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Duisburg
Erste Anlaufstelle: Notaufnahme

Duisburg: Erste Anlaufstelle: Notaufnahme
Statt zum Facharzt gehen Patienten oft geradewegs in die Notaufnahmen der Krankenhäuser. Hohe Terminwartezeiten bei niedergelassenen Ärzten oder Beschwerden, die schon länger anhalten, sind Gründe. FOTO: Olaf Staschik
Duisburg. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser sind überfüllt. Der hohe Zuwachs an Asylsuchenden ist ein Grund. Ein anderer sind Patienten, die statt zum Facharzt gleich in das Krankenhaus fahren - die Folge sind hohe Wartezeiten. Von Carolin Skiba

Die Notaufnahmen der Krankenhäuser sind voll - und werden immer voller. Lange Wartezeiten sind die Folge. Bis zu fünf Stunden auszuharren, um den Arzt zu sehen, ist kein Einzelfall. Die Gründe sind verschieden.

Die gestiegene Anzahl von Asylsuchenden ist einer der Faktoren. Statt zu einem Facharzt zu gehen, suchen sie bei Beschwerden nicht selten gleich das Krankenhaus auf. Oftmals, weil sie es nicht anders aus ihrer Heimat kennen. Prof. Martin Pfohl, Chefarzt der Medizinischen Klinik I, Allgemeine Innere Medizin, Diabetologie und Endokrinologie des Bethesda-Krankenhauses in Duisburg, sagt: "Durch die Zuwanderung in den letzten beiden Jahren sind natürlich viele Menschen dazugekommen, die sich im deutschen Gesundheitssystem nicht auskennen oder manchmal besondere Gesundheitsprobleme haben." Aber der Zulauf in der Zentralen Notaufnahme sei ohnehin in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Pfohl: "Die Anzahl der Notfall-Patientenkontakte hat sich in den letzten zehn Jahren in etwa verdoppelt. In der Notaufnahme behandeln wir natürlich alle Patienten, die von den Hausärzten als Notfall eingewiesen werden, oder die über den Rettungsdienst zu uns gebracht werden. Vor allem außerhalb der Öffnungszeiten der Hausärzte sehen wir aber auch viele Patienten, die direkt zu uns kommen - manchmal auch mit seit längerem bestehenden Beschwerden."

Die Mitarbeiter der Notaufnahme - wie hier im Bethesda-Krankenhaus - haben jede Menge zu tun. FOTO: Andreas Probst (Archiv)

Der Chefarzt der Interdisziplinären Zentralen Notaufnahmen der Duisburger Sana-Kliniken, Dr. Kourosch Moussazadeh, sagt zum Thema: "Es ist auch bei uns feststellbar, dass insbesondere an den Wochenenden mehr Patienten in die Zentrale Notaufnahme mit Symptomen kommen, die man durchaus auch ambulant abklären könnte. Aufgrund des Triagesystems können Patienten mit akuten Verletzungen oder Erkrankungen aber auch vor diesem Hintergrund vorrangig versorgt werden."

Auch im Bethesda-Krankenhaus gibt es das sogenannte Triage-System. Chefarzt Pfohl erklärt: "Um zu vermeiden, dass die ,echten Notfälle' unter den ,leichten Fällen' untergehen, haben wir das Triage-System eingeführt. Jeder Patient wird in der Notaufnahme durch eine geschulte Pflegekraft befragt und voruntersucht - anhand der Beschwerden wird dann über die Behandlungsdringlichkeit entschieden, so dass kein schwer kranker Mensch zu lange warten muss." Dies führe aber auch manchmal dazu, dass Patienten mit leichteren Erkrankungen oder Verletzungen eine längere Wartezeit einplanen müssten. Auch in den Helios-Kliniken werden verletzte oder erkrankte Patienten bei hohem Betrieb in vorgegebene Dringlichkeitskategorien eingeteilt und dementsprechend aufgenommen und versorgt. "Schwere Notfälle haben dabei immer höchste und damit vorrangige Priorität", betont Kathrin Unterberg, die Pressesprecherin des Helios-Klinikums in Duisburg. Die Notaufnahme am Helios Klinikum verzeichnet laut Unterberg zwar seit einigen Jahren ebenfalls kontinuierlich einen leichten Anstieg der Patientenzahlen, jedoch keine akute Zunahme in den vergangenen Wochen - möglicherweise auch aufgrund ausbleibender mehrtägiger Hitzewellen in diesem Sommer.

Doch auch hier: angestiegene Patientenzahlen. In den Malteser-Kliniken in Huckingen und Homberg das gleiche. Unternehmenssprecher Patrick Pöhler sagt: "Zum einen haben wir mehr Patienten durch Flüchtlinge, zum anderen geben die Patienten ganz offen zu, dass sie statt zum Facharzt lieber gleich in das Krankenhaus gehen."

Die Patienten würden schauen wollen, ob es in der Notfallaufnahme nicht schneller ginge als ambulant. Lange Terminwartezeiten bei den niedergelassenen Ärzten seien ein Grund dafür. "Gerade orthopädische Patienten haben wir häufiger", sagt Pöhler. Dadurch würde sich - gerade in Huckingen - die Wartezeit erhöhen. Mehrere Hundert Patienten habe die Notaufnahme in Huckingen am vergangenen Wochenende verzeichnet.

Quelle: RP
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