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Heimat genießen in Düsseldorf
Zettel mit Zuhause-Gefühl

Heimat genießen in Düsseldorf: Zettel mit Zuhause-Gefühl
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Düsseldorf. Kochrezepte sind auch Familien- und Heimatgeschichte: Drei Düsseldorfer haben uns ihre Lieblingsgerichte und Geschichten dazu erzählt. Von Semiha Ünlü

Das Rezept für ihr Lieblingsgericht hat Gerti Kobarg in nur wenigen Zeilen und Minuten niedergeschrieben. Doch wenn die 69-Jährige darüber spricht, warum Backfisch im Bierteig ihr Favorit ist, muss sie ausholen: Denn für sie und ihre Familie ist Backfisch schon seit vielen Jahren viel mehr als nur ein Gericht, das man schnell und leicht zubereiten kann und fast genauso schnell "verdrückt": Es ist Teil einer langen und liebgewonnenen Familien- und Heimattradition.

Denn während andere Düsseldorfer Backfisch vielleicht vor allem mit der Kirmes verbinden, denkt Kobarg an Festtage im Kreise ihrer Familie. "Mein Vater wurde in Polen geboren und von dort geprägt gab es an Heiligabend immer Fisch wie Karpfen. Pute oder Gans - das war den anderen Weihnachtstagen vorbehalten", erzählt sie. Um die Zubereitung der landestypischen Speise kümmerte sich Gerti Kobargs Vater stets selbst: Dafür stellte er sich sogar noch nach Feierabend gerne an den Herd.

Viele Jahre später gehört für Gerti Kobarg und ihre Familie (zwei Töchter, ein Sohn) noch immer Fisch zu hohen Feiertagen wie Heiligabend. Allerdings in abgewandelter Form. Denn ihren Kindern habe sie den Fisch, so puristisch wie von ihrem Vater einst zubereitet, erst einmal schmackhaft machen müssen. "Nach verschiedenen Versuchen landeten wir erst mal beim Rotbarschfilet, ganz klassisch in Panade, später dann liebend gerne in Bierteig", sagt sie. Da ihr Mann aber über die Gräten darin nie sehr erfreut war - an der Festtafel wettete die Familie immer darauf, wer wohl die erste finden würde - musste sie weiter suchen. Und landete schließlich bei Kabeljau Loin, das eben keine Fischgräten hat. Kobarg: "Es ist unser Lieblings-Familien-Essen!"

Auch Patrick Gutteks Rezepte-Favorit hat eine Geschichte, die über eine Vorliebe für Nudeln in Tomaten-Soße hinausgeht. Sie sei als eine Art Appell zu verstehen, sagt der 25-Jährige. "Früher habe auch ich immer gleich zu Fertigsoßen und anderen Kochhilfsmitteln aus Tüten und Fläschchen gegriffen", erzählt der 25-Jährige. Doch all die Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker brauche man beim Kochen in Düsseldorf gar nicht. Und genau das will er mit einem so bekannten und beliebten Gericht wie Nudeln in Tomaten-Soße zeigen. "Alles, was man dafür braucht, findet man in Düsseldorf gleich im Supermarkt an der nächsten Ecke: Dort gibt es frisches Gemüse und frische Kräuter. Und man weiß so immer, was man isst und wo es herkommt", sagt der Verkäufer.

Julia Krämers Gerichte sind kulturell fast so vielfältig wie die Stadt selbst. "Für mich sind Kochen und Essen nämlich Kultur und Begegnung", sagt die 42-Jährige. Deswegen probiere sie immer wieder Rezepte aus unterschiedlichen Kulturkreisen aus. Eins müssten die Gerichte aber alle sein: vegan oder wenigstens doch vegetarisch. Und bei ihren kulinarischen Streifzügen habe sie längst festgestellt, dass es kultur- und länderübergreifend etwas sehr Verbindendes gibt: "Jede Küche hat dafür tolle Rezepte!"

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Kochrezepte seien mehr als ein Stück Papier mit Zutaten, Mengenangaben und Kochanweisungen, sind sich die drei Düsseldorfer einig: Es seien Zettel mit Zuhause-Gefühl.

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