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Kunst Im Öffentlichen Raum
Die Schützende Hand der Bergleute

Kunst Im Öffentlichen Raum: Die Schützende Hand der Bergleute
Die Heilige Barbara am Kometenplatz in Walsum. FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Eine Skulptur der Heiligen Barbara beschützte fast 20 Jahre lang die Walsumer Kumpel vor Unglücken im Steinkohlebergwerk. Nach der Schließung der Zeche steht die Schutzpatronin nun auf dem Kometenplatz. Von Jan Luhrenberg

Über 80 Jahre lang wurde in der Zeche Walsum Steinkohle abgebaut. In zwei Schächten, die über 300 Meter tief ins das Gebirge ragten, wurde der Rohstoff aus der Tiefe bis ans Licht gefördert. Im Jahr 2008 wurde die Zeche schließlich stillgelegt.

In der langen aktiven Phase des Kohleabbaus kam es zu keinen große Zwischenfällen oder gar Katastrophen. Ein Grund für die große Sicherheit der Grube und der darin arbeitenden Bergleute soll die Statue der Heiligen Barbara sein, die ab 1989 vor dem Bergwerk hausierte. Erst nach der Schließung der Zeche musste ein neuer Platz gefunden werden - seitdem steht die Schutzpatronin auf dem Kometenplatz in Walsum. Im Zuge der Umsetzung schenkte die RAG Deutsche Steinkohle AG die Statue an die Stadt Duisburg und insbesondere an die Walsumer Bevölkerung.

Die naturfarbende Abbildung der heiligen Barbara ist vom Walsumer Steinmetz und Steinbildhauermeister Bernhard Kleinfeld aus Eifeler Sandstein gehauen worden. Die Wahl des Materials ist dabei kein Zufall: Sandstein ist ein ständiger Begleiter der Bergleute. So wurde in der Eifel, aus einem Berg von Udelfanger Sandstein, ein Block herausgeschlagen, der für die Sicherheit der Walsumer Kumpels stehen soll. Als "Schutzpatronin der Bergleute" sollte die Heilige Barbara über die Bergarbeiter wachen und schlimme Katastrophen verhindern, wie zum Beispiel Erdrutsche. Anlass für die Herstellung der Staue war das 50-jährige Bestehen des Bergwerks Walsum

Die Heilige Barabara ragt aus einem großen Felsen heraus, nur der linke Arm der Frau ist zu sehen. Dabei hält sie ihre Hand schützend über einen Hohlgang, der als unterirdischer Gang zwei Werke miteinander verbindet. Die Heilige Barbara, die Überlieferungen zufolge im dritten Jahrhundert gelebt haben soll, ist nicht nur die Schutzheilige der Bergleute, sondern unter anderem auch die von Steinmetzen, Schmieden und Gefangenen. Sie zählt zu den vierzehn Nothelfern, also Heiligen aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert, und soll gegen Gewitter, Feuergefahr, Fieber, Pest und plötzlichen Tod helfen.

Der Duisburger Künstler beschreibt die Besonderheiten seiner Statue, die der Arbeit der Bergleute gedenkt und die Wichtigkeit des Bergbaus in Deutschland suggeriert wie folgt: "Der Beginn eines Hohlganges im linken unteren Bereich der Skulptur symbolisiert die niedrigen Höhen und die Enge des Bergbaus, mit denen Generationen von Bergleuten zu kämpfen hatten. Der stecken gebliebene Keil steht für den Wunsch einer Weiterführung des deutschen Bergbaus."

Inspiriert wurde Kleinfeld bei zwei unternommenen Grubenfahrten ins Innere der Walsumer Zeche, die er antrat, um ein persönliches Gefühl und ein Gespür für die Walsumer Bergleute zu bekommen. "Hier konnte ich die warme Luft riechen, das ,Wetter' erleben, die Enge spüren, aber auch ein kumpelhaftes Zusammengehörigkeitsgefühl erkennen", erklärt der Steinmetz.

Kleinfeld wurde bei der Fahrt in das Steinkohlebergwerk bewusst, dass die Sicherheit der Bergleute ein allgegenwärtiger Aspekt war. "Sicherheit, so war mein Empfinden, stand hier an erster Stelle", sagt der Künstler, "dennoch spürte ich in Gesprächen mit den Kumpel, dass sie sich ständig der Gefahr bewusst waren, jederzeit durch ein unvorhersehbares Unglück in diesem dunklen Berg bleiben zu müssen." Dieser Gefahr wollte Kleinfeld mit seiner Statue entgegenwirken. Am Ende ist es Glaubenssache, ob es tatsächlich der Statue zu verdanken ist, dass in all den Jahren kein Unglück passiert ist.

Quelle: RP
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