kennen lernt. "Wer ein Problem hat, findet immer jemanden in der Bruderschaft, bei dem er sich auf dem kleinen Dienstweg Hilfe holen kann."

Quelle: RP
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