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Düsseldorf
Ulf Steidel hört Menschen in Not zu

Düsseldorf. Der Pfarrer leitet die Düsseldorfer Telefonseelsorge, übernimmt aber auch selbst Dienste am Telefon. Von Julia Brabeck

Ulf Steidel leitet seit 2008 die Telefonseelsorge in Düsseldorf und ist damit für rund 120 ehrenamtliche Mitarbeiter verantwortlich. Dass der Pfarrer dieses Amt übernommen hat, liegt in seinem beruflichen Schwerpunkt begründet, den er schon recht früh gesetzt hat. So war der 51-Jährige als Krankenhausseelsorger oder als Seelsorger für hauptamtliche Mitarbeiter in der Pflege und Sozialarbeit tätig.

"Mich hat die Arbeit bei der Telefonseelsorge interessiert, denn Menschen zu begleiten, macht mir Freude, und sich auf verschiedene Lebensgeschichten einzulassen, ist spannend", sagt Steidel. Deshalb übernimmt er selbst regelmäßig Schichten am Telefon, führt Beratungsgespräche und hört vor allen Dingen zu. "Aktives Zuhören, also einfühlsam Interesse zeigen und Gefühle wahrnehmen, ist dabei das Wichtigste."

Rund 22.000 Anrufe gehen jedes Jahr bei der im Jahr 1959 gegründeten Telefonseelsorge in Düsseldorf ein, die an jedem Tag im Jahr rund um die Uhr besetzt ist. Um das zu gewährleisten, ist jeder ehrenamtliche Mitarbeiter zwölf Stunden im Monat im Dienst. Etwa zwei Drittel aller Anrufenden sind erwachsene Frauen, ein Drittel Männer, Kinder und Jugendliche. Im Durchschnitt sind die Anrufer zwischen 30 und 50 Jahre alt. die meisten leben alleine. "Angesprochen werden alle Themen, die Menschen bewegen. Das kann eine akute Krise sein wie Liebeskummer oder eine dauerhafte psychische Erkrankung. Häufig geht es um Beziehungsfragen oder darum, was dem Leben Sinn gibt. Für manche Anrufer sind wir die erste, für andere die letzte Hilfe."

Alle Anrufe unterliegen strengster Verschwiegenheit. Genauso bleiben aber auch die Mitarbeiter der Telefonseelsorge anonym. "Das dient ihrem Schutz. Rufen Menschen häufiger bei uns an, treffen sie zwar nicht auf den gleichen Ansprechpartner, aber auf Menschen mit der gleichen Haltung." Die Telefonseelsorge kann nicht Probleme lösen, aber sie kann Menschen helfen, das möglicherweise selbst zu schaffen. "Denn Probleme vor einem neutralen Menschen in Worte zu fassen, kann helfen, die Situation zu erklären und Gefühle zu sortieren."

Ein Jahr lang werden die Ehrenamtler geschult und danach kontinuierlich per Supervision begleitet. Diese Art der Qualitätskontrolle, Beratung und Begleitung nimmt Steidel auch selbst in Anspruch, um nicht belastende Geschichten in das Privatleben mitzunehmen. "Ich kenne meine Grenzen", sagt er. Zudem schütze ihn der eigene Glauben vor Überforderung, Übermüdung und Verzweiflung. "Der Glaube gibt mir Stärke und Kraft und ich weiß, dass ich durch ihn mit anderen Menschen und anderen Kräften verbunden bin", sagt der zweifache Vater.

Quelle: RP
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