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Düsseldorf
Wie Kinder Gewalt zuhause erleben

Düsseldorf. Erzieherinnen aus Düsseldorf informierten sich bei einer Fachtagung.

1500 misshandelte Frauen haben im vorigen Jahr Rat in der Frauenberatungsstelle gesucht. Von der Gewalt, die sie zuhause erlebten, waren mindestens ebensoviele Kinder betroffen, berichtete Luzia Kleene, Leiterin der Beratungsstelle, gestern am Rande einer Fachtagung für Düsseldorfer Kita-Personal.

Kinder, die zuhause Zeugen häuslicher Gewalt werden, brauchen Hilfe. Dafür wollte der Kriminalpräventive Rat (KPR) der Stadt die Erzieherinnen beim Fachtag sensibilisieren, hat eine Broschüre erarbeitet, die ständig aktualisiert in allen Kitas der Stadt vorhanden sein sollte. Fachleute wie Luzia Kleene und Eberhard Motzkau, früherer Leiter der Kinderschutzambulanz im EVK, erklären darin, wie Pädagogen erkennen können, wenn einer ihrer Schützlinge von häuslicher Gewalt betroffen ist - und wie sie damit umgehen. "Kinder, die erleben, dass ihr Zuhause kein sicherer Ort ist, werden auffällig. Sie ziehen sich zurück, manche neigen selbst zu Gewalt", sagt Motzkau. Es gilt, diesen Kindern die Möglichkeit zu geben, sich zu öffnen. Und auch ihren Müttern. Der schnelle Rat zur Strafanzeige oder Trennung sei in der Regel der falsche. "Wir machen keine Kampagne gegen den ,bösen' Elternteil", sagt Motzkau. "Es geht darum, die Situation zu ändern." Auch die betroffenen Frauen, so Kleene, wollten in der Regel nicht eine Trennung, sondern nur ein Ende der Gewalt.

Ein erster Schritt kann eins der vielen Hilfsangebote in der Stadt sein. Deshalb stellte der KPR den Pädagogen auch das Netzwerk gegen Gewalt vor, damit sie betroffenen Eltern Kontakte vermitteln können - wenn es denn gelungen ist, über das Tabuthema mit ihnen zu sprechen. Wie sie das schaffen, war ein weiteres Thema der Tagung. Die war übrigens so schnell ausgebucht, dass eine Wiederholung als sicher gilt.

(sg)
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