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Duisburg
"Akustische Formung" im TaM

Duisburg. Viele Besucher der beiden Philharmonischen Konzerte im Theater am Marientor waren überrascht, dass die Musik viel voller und brillanter klang als sie es von den Gastspielen vergangener Jahre in Erinnerung hatten. Ein findiger Tonmeister von Grammophon sorgt für die hörbare Verbesserung. Von Peter Klucken

Besonders die Abonnenten der Philharmonischen Konzerte kamen mit viel Skepsis ins Theater am Marientor, dass zurzeit als Ausweichspielstätte für die wegen Brandschutzmängeln geschlossene Mercator-Halle dient. Die Musikfreunde hatten noch in Erinnerung, wie stumpf und trocken so manches Konzert im TaM geklungen hatte, als die Duisburger Philharmoniker vor einigen Jahren schon einmal ins TaM ausweichen mussten. Damals, man erinnere sich, wurde ein Klangzimmer eingebaut, das die heiklen akustischen Verhältnisse in dem für mikrophon-verstärkte Musical-Aufführungen gedachten Saal ein wenig verbessern konnte. Aber zufrieden konnten damals weder die Zuhörer noch die Musiker sein, die das TaM als "Trainingslager" bezeichneten, weil der kleinste Fehler hörbar blieb. Als Besucher hatte man den Eindruck, Ohrstöpsel zu tragen.

Musik klingt jetzt voll

Erfreut konnte man nun im Philharmonischen Konzert erleben, dass im vormals "klangtoten" TaM die Musik voll, transparent und auch mit dem nötigen Hall erklingt. Das richtig eingerichtete Klangzimmer war nicht der einzige Grund für die hörbare Verbesserung. Die Philharmoniker nutzten vielmehr elektroakustische Hilfsmittel, die Gernot von Schultzendorff, der einst als Tonmeister bei der Deutschen Grammophon gearbeitet hat, entwickelt hat. "Akustische Formung" nennt er sein Verfahren, das mit einem, wie es heißt, "bemerkenswerten geringen technischen Aufwand" zu einer deutlichen Klangverbesserung führt. Anders als bei Verstärkern wird der Ton nicht lauter gemacht, vielmehr werden im TaM acht "Mikrophone" so eingesetzt, dass das TaM wie ein richtiger Konzertsaal klingt. Auf seiner Internetseite erklärt Gernot von Schultzendorff sein Verfahren kurz so: "Die sogenannte Raumantwort des Saales auf den Orchesterklang wird dabei auch um solche Bestandteile ergänzt, die das Besondere der Atmosphäre berühmter Konzertsäle ausmachen."

Das Göttinger Symphonie Orchester nutzt bereits die "akustische Formung", die von Schultzendorff entwickelt hat.

Auch der Duisburger Intendant Dr. Alfred Wendel zeigte sich gestern mit den Ergebnissen im TaM sehr zufrieden. Gewiss trug auch die verbesserte Akustik im TaM zum glänzenden Einstand des neuen Generalmusikdirektors Giordano Bellincampi bei, der im Konzert am Donnerstag von Oberbürgermeister Sören Link herzlich willkommen geheißen wurde. Der neue GMD mache das Beste aus der Situation. – Auf die Dauer nicht hinnehmbar ist, dass die Konzerteinführung ständig gestört wird von Besuchern, die ihre Plätze suchen. Im nächsten Konzert beginnt die Einführung um 19 Uhr statt um 19.15 Uhr. Vielleicht reicht die zeitliche Entzerrung von Einführung und Konzertbeginn aus. – Zu hoffen bleibt auch, dass die Toilettenanlagen störungsfrei laufen. Der Duft der Rosen, die an die Besucher am Schluss verteilt wurden, war jedenfalls willkommen...

(RP/rl)
 
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