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Duisburg
Dem Puls auf der Spur

Duisburg: Dem Puls auf der Spur
Eine ganz besondere Erfahrung: Die Schüler konnten auch mit zwei kürzlich operierten Patienten sprechen und lernten dabei, welch unterschiedliche Erfahrungen die Kranken gemacht haben. FOTO: Andreas PRobst
Duisburg. Wie das Herz funktioniert, wann es gefährlich werden kann und wie Ärzte dem Problem auf die Schliche kommen: Für eine Schulklasse ging es im Biologie-Unterricht ins Duisburger Herzzentrum in Meiderich. Von Julia Zuew

In einen offenen Brustkorb schauen durften die Kinder nicht. Aber so tief muss der Einblick ins menschliche Herz ja auch nicht sein: "Wir möchten ja keines der Kinder erschrecken. Eine Operation wäre zu viel gewesen", sagt Dr. Bedri Ramadani, leitender Oberarzt der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Herzzentrum Duisburg. "Uns ging es darum, bei den Kindern Interesse zu wecken." Ein EKG schreiben, Blutdruck messen und auch mit operierten Patienten sprechen - das stand gestern beim Info-Tag im Herzzentrum in Meiderich auf dem Plan. Begeistert zogen die Kinder von einer Station zur nächsten und hatten zu allem eine Frage parat. Warum "so was Glitschiges" auf die Elektroden beim EKG kommt, und "wofür man die ganzen Geräte hier braucht": Krankenpfleger und Ärzte des Herzzentrums standen den Schülern aus der sechsten Klasse des Steinbart-Gymnasiums Rede und Antwort.

Die Aktion sei aus purem Zufall entstanden, erzählt der Biologie-Lehrer der Klasse: "Im Unterricht stellte sich eines Tages heraus, dass eine der Schülerinnen die Tochter von Dr. Ramadani ist", sagt Hartwig Wollert. So entstand der Kontakt zu dem Mediziner, der schließlich, mit Genehmigung von Professor Dr. Mohamed El Gabry (kommissarischer Leiter der Herzklinik) die Führung durch das Klinikum möglich machte.

"Die Kinder konnten heute kennenlernen, wie das Krankenhaus funktioniert", sagt Ramadani. Wie Kardiologie-Abteilungen und Chirurgie zusammenarbeiten, wie alle als Team agieren, und wie gemeinsam ein befriedigendes Ergebnis entstehen kann. So konnten die Schüler mit zwei kürzlich operierten Patienten sprechen. "Es gibt geplante Operationen - die Menschen kommen mit gepackten Koffern an und sind super aufgeklärt über die Operation", schildert der Herzchirurg. "Die andere Patientin hatte einen Notfall erlitten." Die Dame erzählte den Kindern, dass sie "aus dem Leben gerissen" worden sei, erst gar nicht gewusst habe, wo sie war. Nach der erfolgreichen Operation habe sie ihre Familie dann ganz glücklich begrüßte. Notfall-Patienten würden die Situation anders erleben als geplante Aufenthalte - und natürlich sei auch öfter Angst im Spiel. Mit einfachen Worten erklärte Ramadani den Kindern, wie schnell es zu einer lebensbedrohlichen Situation kommen kann. Nicht immer müsse es eine Operation geben - auch mit Medikamenten ließe sich helfen. Und manchmal toleriere das Herz sogar jahrelang angeborene Herzfehler, so Ramadani. Auf der Intensivstation der Kinder-Kardiologie liege allerdings ein kleiner Patient, der ohne medizinische Hilfe nicht überlebensfähig wäre: Aorta und Lungenarterie sind durch einen Gendefekt vertauscht, dadurch ist ein funktionierender Kreislauf nicht möglich. Erst mit einer korrigierenden Operation wird der Körper des Säuglings sich selbstständig mit Sauerstoff versorgen können.

"Alle Pfleger und Ärzte, die ihr hier gesehen habt, kommen jeden Morgen hierher", sagt Professor El Gabry in der Abschlussrunde. "Sie alle kommen jeden Tag mit einem Ziel - den Menschen zu helfen." Die Kinder hören gespannt zu und El Gabry fährt fort: "Vielleicht wollt ihr nach diesem Tag später auch Krankenpfleger oder Ärzte werden - um Menschen zu helfen. Wer von euch will jetzt Arzt werden?" Aus den Sitzreihen strecken viele der 27 Kinder ihre Arme empor.

Als die Kinder den Konferenzraum verlassen, kleben die Elektroden vom eigenen EKG noch am Köper, gegenseitig werden Ultraschallbilder vor die Nase gehalten. An solche praktischen Einblicke wie an diesem Tag würden sich Schüler oft auch Jahre später erinnern, sagt Wollert. Vielleicht führt die Erinnerung an diesen Tag manche auf den Weg zum Arztkittel - möglich wär's.

Quelle: RP
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